Reinickendorf
Umgestaltung

Neues Konzept für den Schäferseepark in Reinickendorf-Ost

Der Schäferseepark soll mit Liegewiese, Blumenbeeten und einem Lesegarten aufgewertet werden. Experten sehen das Vorhaben kritisch.

Der Schäfersee in Reinickendorf-Ost nahe der Residenzstraße wird in den kommenden Jahren umgestaltet.

Der Schäfersee in Reinickendorf-Ost nahe der Residenzstraße wird in den kommenden Jahren umgestaltet.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Der Schäfersee mitten in Reinickendorf-Ost ist für viele Menschen gerade an den Wochenenden zu einem Ausflugsziel geworden. Direkt an der viel befahrenden Residenzstraße gelegen, hat man dort für einen kurzen Moment das Gefühl im Urlaub zu sein.

Zukünftig könnten noch mehr Menschen genau dort nach Erholung suchen. Denn: Die Anlage um den 4,5 Hektar großen Schäfersee wird umgestaltet. Und zwar so, dass der Geheimtipp, den vermutlich nur Anwohner und alt eingesessene Reinickendorfer kennen, unter anderem wesentlich offener und übersichtlicher wird – derzeit sind die Eingänge teilweise eher versteckt zwischen den Hochhäusern. Weiter sollen Blumenbeete, eine Liegewiese, ein Lesegarten sowie ein Rundweg angelegt werden. Mit diesem Konzept konnte das Landschaftsplanungsbüro Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH beim landschaftsplanerischen Wettbewerb Schäfersee eine neunköpfige Jury überzeugen.

Gegend rundum die Residenzstraße soll deutlich aufgewertet werden

Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) begrüßt das eindeutige Ergebnis der Jury und hofft auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Landschaftsplanungsbüro, um die Ergebnisse für die Bevölkerung zeitnah umsetzen zu können. „Der Schäfersee ist ganz sicher einer der attraktivsten Orte in Reinickendorf-Ost, die zum Verweilen einladen. Durch die Innenstadtnähe, die Grünanlage um den See sowie den See selbst ist die Gegend bereits jetzt ein Geheimtipp zum Wohnen in Berlin.“ Mit den Projekten und Vorhaben im Rahmen des Programms „Aktive Zentren“ werde in den nächsten Jahren der Grundstein dafür gelegt, die Residenzstraße und die Gegend um den Schäfersee deutlich aufzuwerten und bereits vorhandene positive Tendenzen zu verstärken.

Für das Jahr 2019 stehen für die Detailplanungen und erste Bauarbeiten 240.000 Euro, im Jahr 2020 dann 950.000 Euro für den Eingangsbereich von der Residenzstraße zum Schäfersee zur Verfügung.

Schäfersee-Experten kritisieren neuen Plan

Zwar hat es vor dem Wettbewerbsverfahren eine Bürgerbeteiligung gegeben, wovon auch einige Wünsche berücksichtigt worden sind. Doch so ganz zufrieden ist die Nabu Projektgruppe Schäfersee mit der geplanten Umgestaltung der zwischen 1923 und 1927 entstandenen Parkanlage nicht. „Beim ersten Blick auf den Plan habe ich mich gefragt, was die Boote da sollen“, moniert Carmen Schiemann. Denn die Gäste, die sich eines der Boote ausleihen, würden nah ans Ufer fahren und keine Rücksicht auf brütende Vögel wie Schwäne, Rothalstaucher oder Blässrallen nehmen. „Der See ist so klein. Muss man da unbedingt drauf paddeln?“, fragt Schiemann, die seit ihrem dritten Lebensjahr in der Nähe des Sees lebt.

Sie und ihre Mitstreiter der Projektgruppe kritisieren besonders die geplante Liegewiese, die direkt vor den Wohnhäusern in Nähe der Brienzer Straße entstehen soll. „Hier versammeln sich ohnehin schon abends viele Jugendliche. Sie sind laut, hören Musik und trinken Alkohol. Da sollte man nicht noch mit einer Liegewiese dazu einladen“, sagt Schiemann. Auch sei die Vermüllung im Laufe der Jahre zu einem großen Problem geworden. Viele Anrainer hätten das Gefühl, die Gegend verkomme zu einer Partyzone und befürchten, dass das zukünftig noch schlimmer werde.

Auch in den umlegenden Bezirken hat sich rundum die Gewässer einiges verändert

Bei der Umgestaltung am Rummelsburger See ist neben Nachbar Lichtenberg auch Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt. Das Areal ist seit 1994 als Entwicklungsgebiet ausgewiesen. Der südliche Bereich des Rummelsburger Sees samt Nordufer der Halbinsel Stralau befindet sich im Bezirk. Noch ist alles jedoch nur in Planung. Ein Entwicklungskonzept von Landschaftsarchitekten und Stadtplanern im Auftrag des Landes Berlin dazu war im Rahmen von Bürgerbeteiligungen überarbeitet und im November 2018 vorgestellt worden. Ziel ist es dabei, Maßnahmen für den Ufergrünzug sowie für den Naturschutz festzulegen, die die öffentliche Nutzung mit der zunehmenden Besiedelung des Gebiets und der Gewässer in Einklang bringt. Die Bürgerbeteiligung für das Konzept ist nach der Vorstellung im vergangenen Jahr abgeschlossen. Es wird aktuell fertiggestellt.

Der nächste Schritt: Ist die endgültige Fassung geschrieben, wird das Konzept zur Diskussion in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Ein Beschluss wird vor der Sommerpause erwartet. Bereits 2015 hatte das Umwelt- und Naturschutzamt an zwei Stellen der Halbinsel Stralau eine ökologische Ufergestaltung vorangebracht, die Lebensraum für Tiere schaffen sollte. An der Schwanenwiese und am Schilfgürtel hinter der Hansa-Werft wurden Biotope angelegt, die aus Neupflanzungen und in den See geführten Ästen bestehen. Diese dienen als Nahrungs- und Rückzugsorte, etwa für laichende Fische und für Wasservögel.

Blümelteich in Mariendorf wird für zwei Millionen Euro saniert

Im Volkspark Mariendorf, einem Gartendenkmal, wird der Blümelteich saniert. Rund zwei Millionen Euro stehen dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg dafür zur Verfügung. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum Frühjahr 2020. Es werde eine Faulschlammsanierung vorgenommen, sagte Stadträtin Christiane Heiß (Grüne), zuständig für das Straßen- und Grünflächenamt. „Dazu muss der gesamte Teich abgepumpt werden.“ Alle Uferbefestigungen sollen erneuert werden. Zum Teil stammen sie noch aus den 20er- und 30er-Jahren. Es habe sich herausgestellt, dass Erlen und Weiden in diese Befestigung hineingewachsen seien, so die Stadträtin. Im Februar ließ das Amt deshalb 40 Bäume am Rand des Teichs fällen.

Vorgesehen ist auch, die Treppen am Ostufer zu sanieren und die Parkwege zu erneuern, die um das Gewässer führen. Der Blümelteich ist ein traditioneller Treff für Modellboot-Besitzer. Der Bereich für Modellboote solle auch künftig abgetrennt bleiben, kündigte Stadträtin Heiß an. Geplant ist außerdem, einen Tiefbrunnen zu bohren, so dass auch in heißen Sommern Wasser in den Teich fließt.

Zweckgemeinschaft zwischen Bitterling und Teichmuschel in Lichtenberg

Um die Seen in Lichtenberg kümmert sich der Förderverein Obersee-Orankesee mit Frühjahrs- und Herbstputz im umliegenden Park und zahlreichen anderen Veranstaltungen. Beide Seen wurden zwischen 2011 und 2015 saniert beziehungsweise renaturiert. Dabei ging es hauptsächlich um die Gewässerqualität und –struktur des Obersees, der ein künstlich angelegtes Regenwasserrückhaltebecken ist. Hier wurde ein Bodenfilter mit Schilfbepflanzung errichtet. Der natürlich entstandene Orankesee ist heute einer der saubersten Badeseen Berlins. Eine Unterwasserpumpe versorgt ihn regelmäßig aus 30 Metern Tiefe mit Frischwasser. Der See ist ein ausgewiesenes Angelgewässer, betreut durch den Deutschen Angelverband Berlin.

Interessant ist in dem See die Zweckgemeinschaft von Bitterling und Teichmuschel. Der kleine, karpfenähnliche Fisch nutzt die Muschel als „Kindergarten“. Die Muschellarven wiederum heften sich an die Flossen oder Kiemen bestimmter Fische. Dort bleiben sie, bis sie sich zu kleinen Muscheln entwickelt haben. Dann fallen sie zu Boden und beginnen ihr Wachstum – und sorgen mit dem Verzehr von Plankton für sauberes Wasser im See.