Reinickendorf
Straßenarbeiten

Baumfällungen in der Olafstraße waren unumgänglich

Anwohnerin in Hermsdorf beschwert sich über gefällte Bäume. Durch Bauarbeiten konnte Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet werden

Laut einer Anwohnerin wird ein Baum vermisst. Sie beschwert sich über die Fällungen.

Laut einer Anwohnerin wird ein Baum vermisst. Sie beschwert sich über die Fällungen.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Zwei Männer laufen im Auftrag des Bezirksamtes die Olafstraße in Hermsdorf entlang und sammeln eifrig Zettel ein, die an Baumstümpfe geheftet sind. Darauf zu lesen in großen Lettern: Baum vermisst. Es folgt ein langer Text über das Bedauern der abgesägten Bäume, einem Schriftverkehr zwischen einer Anwohnerin und den Berliner Wasserbetrieben, die den Grund ihrer Bauarbeiten erklären sowie der schriftliche Austausch mit dem Bezirksamt. Pikant ist allerdings, dass auf diesen Blättern nicht nur der komplette Schriftverkehr, sondern auch die Kontaktdaten des zuständigen Gruppenleiters der Straßenaufsicht abgedruckt sind, bei dem die Anwohner ihren Unmut ausdrücken können.

Verona Kriwet-Baumann ist diese Anwohnerin, die die Zettel verteilt hat, unterschrieben mit ihrem vollen Namen. Sie positioniert sich klar gegen die Fällung der Bäume. „Ich bin der Meinung, dass man die Bäume hätte erhalten können, wenn man statt der Asphaltierung die entsprechenden Straßenabschnitte gepflastert hätte. Ganze Straßenzüge in Hermsdorf sind gepflastert. Die Olafstraße ist eine reine Wohn- und Parkstraße, die jetzt mit Einrichtung der Anwohnerparkzonen noch weniger Durchgangsverkehr anlocken wird, sodass von einer etwas unebenen Straßenoberfläche keinerlei Gefahr für den Straßenverkehr ausgegangen wäre“, sagt Kriwet-Baumann. Angesichts der klimatischen Bedeutung dieser Bäume sei die Fällung ein wahrer Umweltfrevel gewesen.

Arbeiter werden öfter von den Anwohnern angefeindet

Die Mitarbeiter einer privaten Firma, die vom Bezirksamt für die Gefahrenbeseitigung beauftragt wurden und jetzt die Zettel einsammeln müssen, verstehen die ganze Aufregung nicht. „Hier wird nichts einfach so entschieden. Die Behörden kontrollieren ganz genau, ob die Fällung nötig ist oder nicht“, sagt einer der Mitarbeiter, der weder seinen Namen noch den der Firma in der Zeitung lesen möchte.

Niemals würde „aus der Laune“ heraus ein Baum entfernt. Viel mehr regt er sich darüber auf, dass er und sein Kollege Anfeindungen ertragen müssen. „Wir werden oft verbal angegriffen. Dabei sind wir doch die Guten. Wir sorgen dafür, dass niemand über lockere Steine oder Wurzeln stolpert und sich womöglich noch verletzt.“

Standfestigkeit der Bäume konnte nicht mehr gewährleistet werden

Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) sagt, dass die Bauarbeiten in der Olafstraße notwendig wurden. Die maroden Regenwasserleitungen wurden durch die Berliner Wasserbetriebe (BWB) erneuert und die stark geschädigte Fahrbahn durch das bezirkseigene Straßenbauamt grundhaft auf der gesamten Fahrbahnbreite saniert. "Nachdem die Fahrbahndecke auf der vollen Fahrbahnbreite abgetragen war, wurde jeder einzelne Straßenbaum einer eingehenden Begutachtung durch die bezirkseigene Baumsachverständige unterzogen", sagt Schultze-Berndt.

Das Ergebnis: Bei vier Linden und einem Ahorn war das Wurzelwerk im Bereich der Fahrbahn so ausgeprägt, dass nach einem Entfernen der Wurzeln die Standfestigkeit und Statik der Bäume nicht mehr gewährleistet werden konnte. "Dementsprechend war die Erteilung der Fällgenehmigungen für diese Bäume unumgänglich", sagt die Baustadträtin und ergänzt, dass während der Baumaßnahme die verbleibenden Bäume gemäß der DIN 18920 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen“ geschützt wurden. Die gefällten Bäume werden durch neue ersetzt.

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