Reinickendorf
Prozess

Erwürgt und geplündert: „Sie brauchte das Geld nicht mehr“

Ein Reinickendorfer steht nach der Tötung seiner Geliebten vor Gericht. Die Tat gibt er zu, betont aber: Ich bin kein Mörder.

Beamte am Fundort der Leiche in Thüringen.

Beamte am Fundort der Leiche in Thüringen.

Foto: Angelika Munteanu, otz

Berlin. In den Mittagsstunden des 22. Juni 2018 erwürgt Heiko S. seine Geliebte Silvia K. (49) in deren Wohnung an der Reginhardstraße in Reinickendorf. Er steckt die Leiche in einen großen Rollkoffer, fährt damit nach Thüringen und entsorgt Koffer samt Inhalt in einem Maisfeld nahe der Autobahn A 9. Zurück in Berlin plündert der 42-Jährige knapp zwei Monate lang die Konten der Toten mittels ihrer EC- und Kreditkarten.

Heiko S. gesteht die Tat

Das ist der Sachverhalt mit dem sich seit Montag die 21. Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts befassen muss. Mord aus Habgier wirft die Staatsanwaltschaft dem aus Westfalen stammenden Autolackierer vor. Gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages gestand Heiko S. in einer von ihm verfassten und von seinem Anwalt verlesenen Erklärung die Tat. Dabei betonte der Angeklagte allerdings: „Ich bin kein Mörder“.

Angeklagter erbeutet 16.000 Euro

Dass er sich nach der Tat trotzdem immer wieder am Konto der Getöteten bediente, dafür lieferte S. in der verlesenen Erklärung eine ebenso schlichte wie erstaunliche Begründung: „Die Silvia brauchte das Geld ja nicht mehr, und ich konnte es gut gebrauchen“. 69-mal hantierte der hoch verschuldete Angeklagte mit den Karten der Getöteten an verschiedenen Geldautomaten in der Stadt. 38-mal blieb es beim Versuch, weil das Konto nicht genügend Deckung aufwies. Trotzdem erbeutete S. auf diese Weise knapp 16.000 Euro.

Heiko S. und Silvia hatten eine Affäre

„Die Silvia“ hieß es immer wieder in der Erklärung des Angeklagten. „Die Silvia“ und Heiko S., verheiratet und Vater zweier Kinder, hatten zur Tatzeit eine Affäre, an die beide wohl höchst unterschiedliche Erwartungen knüpften. Die Initiative ging dem Angeklagten zufolge dabei vom späteren Opfer aus. Die Nachbarin habe ihn immer wieder unter irgendwelchen Vorwänden in ihre Wohnung gelockt, ihn regelrecht umgarnt und schließlich verführt.

Wie weit das stimmt, lässt sich nicht mehr mit letzter Sicherheit klären, es gibt nur die Version des Angeklagten. Tatsächlich hieß es seitens etlicher Mitbewohner des Hauses an der Reginhardstraße, Silvia K. sei eine freundliche, aber erkennbar einsame Frau gewesen.

Für Heiko S. bot die Affäre mit der Nachbarin dass, was in der Ehe offenbar nicht mehr so recht funktionierte, „Sex und so“. Silvia K. dagegen soll auf eine feste Beziehung gehofft haben. In der Einlassung von S. hieß es unter anderem, Silvia K. habe am Tattag gedroht, der Ehefrau ihres Geliebten von der heimlichen Liebschaft zu berichten. Ob das womöglich der Auslöser der Tat war, gehört zu den Fragen, die das Gericht in sechs geplanten Verhandlungstagen klären muss.

Geliebte soll Heiko S. öfter Geld gegeben haben

Geldgier war zumindest nicht der Grund, beteuerte der Angeklagte immer wieder. Um an das Geld der relativ wohlhabenden Frührentnerin zu gelangen, wäre es gar nicht nötig gewesen, sie zu töten. Silvia S. habe von der finanziellen Notlage gewusst und ihm öfters Geld zugesteckt. Auch einen Computer habe er erhalten, und die 49-Jährige soll gar einen von ihr finanzierten Traumurlaub in Florida geplant haben. „Wenn ich sie um einen größeren Geldbetrag gebeten hätte, dann hätte ich ihn auch bekommen“, gab sich S. überzeugt.

Er bedauere ehrlich, was er getan habe und wünschte, er könnte das Geschehene rückgängig machen, ließ der Angeklagte durch seinen Verteidiger vortragen. „Ich stand damals unter Druck, war hin- und hergerissen“, so Heiko S. Einerseits hab er an der Beziehung zu Silvia K. festhalten, andererseits auch seine Familie nicht verlieren wollen.

Letzteres wird ihm wohl nicht erspart bleiben. Seine Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht, und S. befürchtet zudem, er werde seine Kinder nicht wiedersehen. „Mein Leben ist ein Scherbenhaufen“, so das Fazit des Angeklagten. Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt.