Reinickendorf
Keine Kandidatur mehr

Machtwechsel in der CDU: Frank Steffel gibt Amt ab

Er begründete seinen Rückzug mit seinen zusätzlichen Aufgaben im Bundestag. Nachfolger soll Bezirksbürgermister Frank Balzer werden.

Foto: Reto Klar

Berlin. Über fast zwei Jahrzehnte war er einer der einflussreichsten Politiker der Berliner CDU: Jetzt gibt der Bundestagsabgeordnete die Basis seiner Macht auf. Beim Kreisparteitag am 22. Februar will Steffel nach 18 Jahren an der Spitze der CDU in ihrer Hochburg Reinickendorf nicht mehr für das Amt des Kreisvorsitzenden kandidieren. Sein Nachfolger soll Bezirksbürgermeister Frank Balzer werden. Steffel kündigte an, Balzers Kandidatur zu unterstützen.

Weniger Zeit nach seinem Einstieg in die Außenpolitik

Steffel begründete seinen Rückzug mit zusätzlichen Aufgaben im Bundestag. „Da ich als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages neben der Ukraine und dem südlichen Afrika zukünftig auch die Betreuung von Süd-Ostasien und Korea übernehmen durfte und außerdem Obmann der CDU/CSU Bundestagsfraktion für Sport und Ehrenamt bleibe, werde ich somit meine verfügbare Zeit auf meine Arbeit im Wahlkreis Reinickendorf konzentrieren können“, schrieb Steffel in einer Mail an seine Reinickendorfer Parteifreunde. Steffel hatte sich jahrelang schwerpunktmäßig um Finanzen und Wirtschaft gekümmert, ehe er 2018 in die Außenpolitik wechselte.

Steffel besucht derzeit Südafrika. Am Telefon sagte er am Montag, der Zeitpunkt, das Parteiamt abzugeben, sei ideal. Der Kreisverband stehe hervorragend da. Er wolle neben seinen anderen Aufgaben mehr Zeit für die Familie haben: „Wenn Politik eine Droge ist, haben mich meine Kinder entgiftet“, sagte der 52-Jährige.

Ganz einvernehmlich erfolgt der Teil-Ausstieg Steffels jedoch nicht. Der Präsident des Handball-Vereins Füchse hatte sich im Kreisverband schon länger Feinde gemacht. Kritiker werfen ihm ein selbstherrliches Auftreten vor, zudem sei sein Einfluss im Landesverband geschwunden. „Es gibt große Unzufriedenheit mit seiner Arbeit“, so ein Ortsvorsitzender. Darum sei Steffel bedeutet worden, dass er keine Mehrheit bekäme. Für Missfallen sorgte etwa 2017 ein Brief von Steffel an die Reinickendorfer mit dem Briefkopf und der Unterschrift von Angela Merkel. Die Kanzlerin wusste aber nichts von der Werbeaktion für den Parteifreund.

Steffel wurde bekannt, als die CDU ihn 2001 als jungen Abgeordneten nach dem Bruch der CDU/SPD-Koalition in Folge des Bankenskandals als Spitzenkandidaten gegen den späteren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ins Rennen schickte.

Seine Werbeagentur vermarktete den Unternehmer seinerzeit als „Kennedy von der Spree“. Gemeinsam mit seiner Frau Katja präsentierte er sich als bürgerliches Gegenbild zu dem homosexuellen Sozialdemokraten, konnte aber eine derbe Niederlage der Union nicht verhindern. Auch Steffel unterliefen seinerzeit einige kommunikative Fehler, als er München zur schönsten Stadt Deutschlands erklärte und sich bei einem Eier-Angriff bei einer Kundgebung hinter den CSU-Politiker Edmund Stoiber duckte.

Bis 2003 war Steffel Oppositionsführer im Abgeordnetenhaus, ehe er nach internem Streit zurücktrat. 2009 wechselte der Eigentümer eines Handelsbetriebes für Bodenbeläge in den Bundestag, nachdem er vier Jahre zuvor gescheitert war. Er gewann dreimal hintereinander das Direktmandat in Reinickendorf mit den besten Ergebnisse aller CDU-Bewerber. Seinen Betrieb verkaufte er 2015, ist aber weiter an einigen Firmen beteiligt.

Erneute Kandidatur für den Bundestag 2021 ist noch offen

Ob Steffel ohne seine Machtbasis im Kreis für 2021 erneut die Kandidatur für den Bundestag in der CDU-Hochburg beanspruchen kann, ist offen. Darüber sei noch nicht gesprochen worden, hieß es aus dem Kreisverband. Auch Steffel ließ auf Nachfrage das Thema offen. Im Landesverband ist man jedenfalls dankbar für die einvernehmliche Lösung für den Kreisvorsitz: Man sei „dankbar für 18 Jahre“, sagte CDU-Generalsekretär Stefan Evers.

Der Wechsel in Reinickendorf ist der einzige, der sich in der Riege der einflussreichen CDU-Kreischefs abzeichnet. Überall anders würden die Amtsinhaber bestätigt, sagten am Montag mehrere Kenner der Berliner CDU.

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