Reinickendorf
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Vonovia will 600 Wohnungen im Ziekowkiez bauen

Vonovia plant 600 neue Wohnungen rund um die Reinickendorfer Ziekowstraße. Auch eine Kita und ein Supermarkt sollen gebaut werden.

Vonovia wird den Ziekowkiez in den kommenden Jahren umbauen. Unter anderem sollen 600 neue Wohnungen entstehen, auch für Familien. 

Vonovia wird den Ziekowkiez in den kommenden Jahren umbauen. Unter anderem sollen 600 neue Wohnungen entstehen, auch für Familien. 

Foto: Vonovia

Berlin. Dass der Wohnraum in Berlin knapp ist, dürfte für niemanden mehr etwas Neues sein. Auch in Reinickendorf wird geschaut, wo der so dringend benötigte Wohnraum geschaffen werden kann.

Bis zu 600 neue Wohnungen will die Vonovia rund um die Ziekowstraße bauen. Und weil bei derart großen Bauprojekten der Unmut der Anwohner meist groß ist, werden diese von Beginn an mit in die Planungen involviert. Unter dem Motto „Gemeinsam zum Ziekowkiez“ soll so ein neuer Kiez entstehen, mit dem sich die Anwohner voll und ganz identifizieren.

Um das umzusetzen, haben sich die Verantwortlichen des Wohnungsunternehmens einiges vorgenommen. Neben den bis zu 600 neuen Wohnungen werden 1100 Bestandswohnungen aus den 1950er-Jahren energetisch modernisiert, die Infrastruktur verbessert und die Grünflächen neu gestaltet, auch einen Supermarkt soll es geben.

Nachdem der Nahkauf an der Ziekowstraße für ein Neubauprojekt weichen musste, waren viele Anwohner empört. „Das ist nicht unser Bereich“, sagt Sebastian Krüger, Regionalleiter Region Nord bei Vonovia. „Der Bezirk hat uns aber schon vor einiger Zeit gefragt, ob es möglich wäre, einen Nahversorger unterzubringen“, ergänzt Krüger. Direkt an der Oeserstraße soll einer entstehen und so konzipiert werden, dass auf dem Dach Wohnungen entstehen.

Hintergrund: Vonovia-Chef: „Wir möchten niemanden herausmodernisieren“

Zentraler Treffpunkt mit Wochenmarkt

„Ich würde mich freuen, wenn der Platz hier so umgestaltet wird, dass es ein zentraler Treffpunkt wird“, sagt Anwohner Michael Bräutigam und deutet auf den Bereich, in dem derzeit unter anderem ein Elektronikgeschäft, ein Blumenladen und ein Nachbarschaftstreff der Johanniter angesiedelt sind.

„Den Wunsch haben wir bereits aufgenommen, überlegen auch, ob wir einen Wochenmarkt etablieren“, verrät Sebastian Krüger. Auch einen kleinen Weihnachtsmarkt kann er sich vorstellen. Bänke zum Verweilen soll es auf jeden Fall geben.

Es soll ein Kiez für alle werden – Familien, Alleinstehende und Senioren. Derzeit besteht die Wohnsiedlung größtenteils aus Zwei-Zimmer-Wohnungen. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern.

„In den Neubauten werden größere Wohnungen entstehen. Wir möchten, dass auch Familien mit Kindern hier herziehen“, sagt Krüger. Im Zuge dessen wird eine zweite Kita in Nähe der Illerzeile entstehen – derzeit gibt es eine an der Oeserstraße.

Auch die Hoffmann-von-Fallersleben-Grundschule wird das Bezirksamt erweitern, damit mehr Kinder angenommen werden können. Für Senioren werden bereits seit Sommer 2018 Wohnungen so umgebaut, dass sie auch im höheren Alter noch selbstbestimmt leben können – dazu gehören größere Bäder mit rutschfesten Fliesen, eine zentrale Stromabschaltung und einen Einbauschrank im Flur mit Platz für einen Rollator.

Mehr Menschen bedeutet auch, dass die Nachfrage nach Parkplätzen stark ansteigen wird. Darauf wollen die Fachleute reagieren, planen eine Tiefgarage und eine Veränderung der Oeserstraße. Heißt: Auf der einen Seite wird der Bürgersteig weggenommen, die Straße somit verbreitert und mehr Parkplätze geschaffen. Zeitgleich werden auch Konzepte wie Carsharing oder ein Lastenradverleih für Einkäufe durchdacht.

Monatliche Miete wird nicht mehr als 1,75 Euro pro Quadratmeter steigen

In den nächsten zwei bis drei Jahren werden die Bauarbeiten starten – derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren. Fünf bis sieben Jahre wird es dauern, bis alle Pläne umgesetzt sind. Kosten wird das Projekt voraussichtlich 150 Millionen Euro.

Um das umsetzen zu können, bleibt eine Mietsteigerung nicht aus. „Die monatliche Miete wird aber nach Abschluss der Bauarbeiten 1,75 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten“, versichert Sebastian Krüger und ergänzt, dass im Gegenzug die Nebenkosten durch die Modernisierung sinken würden.

Die Mieterhöhung ist durch eine Vereinbarung zwischen dem Bezirk und dem Wohnungsunternehmen festgelegt. „Mit der Vereinbarung Ziekowkiez ist es dem Bezirksamt gelungen, klare Regeln für die Modernisierung der Siedlung mit Vonovia zu vereinbaren. Diese Regeln dienen dem Schutz der Mieter und sichern ihren Verbleib in der Siedlung“, sagt Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU). Zudem werde die Miete nach Sanierung für die Dauer von fünf Jahren nicht erhöht. „Das ist in Berlin einmalig“, sagt Balzer.

30 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen werden, für die ein Wohnberechtigungsschein benötigt wird. Anwohner Michael Bräutigam ist bereit, die Mehrkosten zu zahlen, wenn der Kiez und auch seine Wohnung dadurch enorm aufgewertet werden. Aus Gesprächen mit Nachbarn weiß er, dass die es genau so sehen.

Beratung vor Ort im Kiezschaufenster

Um eventuellem Unmut entgegenzuwirken, plant die Vonovia mit den Anwohnern. „Uns war es wichtig, die Mieter frühzeitig zu informieren. Im nächsten Schritt werden wir Workshops zu den Themen Modernisierung, Mobilität und Gestaltung des Umfeldes anbieten“, sagt Sebastian Krüger. Er hat sich einen Trimm-dich-Pfad für die Senioren vorgestellt, bei Gesprächen aber herausgefunden, dass das gar nicht gewünscht ist. „Genau deshalb entwickeln wir den Kiez mit den Anwohnern zusammen. Die Mieter sollen uns sagen, was sie gerne hätten. Wir schauen dann, wie wir die Wünsche umsetzen können“, versichert Krüger.

Wünsche äußern können Mieter entweder in den Workshops oder im so genannten Kiezschaufenster, Ziekowstraße 114. An folgenden Tagen ist jemand von Vonovia vor Ort, beantwortet Fragen und nimmt Wünsche entgegen: dienstags 9 bis 13 Uhr, donnerstags 14 bis 18 Uhr und freitags 13-17 Uhr. Dort ist auch ein Modell ausgestellt, wie der Kiez einmal aussehen wird.