Reinickendorf
Verkehr

Geschäftsinhaber leiden unter Kurzzeitparkzone in Hermsdorf

Seit sechs Wochen gibt es die Parkzone am S-Bahnhof Hermsdorf - für Anwohner und Geschäftsinhaber außerhalb der Zone eine Katastrophe.

Auf der Suche nach einem Parkplatz: Anwohner und Geschäftsinhaber, die außerhalb der Kurzzeitparkzone leben und arbeiten, haben Probleme etwas zu finden.

Auf der Suche nach einem Parkplatz: Anwohner und Geschäftsinhaber, die außerhalb der Kurzzeitparkzone leben und arbeiten, haben Probleme etwas zu finden.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Hannelore Schellack sucht einen Parkplatz am Waldseeweg. Kein Erfolg. Nächster Versuch an der Roedernstraße. Wieder nichts. Sie fährt noch einmal im Kreis. Dann hat sie Glück, ein Auto fährt aus der Lücke und sie kommt pünktlich zu ihrem Friseurtermin. Seit Einführung der Kurzzeitparkzone vor gut sechs Wochen finden Anwohner und Geschäftsinhaber rundum den S-Bahnhof Hermsdorf schneller einen Parkplatz. Anlass der Einführung sind Pendler aus dem Umland, die ihr Fahrzeug dort parken, um mit der Bahn in die Innenstadt zu fahren. Das sind die Parkplätze belegen, die Anwohner, Kunden der Geschäfte und Patienten der Arztpraxen dringend benötigen. Diejenigen, die außerhalb dieser Zone leben und arbeiten, haben das Nachsehen.

Geschäftsinhaber klagen: Existenz steht auf dem Spiel

„Unsere Existenz steht auf dem Spiel“, sagen Daniela Vierck und Gabi Overwetter, Inhaberinnen des Friseursalons „Coiffeur Die 2“ an der Kreuzung Waldseeweg/ Berliner Straße. „Es kommt öfter vor, dass Kunden anrufen und den Termin stornieren, weil sie keinen Parkplatz finden“, sagt Daniela Vierck. Sie hätten mittlerweile erhebliche Einbußen. Kundin Hannelore Schellack fährt jedes Mal aus Frohnau zu dem Salon, überlegt mittlerweile auch, wie lange sie sich die Parkplatzsuche noch antun möchte. „Ich lasse mir seit 30 Jahren die Haare schneiden. So macht das aber keinen Spaß mehr und mit dem Bus dauert die Fahrt viel zu lange“, sagt die Stammkundin.

Imbiss hatte 50 Prozent Einbußen

Veronika Rügenhagen kann dem nur beipflichten. „Schauen Sie sich um. Hier stehen überall nur Fahrzeuge mit einem OHV-Kennzeichen.“ Die Schneiderin hat ein Geschäft direkt neben dem Friseur. Es gebe kein Tag ohne Beschwerden, sagt sie. „Die Älteren bleiben mittlerweile weg.“ Samstags sei es okay, „aber ich kann ja nicht nur an einem Tag in der Woche

mein Geschäft öffnen.“ Mit Blick in die Zukunft hat sie Angst. „Die Kosten steigen, es kommen weniger Kunden, irgendwann werde ich schließen müssen“, sagt die Schneiderin. Betroffen sind unter anderem auch eine Apotheke, ein italienisches Restaurant und ein Gebrauchtfahrradladen. Ein Imbiss hat bereits aufgrund dieser Situation geschlossen. „Die haben uns erzählt, dass sie 50 Prozent Einbußen hatten“, erinnert sich Daniela Vierck.

Anwohner fordern schnelle Lösung

Von Montag bis Freitag zwischen 7.30 Uhr und 18 Uhr ist es nach Angaben der Anwohner besonders schlimm. Ein freier Parkplatz gleiche einem Sechser im Lotto. Für sie steht fest: So kann es nicht bleiben. Sie fordern: Experiment abschaffen, die Zone erweitern oder eine separate Lösung für Geschäftsinhaber finden. Rein rechtlich kann nur ein Radius von 500 Metern eingerichtet werden, heißt es aus dem Bezirksamt. Ausnahmen für ein dauerhaftes Parken gibt es nur für Anwohner und Gewerbetreibende – sie können gegen eine Gebühr beantragen, von der Parkscheibenpflicht und der Höchstparkzeit freigestellt zu werden.

Bereits 2017 machte sich die CDU Gedanken über eine Kurzzeitparkzone und diskutierte darüber mit Bürgern und Geschäftsleuten. 2018 brachte sie dann einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ein, der auch beschlossen wurde. Laut Bezirksamt ist die neue Regelung eine Erfolg versprechende Alternative zur teuren und entgeltpflichtigen Parkraumbewirtschaftung.

Bezirksamt hat Lösung gefunden

Das Bezirksamt Reinickendorf hat im Fall der Geschäftsinhaber am Waldseeweg reagiert. „Wir haben eine Lösung gefunden“, sagt Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). So sei vorgesehen, auf jeder Seite des Waldseeweges für einen Bereich von drei Fahrzeuglängen Kurzzeitparkplätze einzurichten – in der Zeit von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr darf maximal drei Stunden geparkt werden.

Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) hat bereits angekündigt, dass sein Außendienst dort verstärkt kontrollieren wird, um die neue Regelung auch durchzusetzen. Die Einführung der Parkzone soll zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren angeordnet werden. Nach dieser Zeit prüft das Bezirksamt, ob noch Veränderungen vorgenommen werden müssen.

Beantragung der Ausnahmegenehmigung

Ausnahmegenehmigungen können beim Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Straßen- und Grünflächenamt – Straßenverkehrsbehörde -, Lübener Weg 26, 13407 Berlin, schriftlich beantragt werden. Ein Antragsformular kann auch per E-Mail angefordert werden unter: parken-in-hermsdorf@reinickendorf.berlin.de.

Zudem besteht die Möglichkeit, die Ausnahmegenehmigung persönlich bei der Straßenverkehrsbehörde zu folgenden Zeiten zu beantragen: Mo., Di. und Fr. von 9 – 12 Uhr und Do. von 14 – 18 Uhr.