Reinickendorf
Verein

Erste Anlaufstelle in Reinickendorf für Homosexuelle

Der Verein Regenbogen Reinickendorf bietet eine Beratung für homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen an.

Andreas Otto freut sich über den Raum für seinen Verein "Regenbogen Reinickendorf e.V.". Er bietet eine Anlaufstelle für homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen und deren Angehörige in der Kiezstube am Bottroper Weg an.

Andreas Otto freut sich über den Raum für seinen Verein "Regenbogen Reinickendorf e.V.". Er bietet eine Anlaufstelle für homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen und deren Angehörige in der Kiezstube am Bottroper Weg an.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Wie soll ich meinen Eltern sagen, dass ich schwul bin? Wie wird mein Umfeld reagieren? Oder soll ich es lieber für mich behalten? Viele homo-, bi- oder transsexuelle Menschen kennen dieses Problem, wissen nicht, wie sich sich in der Situation verhalten sollen oder wem sich sich anvertrauen können. Hilfe gibt es beim Verein „Regenbogen Reinickendorf e. V“.

Gegründet wurde der Verein zwar schon im August vergangenen Jahres, jetzt hat Initiator Andreas Otto einen geeigneten Raum gefunden. Ab sofort gibt es die Beratung jeden Donnerstag, 19-21 Uhr, in der Kiezstube am Emstaler Platz, Bottroper Weg 14.

Die Angst, von den Eltern verstoßen zu werden

„Ich bin sehr froh, dass wir jetzt einen geeigneten Raum gefunden haben und die Gewobag diesen zur Verfügung stellt. Die Suche war nicht einfach“, weiß Andreas Otto. Ihm ist der Verein eine Herzensangelegenheit. „Es gibt keine Anlaufstelle hier im Bezirk. Und hier leben 260.000 Menschen.“ Er selbst kennt den inneren Konflikt, seinen Eltern zu sagen, dass man schwul ist. „Ich hatte Angst, dass mich meine Eltern verstoßen“, erinnert er sich. Doch das Gegenteil war der Fall. „Sie haben mich gefragt, wann ich ihnen meinen Freund vorstelle.“

So geht es aber nicht jedem und genau da möchte er mit seinem Verein ansetzen und helfen. „Niemand muss diese Zeit alleine durchmachen.“ Besonders bei Südeuropäern werde ein „Coming-out“, also, zu sagen, dass man schwul oder lesbisch ist, selten akzeptiert beziehungsweise werden die Betroffenen verstoßen oder zwangsverheiratet, damit es niemand bemerkt.

Es gab keinen Treffpunkt in Reinickendorf

Andreas Otto lebt schon einige Zeit in Reinickendorf und fand es immer schade, dass es keine Bar, kein Café oder einen anderen Treffpunkt für Schwule gibt, er hat es aber hingenommen. Richtig bewusst wurde ihm der Mangel bei der ersten queerpolitischen Bootsfahrt auf dem Tegeler See im vergangenen Jahr, die von der FDP, Linken, Grüne und der SPD jedes Jahr organisiert wird – sie möchten so auf das Thema aufmerksam machen und überlegen, was man für die Menschen tun kann.

Jeder wird anonym und individuell beraten

Während der Bootsfahrt hat Andreas Otto den Entschluss gefasst, dass sich etwas ändern muss. „Die Schwulenszene spielt sich überwiegend in Schöneberg ab. Das ist für viele Reinickendorfer zu weit“, sagt der 51-Jährige. Gesagt, getan. Binnen weniger Monate hat er den Verein auf die Beine gestellt. Und der bietet ein umfassendes Angebot. „Erst einmal hören wir zu. Dann überlegen wir, wie wir helfen können. Jeder wird anonym und individuell beraten“, versichert der Initiator des Vereins.

Je nach Problem werde dann ein Experte hinzugezogen, wie beispielsweise ein Arzt. „Bei uns gibt es einen HIV-Schnelltest und die passende Beratung. Wir suchen derzeit noch nach weiteren Ärzten, die sich mit HIV und der Therapie gut auskennen.“

Angebot gilt auch für Angehörige

Zeitgleich soll die Kiezstube jeden Donnerstag neben der Beratung zu einem Treffpunkt werden, damit sich Gleichgesinnte austauschen können. „Natürlich sind auch Angehörige willkommen, die beispielsweise nicht wissen, wie sie mit der Homosexualität des Kindes umgehen sollen“, sagt der Gründer.

Sein Ziel ist es, eine Kampagne mit Sportvereinen zu starten, um das Thema sichtbar zu machen. „Gerade beim Fußball ist es für viele ein Problem sich zu outen“, weiß Otto aus Gesprächen, „und die Trainer wissen meist nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn es öffentlich wird.“

Andreas Otto wünscht sich, dass homo-, bi-,, trans- und auch intersexuelle Menschen in naher Zukunft akzeptiert werden und sie keine Scheu mehr davor haben, ihren Mitmenschen mitzuteilen, dass sie „anders“ sind und sich so zeigen können, wie sie wirklich sind.