Reinickendorf
Thomas-Mann-Gymnasium

Selfies mit der Kanzlerin

Angela Merkel besucht Reinickendorfer Schüler und spricht mit ihnen über Klimawandel, Youtube und Schlafenszeit.

Die Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums bitten Bundeskanzlerin Angela Merkel um Fotos.

Die Schüler des Thomas-Mann-Gymnasiums bitten Bundeskanzlerin Angela Merkel um Fotos.

Foto: FABRIZIO BENSCH / Reuters

Berlin. So ganz kann Elif Kaptan noch nicht fassen, was passiert ist: Die Schülerin des Thomas-Mann-Gymnasiums in Reinickendorf hatte mit Mitschülerin die Möglichkeit, persönlich mit Angela Merkel (CDU) zu sprechen. Die Bundeskanzlerin war am Dienstag anlässlich eines Europa-Projekts an die Schule im Märkischen Viertel gekommen, um mit ihnen über wichtige Themen wie Klimawandel, Brexit und Flüchtlinge zu sprechen, aber auch über Persönliches.

„Das Treffen werde ich so schnell nicht vergessen“, sagte Elif Kaptan nach dem Gespräch mit Angela Merkel im Fontanehaus. Sie saß direkt neben der Kanzlerin auf dem Podium, eingeschüchtert war sie deshalb aber nicht, im Gegenteil. „Das Gespräch war toll. Sie hat mit uns auf Augenhöhe gesprochen, die Themen so erklärt, dass es jeder verstehen konnte“, so die Elftklässlerin. Mitschüler Matteo Rudolph ergänzte: „Sie versprüht eine positive Energie. Es war einfach toll.“ Und auch mit den Antworten der Kanzlerin waren die beiden zufrieden. „Ich fühle mich verstanden und glaube schon, dass sie sich unsere Anliegen zu Herzen nimmt“, sagte Elif Kaptan.

So wie die zum Thema Klimawandel, das durch die Demonstrationen „Fridays for Future“ derzeit sehr präsent ist. „Für mich ist die Bewegung als Politikerin wichtig, weil etwas in Gang gekommen ist, was zeigt, dass sich junge Menschen über die Zukunft Gedanken machen“, sagte Merkel, wies aber auch darauf hin, dass Schüler nicht jeden Freitag zu einem schulfreien Tag erklären könnten.

Warum manche Entscheidung in der Politik so lange dauert

„Das Signal, dass ihr euch Sorgen macht, ist aber gut. Es ist wichtig, dass ihr uns Dampf macht.“ Merkel erklärte aber auch, warum Entscheidungen in der Politik manchmal so lange dauern. „Wir haben in Zusammenhang mit der Klimafrage keine einfache Situation. Einerseits gibt es Menschen, die fürchten um ihren Arbeitsplatz, ganze Gebiete sind vom Braunkohleabbau abhängig. Dann gibt es Menschen, die fürchten, dass das Autofahren zu teuer wird, und dann gibt es welche, die fürchten sich um das Klima“, so die Kanzlerin. Und all das müsse zusammengebracht werden. „Also, dass die Wirtschaft weiter läuft und die Menschen, die nicht so viel Geld haben, nicht die Leidtragenden sind. Und wir müssen an die Umwelt denken.“ Da Deutschland ein Industrieland sei und seit Jahrzehnten zum CO2-Ausstoß beigetragen habe, bestehe auch die Verantwortung, technisch gute Lösungen zu finden. „Wir arbeiten mit Hochdruck. Es ist aber auch wichtig, in den Naturwissenschaften zu lernen, denn da werden die technischen Lösungen gefunden“, gab die Kanzlerin den Schülern mit auf den Weg.

Angela Merkel wirkte nahbar, bestand sogar darauf, weiter mit den Schülern zu sprechen, obwohl die vorbereiten Fragen bereits gestellt waren. „Na, wir haben doch noch ein bisschen Zeit. Dann kann ich noch ein paar Fragen aus dem Publikum beantworten.“ Die Schüler waren begeistert, dankten es mit Applaus. Einer von ihnen wollte wissen, was die Kanzlerin über Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts denkt – also darüber, das Plattformen wie Youtube künftig schon beim Hochladen prüfen sollen, ob Inhalte urheberrechtlich geschütztes Material enthalten, um die Rechte von Autoren zu schützen. „Das ist ein Spannungsfeld. Die einen sagen, ich möchte alles im Internet zugänglich haben, die anderen sagen, dass sie damit Geld verdienen möchten. Jetzt wird versucht zu klären, wie das geordnet vonstattengehen kann“, erklärte Merkel, „man könnte es so machen, dass jeder, der ein Stück komponiert, dieses kennzeichnet. Und immer, wenn dieses Kennzeichen gefunden wird, weiß man, dass eine Lizenzgebühr gezahlt werden muss.“

„Ich muss ja auch schlafen, essen und mal an die frische Luft“

Eine etwas persönlichere Frage stellte der Schulleiter des Thomas-Mann-Gymnasiums, Steffen Pieth: „Wenn ich meinen Arbeitstag anschaue, dann beginnt der um 8 Uhr und endet so um 18 Uhr, dann falle ich todmüde ins Bett. Ich denke aber oft, dass ich meine Arbeit nicht schaffe. Und wenn ich Ihr Pensum sehe, frage ich mich, wie Sie das schaffen. Vielleicht haben Sie Tipps für uns, wie wir uns besser strukturieren können.“

Angela Merkel gesteht, dass auch sie abends todmüde ins Bett fällt, ihr die Arbeit an sich aber so viel Freude bereite, dass das ihre Antriebskraft sei. „Aber auch ich muss mir meine Zeit einteilen. Ich muss ja auch schlafen, essen und mal an die frische Luft. Ich nehme nur so viele Einladungen an, zu denen ich auch wirklich kommen kann, weil ich sonst sehr viel Enttäuschung produziere.“ Wichtig sei es, zuverlässig zu sein, eine gute Grundeinstellung und Leidenschaft für den Beruf zu haben.

Die Schüler waren vom Besuch der Kanzlerin begeistert, wollten alle ein Foto mit ihr. Und zur Freude vieler, nahm sie sich die Zeit dafür. „Das werden wir nie vergessen“, so der Tenor bei den Jugendlichen.