Reinickendorf
CDU-Politiker

Freie Universität entzieht Frank Steffel den Doktortitel

Der CDU-Bundestagsabgeordnete war ins Visier eines Plagiatsjägers geraten – nun wurde ihm sein Doktortitel entzogen.

Frank Steffel (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Reinickendorf, ist seinen Doktortitel los.

Frank Steffel (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Reinickendorf, ist seinen Doktortitel los.

Foto: dpa

Berlin. Monatelang fanden Untersuchungen statt, nun hat das Präsidium der Freien Universität (FU) eine Entscheidung getroffen: Dem Reinickendorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel wird der Doktorgrad entzogen.

Steffel wird vorgeworfen, dass er in seiner Dissertation an zahlreichen Stellen Texte anderer Autoren wörtlich oder fast wörtlich übernommen hat, ohne diese entsprechend zu kennzeichnen. Der Beschluss sei einstimmig gefallen, erklärte die FU in einer Mitteilung. Der Bescheid sei am Montag übermittelt worden.

Steffel hatte 1999 seine Doktorarbeit eingereicht und den Grad „Doktor der Wirtschaftswissenschaft“ erhalten. Der CDU-Politiker reagierte am Montag auf den Beschluss der FU und erklärte: „Diese Entscheidung – nach mehr als einem Jahr Überprüfung – bleibt überraschend.“ Bereits Ende April 2018 habe ihm das Rechtsamt der Freien Universität bestätigt, dass in der Dissertation alle Übernahmen mit Referenzen belegt seien. In einem aktuellen Schreiben vom 1. Februar sei ihm nochmals bestätigt worden, „dass ‚zu jedem vom Gremium überprüften Zitat in der Arbeit eine Quelle angeben wird‘“, so Steffel.

Auch in der Mitteilung der FU heißt es, Steffel habe für alle vom Gremium geprüften Passagen eine Quelle angegeben. Allerdings: „Es wird jedoch nicht ersichtlich, dass er wörtlich oder fast wörtlich Texte anderer Autoren in seine Dissertation eingefügt hat und in welchem Umfang.“

Steffel war ins Visier des Gründers von VroniPlag geraten

Steffel war Anfang September 2017 ins Visier des Plagiatsjägers Martin Heidingsfelder, Gründer der Internetplattform VroniPlag, geraten. Die Doktorarbeit wurde in der Folge von einem Prüfungsgremium der FU untersucht. Dabei bekam auch der Politiker die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu beziehen – ein mündliches Gespräch sei ihm verwehrt worden, so Steffel.

In seiner schriftlichen Stellungnahme erklärte er, dass er keinen Täuschungsvorsatz gehabt habe. Steffel und dessen Rechtsanwalt verwiesen zudem darauf, dass Steffels Doktorvater, Professor Dietrich Winterhager, mehrfach öffentlich erklärt habe, dass sich der Politiker an die an seinem Lehrstuhl üblichen Zitierweisen gehalten habe. Winterhager habe die zitierten Texte gekannt und die Übernahmen erkannt. Deshalb sei er von Steffel auch nicht getäuscht worden.

FU sieht „zumindest bedingt vorsätzliche Täuschung“

Das Präsidium der Freien Universität folgte Steffels Position jedoch nicht. Unter Berücksichtigung aller Stellungnahmen – unter anderem auch vom damaligen Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft – erkannte das Präsidium wie schon zuvor das Prüfungsgremium „eine zumindest bedingt vorsätzliche Täuschung“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat bereits angekündigt, gegen die Entscheidung der FU, ihm den Doktorgrad zu entziehen, klagen zu wollen. Seinen Titel will er solange nicht aktiv führen.

Steffel ist nicht der einzige Politiker, dem eine Uni den Doktortitel aberkennt. Zu den ersten zählte Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der aufgrund des Skandals 2011 vom Amt des Bundesverteidigungsministers zurücktrat. Auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin verlor nach Plagiatsvorwürfen ihren Titel. Ähnlich wie Steffel es nun plant, zog die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vor Gericht, um ihren Titel zu verteidigen – verlor am Ende aber doch.

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