Reinickendorf
Tegeler Forst

Auffällige Müll-Funde sollen die Täter überführen

Immer häufiger wird Bauschutt im Tegeler Forst und an den Straßen abgelegt. Die Täter zu ermitteln, erweist sich als schwierig.

Der Müll im Tegeler Forst ist eine Gefahr für Flora und Fauna. Die Täter zu ermitteln ist allerdings sehr schwierig.

Der Müll im Tegeler Forst ist eine Gefahr für Flora und Fauna. Die Täter zu ermitteln ist allerdings sehr schwierig.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Farbeimer, Rigipsplatten, Dämmmaterial und zahlreiche blaue Säcke – dieses Bild kennen die meisten wohl aus Reinickendorf-Ost oder dem Märkischen Viertel. Doch auch der Tegeler Forst ist vor illegal abgeladenem Müll nicht gefeit: Erst in der vergangenen Woche sah die Heiligenseestraße auf einigen Hundert Metern aus wie ein Schlachtfeld. Felix Schönebeck (CDU) ist sich sicher: „Das war nicht das letzte Mal.“

Das bestätigt auch das Forstamt Tegel. Gerade Bauschutt und Sanierungs- oder Renovierungsabfälle würden immer häufiger auch in Waldgebieten landen und müssten von den derzeit 48 Beschäftigten des Forstamts Tegel aufwändig und kostenpflichtig entsorgt werden. Aber auch Gartenabfälle würden vor allem im Herbst und Frühling illegal am Waldrand entsorgt.

Müll im Tegeler Forst: Beauftragte Firmen aus dem Ausland im Visier

Auch Bezirksstadtrat Sebastian Maack (AfD), weiß, dass sich dieses Szenario jederzeit wieder so ereignen könnte. Er hat sich deshalb etwas überlegt, um an die Täter zu kommen. Denn die können bislang in den wenigsten Fällen ermittelt werden. „Es ist fast ausgeschlossen die Täter zu finden, da diese den Müll meist nachts abladen“, sagt Maack. Da nie eine Adresse in den Tüten sei, müssen man andere Anhaltspunkte finden.

„Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind angehalten, nach auffälligen Tapetenmustern zu suchen, nach Beschlägen von Türen oder Terrassensteinen“, sagt der Ordnungsstadtrat. Die wolle er dann online stellen. Sebastian Maack vermutet, dass beauftragte Firmen, die in der Nachbarschaft Häuser sanieren, den Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen. „Ich erhoffe mir, dass jemand etwas erkennt und Hinweise auf die beauftragte Firma liefern kann.“

Illegales Abladen von Müll kostet bis zu 50.000 Euro

Das illegale Abladen von Müll im Wald ist eine Ordnungswidrigkeit, die nach Berliner Landeswaldgesetz mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann. Gefahrenstoffe illegal zu entsorgen, ist eine Straftat. In diesen Fällen ermittelt das Landeskriminalamt. Handelt es sich um ein Unternehmen, das den Müll entsorgt, droht ein Verwaltungsverfahren und gegebenenfalls ein Betriebsverbot.

Besonders oft seien es Transporter mit osteuropäischen Kennzeichen, die beim Abladen des Mülls von Spaziergängern entdeckt würden. Nach Angaben Maacks fahre auch sofort jemand los, wenn etwas derartiges gemeldet würde. Da der

Allgemeine Ordnungsdienst ohne Blaulicht fahre und an jeder Ampel halten müsse, seien die Täter in der Regel jedoch bereits weg, wenn die mitarbeiter einträfen.

Ausländische Kennzeichen halten den Ordnungsstadtrat jedoch nicht davon ab, tätig zu werden. „Der Fahndungsdruck muss aufgebaut werden. Die Täter müssen wissen, dass etwas passiert, wenn sie ihren Müll dort ablegen“, betont Maack. Die Adressen in den Ländern können ermittelt werden. „Wenn wir Halter und Auto haben, heißt es aber noch nicht, dass es auch der Täter ist“, ergänzt der Ordnungsstadtrat.

Täter werden kaum auf frischer Tat erwischt

Am besten wäre es, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Das sei allerdings sehr schwierig. „Niemand wirft seinen Müll auf die Straße oder die Grünfläche, wenn das Ordnungsamt ersichtlich in der Nähe ist“, sagt Maack. Darum setzt er sich dafür ein, dass die Mitarbeiter des Allgemeinen Ordnungsdienstes auch zivil arbeiten dürfen. Derzeit sind Senat und der Hauptpersonalrat zu dem Thema im Gespräch.

Unabhängig vom Ortsbild sind die Abfälle auch eine Gefahr für Flora und Fauna. „Waldboden und Grundwasser können dauerhaft verunreinigt werden, die Vegetation kann durch schädliche Substanzen Schaden nehmen, Tiere können sich verletzen. Unter Umständen können Abfälle auch Waldbrände verursachen“, sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die sich auf Angaben des Forstamtes Tegel bezieht.

Aufklärung über Risiken und Gefahren

Um die illegale Müllentsorgung zu verhindern, wurden im Tegeler Forst in den vergangenen Jahren kleinere Waldparkplätze geschlossen. Außerdem nutzen die Berliner Forsten Absperrungen wie Schranken, um die Zufahrt zu den Naturlandschaften einzuschränken. Weiter setzen die Fachleute stark auf die Aufklärung über Risiken und Gefahren, die sich aus der illegalen Müllentsorgung im Wald für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt wie das Trinkwasser ergeben können.

Forderung: Forstamt Tegel soll personell aufgestockt werden

In einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung fordert Felix Schönebeck aktuell, „dass das Forstamt Tegel personell dergestalt ausgestattet wird, dass es seine Aufgaben mit der gebotenen Sorgfalt wahrnehmen kann. Insbesondere sind hierbei Stellen zu schaffen, die die Gefahrenabwehr und Verfolgung von rechtswidrigen Handlungen nach dem Landeswaldgesetz gewährleistet, um der vermehrt auftretenden Vermüllung in den Reinickendorfer Forsten entgegenzuwirken“. Der Antrag wird derzeit im im Bau- und Grünausschuss beraten.

„Die Entsorgung illegal abgelagerten Mülls bindet immer erhebliche Ressourcen – personell aber auch finanziell. Vorbeugend wäre allerdings nur eine spürbare personelle Präsenz von Ordnungskräften in den Erholungswäldern wirksam“, heißt es seitens des Forstamtes. Die Berliner Forsten setzen in jedem Fall weiterhin auf die Aufklärung der Bevölkerung, wie mit dem Flyer „Gartenabfälle clever entsorgen“.