Reinickendorf
Entsorgungsunternehmen

Alba bahnt neue Geschäfte in Asien an

Südkoreas Umweltminister besucht die Recycling-Anlage in Reinickendorf. Auch Japan hat Interesse an der Berliner Technologie.

Der südkoreanische Umweltminister Cho Myung-Rae (m.) besucht mit Henning Krumrey (l.), Leiter Kommunikation bei Alba, die Recycling-Anlage in Reinickendorf.

Der südkoreanische Umweltminister Cho Myung-Rae (m.) besucht mit Henning Krumrey (l.), Leiter Kommunikation bei Alba, die Recycling-Anlage in Reinickendorf.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin.  Die Beziehungen des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba zu Asien sind eng. Bereits seit einigen Jahren hat Alba in Tencent einen chinesischen Investor. Auch deswegen gelang es den Berlinern 2018 in Asien, den größten Auftrag der Firmengeschichte abzuschließen: In Hongkong, der chinesischen Sonderverwaltungszone, hat Alba eine Wiederaufbereitungsanlage für Elektroschrott gebaut. Mindestens zehn Jahre lang soll die Anlage von den Berlinern auch betrieben werden. Rund 318 Millionen Euro wird die Arbeit in Hongkong in die Kassen von Alba spülen.

Jetzt zeigt auch Südkorea Interesse an einer ähnlichen Technologie: Auf seiner Reise nach Berlin und nach einem Treffen mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) besuchte der südkoreanische Umweltminister Cho Myung-Rae mit seiner Delegation den Alba-Standort in Reinickendorf, um sich die Produktion der „grünen Kohle“ aus der Nähe anzusehen. „Gerade in Bezug auf dem Klimawandel interessieren wir uns sehr für die Anlage hier“, sagte er. Ob eine mechanisch-physikalische Stabilisierungsanlage wie in Reinickendorf und Pankow auch im eigenen Land sinnvoll ist, müsse aber noch geklärt werden.

Effektives Recycling-Verfahren in Reinickendorf

Die mechanisch-physikalische Stabilisierung, so wie sie bei Alba in Reinickendorf abläuft, ist ein hoch entwickeltes Verfahren zur Behandlung von Restabfall. Im Gegensatz zur mechanisch-biologischen Stabilisierung erfolgt die Trocknung des Abfalls mit Abgas aus der Erdgasverbrennung in einer Trockentrommel. Das hat den Vorteil, dass trotz schwankender Qualität des Mülls und der Mengen dauerhaft eine definierte Trocknungsrate erzielt wird. Weiter sind die Anlagen kompakter, die Reisezeiten des Materials kürzer und es kann eine größere Menge bearbeitet werden. Beim mechanisch-biologischem Verfahren dauert es mehrere Wochen, bis der Abfall abgebaut ist.

„Wir haben wesentlich mehr Essensreste. Da würde vielleicht eine mechanisch-biologische besser passen“, ergänzte der südkoreanische Minister. Vor einigen Jahren habe Korea schon Verfahrensweisen aus Deutschland übernommen. Bei diesem Besuch wolle man schauen, ob noch mehr adaptiert werden könne. In Südkorea gibt es derzeit 260 Müllverarbeitungsanlagen, diese seien aber wesentlich kleiner.

Südkoreanischer Umweltminister zeigt Interesse

Cho Myung-Rae zeigte sich während des Rundgangs durch die Anlage sehr interessiert und hielt seine Mitarbeitern an mitzuschreiben. In den Hallen an der Markscheider Straße in Reinickendorf gibt es auch allerhand zu sehen. Ein BSR-Fahrzeug nach dem anderen fährt die großen Tore an, kippt den Hausmüll in einen großen Behälter, aus dem ein Greifarm diesen auf ein Laufband fallen lässt – Alba und die BSR betreiben die beiden Anlagen in Reinickendorf und Pankow gemeinsam.

Nachdem der Hausmüll zerkleinert wurde, werden nicht brennbare Stoffe wie Stein, Glas und Sand rausgefiltert. Anschließend wird die Masse bei 350 Grad Celsius getrocknet. 25 Tonnen Müll pro Stunde schafft die Anlage. In ganz Berlin werden jedes Jahr 820.000 Tonnen Haushaltsmüll verarbeitet, in den Anlagen in Reinickendorf und Pankow sind es jeweils 175.000, in Ruhleben wird der Rest bearbeitet.

Was nach der Trocknung am Ende herauskommt, nennt der Berliner Recycling- und Entsorgungsspezialist „grüne Kohle“. Das wird beispielsweise von Kraftwerken als Ersatzbrennstoff für Braunkohle genutzt, auch die Zementindustrie ist ein großer Abnehmer. Kurzum: Der getrocknete und gepresste Hausmüll kann fossile Brennstoffe ersetzen. Die Südkoreaner zeigten sich von der Verfahrensweise begeistert.

Alba-Chef Axel Schweitzer unterschreibt Vertrag in Tokio

Das Recycling-Know-how von Alba ist aber auch in anderen asiatischen Ländern gefragt. In der kommenden Wochen reist Alba-Konzernchef Axel Schweitzer mit einer Berliner Wirtschaftsdelegation nach Tokio. „Tokio und Berlin stehen vor ähnlichen Herausforderungen“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer, Jan Eder. „Das heißt, hier wie dort arbeiten die Unternehmen an Lösungen für Fragen der Infrastruktur für eine wachsende Stadt.“ Die Reise biete den Berliner Unternehmern die Möglichkeit, das Potential ihrer Produkte und Dienstleistungen im direkten Austausch mit japanischen Unternehmen einzuschätzen.

Alba ist bereits einen Schritt weiter: Alba-Konzernchef Axel Schweitzer wird in Tokio einen Vertrag unterschreiben. Noch in diesem Jahr soll dann der Bau einer PET-Recycling-Anlage beginnen.