Reinickendorf
Diebstahl

Diese Straftaten werden in Reinickendorf begangen

In Reinickendorf sind Straftaten an Kraftfahrzeugen von 2017 zu 2018 deutlich gestiegen, Einbrüche hingegen zurückgegangen.

In ganz Reinickendorf sind die Straftaten in 2018 (26.834) im Vergleich zum Vorjahr (28.684) um sechs Prozent gesunken.

In ganz Reinickendorf sind die Straftaten in 2018 (26.834) im Vergleich zum Vorjahr (28.684) um sechs Prozent gesunken.

Foto: Daniel Maurer / dpa

Reinickendorf.  Es gibt Menschen, die meiden mit Anbruch der Dunkelheit bestimmte Gegenden in Reinickendorf. Einige trauen sich kaum mehr aus dem Haus aus Angst, überfallen zu werden. Das Eigenheim ist mittlerweile doppelt abgesichert und auch das eigene Auto wird nicht mehr an jeder Ecke geparkt – es könnte aufgebrochen werden.

Fragt man Menschen in den von Reinickendorfern benannten Brennpunkten, wie der Rollbergesiedlung, dem Märkischen Viertel oder Reinickendorf-Ost, dann sind viele der Auffassung, die Mitmenschen würden immer krimineller werden. Doch ist dem wirklich so oder ist es nur ein Gefühl? Werden in den sozial schwächeren Gegenden mehr Menschen bestohlen, verletzt oder überfallen als in Frohnau, Hermsdorf oder Konradhöhe?

Straftaten in Reinickendorf gesunken

Die Antwort gibt es von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die auf eine Anfrage des Abgeordneten Peter Trapp (CDU) die Kriminalitätszahlen ausgewählter Delikte in jedem einzelnen Ortsteils im Jahr 2018 aufgeschlüsselt hat. Zugrunde gelegt werden insgesamt 17 Delikte, darunter unter anderem Fahrraddiebstahl, Diebstahl an oder aus einem Kraftfahrzeug, Motorraddiebstähle, Kellereinbrüche, Raub, Laubeneinbrüche, Sachbeschädigung, Taschendiebstahl oder Wohnungs- beziehungsweise Villeneinbruch.

Was sofort auffällt: In ganz Reinickendorf sind die Straftaten in 2018 (26.834) im Vergleich zum Vorjahr (28.684) um sechs Prozent gesunken. Besonders bei den Delikten Kellereinbrüche (-35 Prozent), Laubeneinbrüche (-41 Prozent) und Raub (-29 Prozent) ist ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Enorm gestiegen sind allerdings der Diebstahl von Motorrädern (+46 Prozent) sowie Sexualdelikte (+34 Prozent).

Beliebte Beute bei Dieben: Fahrräder

In den Ortsteilen Hermsdorf, Frohnau, Heiligensee, Märkisches Viertel und in Tegel werden am häufigsten Fahrräder gestohlen oder etwas aus Autos entwendet. „Dass in Berlin, wo sehr viel Fahrrad gefahren wird, viele gestohlen werden, verwundert mich nicht“, sagt Peter Trapp, der die Anfrage an den Senat gestellt hat. „Das passiert oft an Punkten, an denen die Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen und genau hier müssen wir ansetzen“, ergänzt der Abgeordnete. Er hält eine Videoüberwachung an diesen Stellen für sinnvoll. Die Deutsche Bahn solle von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.

Mit dem Rückgang der Straftaten ist der Politiker zwar zufrieden. „Gerade bei der Präventionsarbeit der Polizei beim Thema Wohnungs- und Hauseinbrüche wird eine tolle Arbeit geleistet. 40 Prozent der Einbrüche sind im Versuchsstadium stecken geblieben“, weiß Trapp. Es sei toll, dass die Beratung der Polizei so gut angenommen werde.

Polizeistreifen müssen aufgestockt werden

Bei der Präventionsarbeit auf der Straße sieht er hingegen Handlungsbedarf. „Die Polizeistreifen müssen dringend aufgestockt werden, damit sich die Menschen durch die sichtbare Präsenz sicherer fühlen. So können auch Straftaten verhindert werden“, vermutet Trapp. Gerade in Bezug auf die steigenden Zahlen der Sexualdelikte sei das sehr wichtig.

Trapp: Früher Polizist, heute Abgeordneter

Peter Trapp selbst war bis 1999 bei der Fahndungsgruppe der Kriminalpolizei der Direktion 2, also für die Verwaltungsbezirke Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf, polizeilich zuständig. 1987 trat er der CDU bei und wurde Vorsitzender des Polizeiarbeitskreises der Berliner CDU, seit 2006 ist er im Abgeordnetenhaus.

Felix Schönebeck, ordnungspolitischer Sprecher der CDU in Reinickendorf, sieht den Rückgang der Straftaten positiv. „Dass im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 1850 weniger Straftaten in Reinickendorf erfasst wurden, ist erst einmal eine erfreuliche Nachricht“, sagt er. „Besonders positiv ist hierbei der teils starke Rückgang bei Einbrüchen in Häuser, Wohnungen, Keller, Geschäfte und Lauben. Dies ist sicherlich auch auf die stärker gewordene Einbruchsprävention durch die Eigentümer und die 2017 in Kraft getretene Strafverschärfung für Wohnungseinbrüche zurückzuführen.“

Anstieg bei Kfz-, Motorrad- und Roller-Diebstählen

Allerdings fordert auch Schönebeck mehr Polizei auf der Straße. „Besorgniserregend ist der Anstieg bei den Kfz- sowie Motorrad- und Roller-Diebstählen. Hier gibt es schlichtweg weniger Schutzmöglichkeiten für die Eigentümer. Die einzige Abschreckung für die Täter ist mehr Polizei auf den Straßen“, betont der ordnungspolitische Sprecher. Die Anfahrtswege bei gerade einmal zwei Polizeiabschnitten in einem Bezirk mit knapp 260.000 Einwohnern seien viel zu lang. „Bis der Funkwagen vom Kutschi in Tegelort ankommt, sind die Täter über alle Berge“, klagt Felix Schönebeck an.

Polizeisprecher Thilo Cablitz klärt auf: „Grundsätzlich sind die Einsatzwagen im Abschnittsbereich unterwegs. Die Streife, die den Ereignisort am schnellsten erreicht, wird von der Leitstelle entsandt. Dies geschieht auch dienststellenübergreifend.“ Befinden sich Täter noch am Ort, würden auch Zivilkräfte zum Einsatzort geschickt. „Dieser Umstand könnte die Betrachtenden glauben lassen, dass die Polizei nicht schnell am Einsatzort ist“, vermutet Cablitz. Auch würden die örtlich zuständigen Abschnitte und die Kriminalpolizei nach der aktuellen Kriminalitätsentwicklung ihre Schwerpunkte setzen. Der Diebstahl von/aus Kfz sei als solcher festgestellt worden. Denen gingen Einsatzkräfte in zivil nach.