Reinickendorf
Berliner Start-up

Mit durchsichtigen Taschen als Student in die Bibliothek

Ömer Dagaslani hat „The Friendly Student“ gegründet. Mit durchsichtigen Taschen haben Studenten einfachen Zugang in die Bibliothek.

Ömer Dagaslani trägt seinen kreierten Rucksack selbst, wenn er in die Uni-Bibliothek geht. Für ihn sehr praktisch, weil das Sicherheitspersonal sofort sieht, was er mit in das Gebäude nimmt. Er braucht keinen Spind mehr.

Ömer Dagaslani trägt seinen kreierten Rucksack selbst, wenn er in die Uni-Bibliothek geht. Für ihn sehr praktisch, weil das Sicherheitspersonal sofort sieht, was er mit in das Gebäude nimmt. Er braucht keinen Spind mehr.

Foto: Anikka Bauer

Berlin. Dort, wo noch vor gut einem Jahr Ömer Dagaslani in seinem Bett geschlafen hat, stapelt er heute Kartons bis unter die Decke seines Kinderzimmers. Sein Bett besteht nur noch aus einer Matratze und die lehnt tagsüber an seinem Kleiderschrank. Auf seinem Schreibtisch liegen neben Lernsachen für die Uni, Verpackungsmaterial – so wie auch auf dem Boden. „Ich weiß sonst nicht mehr, wo ich alles unterbringen soll“, sagt der 23-Jährige. Auch die einstige Abstellkammer der Eltern dient heute als Lagerraum. In den zahlreichen Pappkartons: Rucksäcke und Taschen. Aber nicht irgendwelche, sondern Exemplare, die er selbst entwickelt hat – in erster Linie für Studenten und Besucher von Bibliotheken.

Oft kein Spind für die Tasche frei

„Ich hatte, wie auch viele Kommilitonen, das Problem, dass in der Uni-Bibliothek oft kein Spind frei war, um meine Sachen zu verstauen“, sagt der Student der Wirtschaftsinformatik. Die Sachen mit hineinzunehmen ist aufgrund der Diebstahlgefahr der teilweise alten Bücher strikt untersagt. „Aber auch die Körbe, in denen wir Laptop und Schreibmaterial transportieren dürfen, waren oft vergriffen“, ergänzt Ömer Dagaslani. Als Alternative wird eine durchsichtige Plastiktüte für 20 Cent angeboten. „Die sind schnell kaputt, und die Nutzung ist alles andere als umweltschonend.“

Also war es an der Zeit, eine Lösung zu finden. Ihm kam die Idee, einen durchsichtigen Rucksack zu nutzen, fragte das Sicherheitspersonal der Bibliothek, ob das funktioniere und machte sich nach einem Einverständnis im Internet auf die Suche nach einem Exemplar. „Die waren aber alle zu klein und auch zu teuer“, erinnert er sich. Und wie das so ist, man kann ein Problem entweder hinnehmen oder eine Lösung suchen. Ömer Dagaslani hat sich für Variante zwei entschieden – sein Unternehmen „The Friendly Student“ (übersetzt: Der freundliche Student) war geboren.

Konferenz mit chinesischer Firma um 4 Uhr morgens

Doch dann ging die Arbeit richtig los. Das Design des Rucksacks musste entworfen, das Material ausgesucht und eine Produktionsfirma gefunden werden. Fündig wurde er in China. „Ich habe nach einer Firma gesucht, die große Unternehmen in Deutschland beliefert. Da stimmen dann meist die Werte“, sagt der Start-Upper. Eine Produktion in Deutschland wäre für den Anfang zu teuer gewesen, ist aber ein Wunsch für die Zukunft, wie er sagt. Aufgrund der Sprachbarriere liefen die ersten Gespräche via Skype eher mit Händen und Füßen, und wegen der Zeitverschiebung um 4 Uhr morgens.

Studium steht an erster Stelle

„Neben dem Studium schon sehr anstrengend.“ Vernachlässigt hat er sein Studium aber nie. „Das steht nach wie vor an erster Stelle.“ Fünf Semester hat er bereits erfolgreich absolviert, zwei weitere folgen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht genau, das hängt auch von dem Erfolg seines Start-ups ab.

Ömer Dagaslani liebt sein Produkt, das merkt man sofort, wenn er über sein kleines Ein-Mann-Unternehmen spricht. Mit seinem Rucksack ist er selbst jeden Tag unterwegs, muss seit dem nicht mehr in der Bibliothek nach einem Spind suchen – nur im Winter, um seine dicke Jacke zu verstauen. Bis dahin war es aber ein anstrengender Weg – auch finanziell. Denn bezahlt hat er beispielsweise die Prototypen für 150 Euro das Stück alle selbst, genauso wie das Verpackungsmaterial oder die Werbung. Finanziert hat er das alles mit seinem Nebenjob als Pizzalieferant. „Der erste Prototyp war eine Katastrophe. Ich habe daraufhin jemanden beauftragt eine Qualitätskontrolle vor Ort durchzuführen. Der zweite Rucksack war viel besser“, erinnert sich Ömer Dagaslani. „Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt.“ Das Wissen hat er aus dem Studium der Wirtschaftsinformatik und Youtube-Videos, in denen grundlegende Dinge einer Unternehmensgründung und Produktentwicklung erklärt werden.

„Es ist schön etwas zu erschaffen, was anderen hilft“

Die Bestätigung für die viele Arbeit und die schlaflosen Nächte bekam er auf dem Campus. „Ein Student hat meinen Rucksack getragen. Das ist das größte Lob für mich. Es ist schön etwas zu erschaffen, was anderen hilft.“ Derzeit liefert er die meisten Rucksäcke nach Bayern und Österreich, auch in den USA ist das Interesse groß. „Leider ist die Lieferung nach Amerika noch zu teuer, das zahlt dann kaum jemand. Da muss ich mir noch etwas mit der Verpackung einfallen lassen“, sagt Dagaslani. Die Nachfrage sei da, nur die Berliner seien kritischer. 1500 Rücksäcke hat er bereits verkauft – alle wasserdicht und aus hartem PVC. Er entwickelt sie stetig weiter, hat ein Fach für die Bibliotheks-Karte im Schultergurt einbauen lassen und wird weitere Modelle mit Nähten und Gurten in unterschiedlichen Farben auf den Markt bringen. Ein herausnehmbarer Beutel soll integriert werden, damit Wertsachen nicht sofort sichtbar sind.

Bei einem Rucksack soll es aber nicht bleiben. Eine Umhängetasche für Damen ist ebenfalls schon auf dem Markt. „Laptoptasche, Federmäppchen und Trinkflasche kommen noch“, sagt der 23-Jährige. Die Trinkflasche soll ein flaches DIN A5 Format haben und so platzsparend transportierbar sein. Sein Ziel sind zehn Produkte. Und einen Mitarbeiter. „Am besten auch ein Studenten, der so für das Produkt brennt wie ich.“

Infos zu „The Friendly Student“

Seit einem Jahr entwickelt Ömer Dagaslani seine durchsichtigen Rücksäcke und Taschen für einen einfacheren Zugang in Bibliotheken. Ein wasserdichter Rucksack aus hartem PVC mit den Maßen 30 mal 40 mal 18 Zentimeter und 24 Liter Volumen, damit auch ein Aktenordner transportiert werden kann, kostet 34,99 Euro.

Die Handtasche für Damen mit den Maßen 28 mal 45 Zentimeter gibt es für 29,99 Euro.

Zu kaufen gibt es die Produkte in der Buchhandlung Kiepert in der Volkswagenbibliothek, Fasanenstraße 88, Öffnungszeiten: Mo.– Fr., 10 – 18 Uhr.

Weitere Informationen gibt es im Netz auf der Seite www.thefriendlystudent.com.