Reinickendorf
Bauprojekte

Die verfallenen Villen in Waidmannslust sind bald Geschichte

Lange standen historische Villen in Waidmannslust leer und sind auseinander gefallen. Nun werden weitere für Neubauten abgerissen.

Das ehemalige Kino ist verfallen. Die Bäume sind bereits gefällt, das Haus wird bald folgen.

Das ehemalige Kino ist verfallen. Die Bäume sind bereits gefällt, das Haus wird bald folgen.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin.  Um 1900 sind die Reinickendorfer in der einst prachtvollen Villa in Waidmannslust ein- und ausgegangen, saßen im Vorgarten, tranken Kaffee, aßen Kuchen. Im hinteren Teil des Hauses wurde oft im Ballsaal getanzt. Von 1920 bis in die 60er-Jahre war das Haus nach wie vor eine Anlaufstelle – dieses Mal als Kino. Anschließend nutzte die Räume bis in die 90er Jahre eine Speditionsfirma als Lagerfläche.

Seitdem steht das Gebäude auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück leer und zerfällt. Weil sich all die Jahre niemand um das Anwesen gekümmert hat, ist es heute nicht mehr zu retten. Die Fenster sind eingeschlagen, über viele Jahre war das Innere dem Wetter ausgesetzt. Jetzt wurde bekannt: Die Villa wird abgerissen. Das Grundstück wird sich komplett verändern.

22 Wohnungen und eine Villa geplant

„Für dieses Grundstück wurde im Februar 2019 eine Baugenehmigung für eine Neubebauung erteilt. Geplant ist im vorderen Bereich ein Wohnhaus mit 22 Wohnungen und im hinteren Bereich eine Villa“, sagt ein Sprecher des Bezirksamtes Reinickendorf, der den Bauherrn nicht bekanntgeben möchte.

Ganz verschwinden wird das Gebäude nicht, ein Stück Geschichte wird erhalten bleiben. „Bei der Projektentwicklung konnten im hinteren Bereich Teile des Kinosaals in Form einer Einfriedungsmauer erhalten bleiben“, ergänzt der Sprecher. Dass die Bäume bereits gefällt wurden, hängt mit der am 28. Februar geendeten Fällperiode zusammen. „Es ist davon auszugehen, dass die Bauarbeiten in diesem Jahr beginnen werden“, sagt der Sprecher.

Neuer Eigentümer für das Bauprojekt an der Hubertusstraße

Bei dem Grundstück Waidmannsluster Damm Ecke Hubertusstraße gibt es ebenfalls Neuigkeiten. Auf Nachfrage bei der HBB Hanseatische Wohnungsbaugesellschaft sagte der Berliner Niederlassungsleiter Georg Spital, dass das Grundstück veräußert worden sei. Heißt: Auf dem Grundstück, auf dem ebenfalls eine alte Villa stand, wird vorerst nichts passieren und das

Unkraut weiter wuchern. „Es war schwierig, zu unseren Bedingungen Baufirmen zu finden“, so die Erklärung Spitals.

Wer der Nachfolger ist, sagte er nicht. Und auch auf Nachfrage beim Bezirksamt sagte ein Sprecher, dass ein offizieller Eigentümerwechsel bei der Bauaufsicht noch nicht angezeigt worden sei. Auch liege noch keine Baubeginn-Anzeige vor.

Geplant waren 18 Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern, aufgeteilt auf zwei Häuser, die beide durch eine Tiefgarage miteinander verbunden sein sollten. Die Planungssimulationen zeigen, dass diese Stadtvillen eine historische Fassade erhalten hätten, damit sie sich in die Umgebung einfügen.

Von einer Eckbebauung des Grundstücks hätte die Hanseatische Wohnungsbaugesellschaft wegen der alten Rotbuchen abgesehen. Fast zwei Jahre hat sich auf dem Grundstück kaum etwas getan. Der Grund für den Baustopp war ein Verfahren beim Verwaltungsgericht.

Anwohner haben Widerspruch gegen das Projekt eingereicht, weil sie eine Überbauung des Grundstücks vermutet haben. Zwar konnte ein Richter bei einem Vor-Ort-Termin die Ansicht der Anwohner nicht teilen und wies die Klage zurück, doch wegen des Einwandes hat die Hanseatische Wohnungsbaugesellschaft an dem Projekt vorerst nicht weitergearbeitet und wird es zukünftig ganz lassen.

Bauarbeiten an der roten Villa Herbert gehen weiter

Gute Nachrichten hingegen gibt es bei der Umgestaltung der Villa Herbert mit der Hausnummer 155, dem ehemaligen Wohnheim des Deutschen Roten Kreuzes. Nach einigen Monaten des Stillstandes geht es mit der Sanierung des Gebäudes

weiter. Es fehlte die behördliche Genehmigung zur Schutzabdeckung des Bürgersteigs für schwere Baufahrzeuge. Jetzt können Entkernung und Vollsanierung des Daches fortgeführt werden.

Entstehen werden neun Eigentumswohnungen, zwischen 55 und 140 Quadratmeter groß. Alle haben hohe Decken, sind hell und haben teilweise die alten Schiebetüren, die die Bauherren Rauf Uluc und Sevki Sensoy hinter Wänden entdeckt haben.

Luxuswohnungen sollen es nicht werden, sagen die Bauherren, viele Menschen sollen es sich schließlich leisten können. Auf dem hinteren Teil des Grundstücks sollen zwei Einfamilienhäuser entstehen.