Reinickendorf
Schwimmkurs

Kita-Kinder ans Wasser gewöhnen

Fast jedes zweite Kita-Kind kann nicht schwimmen. Mit dem Projekt „Schwimmbärchen“ soll die Scheu vor dem Wasser genommen werden.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht sich selbst an, was die Kita-Kinder beim Projekt „Schwimmbärchen“ im Stadtbad Märkisches Viertel schon alles können.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht sich selbst an, was die Kita-Kinder beim Projekt „Schwimmbärchen“ im Stadtbad Märkisches Viertel schon alles können.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Ein Kind nach dem anderen springt ins Wasser des Stadtbades Märkisches Viertel und schwimmt drauf los. Bei den einen funktioniert die Koordination von Armen und Beinen schon ziemlich gut. Für den Fall der Fälle sorgen die um den Körper gebundenen Luftkissen dafür, dass die Kleinen auch wirklich oben bleiben. Denn die meisten von ihnen waren zuvor noch nie im Wasser.

Statistisch gesehen können 53 Prozent der Berliner Kinder vor dem Schwimmunterricht in der Schule nicht schwimmen. In Bezirken wie Mitte oder Neukölln sind es nach den aktuellen Zahlen des Senats sogar 73 Prozent, in Reinickendorf sind es 54 Prozent. Ein Grund für die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres (SPD), das Berliner Schwimmbärchen einzuführen.

Sandra Scheeres: „Ich möchte, dass möglichst alle Berliner Kinder schwimmen können“

Das vom Senat finanzierte Projekt richtet sich an Kita-Kinder, um sie an das Wasser zu gewöhnen. Das Projekt ist ein Teil des Programms „Profivereine machen Kita“, bei dem durch Bewegungsangebote die Motorik und Konzentration gefördert werden sollen. „Wenn Kinder erst einmal die Scheu vorm Wasser überwunden haben, geht es mit dem Schwimmen meist sehr schnell. Deshalb stehen beim Schwimmbärchen Spaß und Freude an der Bewegung im Wasser an erster Stelle“, sagt Sandra Scheeres und ergänzt: „Ich möchte, dass möglichst alle Berliner Kinder schwimmen können, denn das kann überlebenswichtig sein.“

Dass viele Kinder Angst vor dem Wasser haben, merken Daniela von Hoerschelmann und Nicole Hilarius sehr oft. Die beiden sind vom Verein Neuköllner Schwimmbär und die Initiatorinnen des Projekts. „Ich habe es schon oft erlebt, dass sich

Kinder an mir festklammern und ich dann selbst sehen muss, dass ich nicht untergehe“, sagt von Hoerschelmann. Deshalb gebe es eine hohe Trainerquote bei jedem Kurs, der insgesamt sechs Mal für 30 Minuten stattfindet – auf zehn Kinder kommen drei Schwimmtrainer.

Kinder sind stolz auf ihre Urkunde

Die Trainer sind liebevoll, setzen kein Kind unter Druck, ins Wasser zu müssen. Ein festgelegter Ablauf soll den Kleinen helfen, die Scheu vorm Wasser zu verlieren. Erst wird geschwommen, dann ins Becken gesprungen, zwischendrin scherzen die Trainer mit den Kindern. Die Kurse finden ausschließlich im tiefen Wasser statt. „Jederzeit kann ein Kind draußen ins Wasser fallen. Dann muss es instinktiv wissen, was es machen muss, wenn der Kopf mal unter Wasser ist“, erklärt Daniela von Hoerschelmann.

Deshalb dürfen die Kinder auch nicht die Leiter nutzen, um wieder aus dem Becken zu kommen. „Draußen gibt es keine Leiter“, sagt die Schwimmtrainerin.

Den Kindern macht der Kurs Spaß, Angst vor dem Unbekannten hat mittlerweile fast keines mehr. Stolz nehmen sie ihre Urkunde entgegen, die sie zum Abschluss des Kurses bekommen. Diese belegt, was sie schon alles können.

Derzeit nehmen 565 Kinder aus 44 Kitas an dem Projekt im Stadtbad Märkisches Viertel und dem Kombibad Lipschitzallee in Gropiusstadt teil. Sukzessive sollen weitere Kitas hinzukommen.