Reinickendorf
Vereine

Einheit von Geist, Körper und Luftgewehr

Tegeler Schützenvereine klagen über sinkende Mitgliederzahlen. Um den Sport näher zu bringen, veranstalten sie ein Oster-Eier-Schießen.

Thomas Engler von der Schützengilde Tegel-Süd schießt mit einem Luftdruckgewehr auf eine Zielscheibe in zehn Metern Entfernung.

Thomas Engler von der Schützengilde Tegel-Süd schießt mit einem Luftdruckgewehr auf eine Zielscheibe in zehn Metern Entfernung.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin.  Sascha Dibowski nimmt eine der kleinen silberfarbenen Munitionskügelchen, lädt sein Luftgewehr und legt es an. Er verlangsamt seine Atmung und schaut konzentriert durch das Visier. Langsam wandert der rechte Zeigefinger auf den Auslöser. Er drückt ab. In zehn Metern Entfernung hat er die mit wenigen Zentimetern Durchmesser kleine Zielscheibe getroffen, so viel kann man erkennen. Zumindest ist die weiße Wand auf beiden Seiten unversehrt geblieben. Um zu sehen, welcher Ring es geworden ist, muss er das Ziel mittels eines elektrischen Seilzuges zu ihm kommen lassen. „Das sieht doch gut aus“, sagt Dibowski. Ein kleines Loch klafft genau in der Mitte der schwarzen Scheibe. Er hat die zehn getroffen – eine Fläche von gerade einmal 0,5 Millimetern.

Sinkende Mitgliederzahlen: Vereine schließen sich zusammen

Sascha Dibowski ist seit 19 Jahren Sportschütze. Ihm macht der Sport Spaß, er nimmt regelmäßig erfolgreich an Landesmeisterschaften teil. Doch als stellvertretender Vorsitzende des Schützen-Vereins Tegel hat er auch Sorgen. Denn nicht viele teilen die Leidenschaft einer Mitgliedschaft in einem Schützenverein. „Wir haben derzeit nur 26 Mitglieder“, sagt Dibowski geknickt.

Ein Grund, sich umzusehen und sich mit einem anderen Verein zusammenzuschließen. „Mit der Schützengilde Tegel-Süd haben wir einen tollen Verein gefunden. Wir haben uns alle von Anfang an super verstanden“, sagt Dibowski. Und zwar so gut, dass der Schützen-Verein Tegel von der vorherigen Trainingsstätte am Uranusweg zu den neuen Freunden an die Buddestraße gezogen ist. „Jetzt überlegen wir, wie wir fusionieren können“, sagt der 41-Jährige.

Luftgewehr wiegt fünf Kilo

Da es der Schützengilde Tegel-Süd mit derzeit 55 Mitgliedern nicht viel besser geht, veranstalten beide Vereine am

kommen Sonnabend, 6. April, von 10 bis 16 Uhr, am Schießstand in der Buddestraße 1a, ein Oster-Eier-Schießen. „Jeder ab zwölf Jahren hat die Möglichkeit, mal mit einem Luftgewehr auf eine Glücksscheibe zu schießen“, sagt Thomas Engler von der Schützengilde Tegel-Süd. Dort bekommt man einen guten Eindruck von der Leistung, die die Sportler erbringen. Denn Gewehr anlegen und das Ziel treffen ist gar nicht so einfach. „Alleine das Gewehr wiegt fünf Kilo“, sagt Engler.

Atmung unter Kontrolle bringen

Und dann muss man noch seine Atmung unter Kontrolle bringen. „Auch das erlernt man hier. Ich habe einen sehr stressigen Job. Durch den Sport kann ich runterfahren und sehr gut abschalten“, sagt Thomas Engler, „ich bin wesentlich ruhiger und habe dann nichts anderes im Kopf.“

Im Training und auch im Wettkampf lerne man, sich über einen Zeitraum von circa 60 Minuten zu konzentrieren und auf eine Sache zu fokussieren. Alles das seien auch Eigenschaften, die einem im Alltag weiterhelfen könnten. „Den Reiz am Sportschießen macht die Einheit von Geist, Körper und Waffe aus. Fleißiges Training, hohe Konzentrationsfähigkeit und innere Ruhe sind die tragenden Säulen für ein erfolgreiches Schießen“, ergänzt der 41-jährige Sascha Dibowski.

Sport hilft bei Konzentration in der Schule

Die Zwölfjährige Sofie Stiebzt kann das bestätigen. „Das macht unglaublich viel Spaß. Außerdem hilft mir der Sport, mich in der Schule besser konzentrieren zu können“, sagt das Mädchen. Sie hat erst vor Kurzem angefangen, ist durch ihren US-

amerikanischen Vater an den Sport gekommen. Ihre Ergebnisse können sich aber schon jetzt sehen lassen. Zwar trifft sie noch keine zehn, also die Mitte einer Zielscheibe, „ich werde aber weiter üben“, sagt Sofie ehrgeizig. Kaum ausgesprochen, ist bereits jemand zur Stelle und gibt ihr den Ratschlag, wie sie sich am besten hinstellt.

Jedes Mitglied braucht polizeiliches Führungszeugnis

Die Vorurteile kennen natürlich alle in den beiden Vereinen, davon halten tun die Mitglieder aber nichts. „Gerade, wenn wir den Sport an Schulen vorstellen möchten, verbinden das viele mit den Amokläufen“, sagt Thomas Engler. Viele würden übersehen, dass es ein absoluter Präzisions- und Konzentrationssport ist.

Abgesehen davon müsse jeder, der ein Mitglied sein möchte, ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Und auch die Luftgewehre und Luftpistolen, mit denen ebenfalls geschossen wird, nimmt niemand mit nach Hause. „Die sind hier im Tresor“, versichert Sascha Dibowski.

Trainiert wird jeden Dienstag und Freitag

Wer es am kommenden Sonnabend nicht zum Oster-Eier-Schießen schafft, kann auch unter der Woche zum Training kommen. Sascha Dibowski und Thomas Engler versichern, dass genug Mitglieder vor Ort sein werden und beim Probeschießen assistieren. Es sind auch genügend Luftgewehre vor Ort. Trainiert wird Dienstag und Freitag von 18 bis 20.30 Uhr in der Halle an der Buddestraße 1a.