Reinickendorf
JVA Tegel

Metalldetektoren sollen Gefängnisausbrüche verhindern

Hamed M. sitzt nach seiner Flucht wieder in der JVA Tegel. Der Justizsenator stellt die neuen Maßnahmen für mehr Sicherheit vor.

Mit seiner Flucht offenbarte Hamed M. große Sicherheitslücken in der JVA Tegel.

Mit seiner Flucht offenbarte Hamed M. große Sicherheitslücken in der JVA Tegel.

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Tegel. Hamed K. war kreativ: Im Bett seiner Zelle hatte er mit Stoffresten und Toilettenpapier eine Attrappe drapiert – und die Wärter glaubten, er schlafe bereits. Tatsächlich aber war M. damals, am Abend des 7. Februar, schon über den Zaun eines Freistundenhofes geklettert und zu einem anstaltsinternen Parkplatz gelangt. Dort versteckte er sich zwischen Fahrerkabine und Lastraum eines Lkw. Wenig später war er in Freiheit – und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) geriet in Erklärungsnot.

Denn Hamed M. war keine kleine Nummer, sondern ein Gewalttäter, der im August 2015 eine Frau verprügelt hatte. Vor allem aber hatte der Libyer mit seiner filmreifen Flucht aus der eigentlich als sicher geltenden Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel etliche Sicherheitslücken offenbart. Erschwerend hinzu kam, dass einige Wochen zuvor etliche Gefangene aus dem offenen Vollzug der JVA Plötzensee geflohen waren.

Engpass der Baubranche führt zu Verzögerungen

Am Mittwoch informierte Behrendt nun, dass die Sicherheitsmaßnahmen verbessert worden seien. In der JVA Tegel komme ein Herzschlagdetektor zum Einsatz. In einem Fahrzeug versteckte Personen könnten vor dem Verlassen des Anstaltsgeländes aufgespürt werden. Im nächsten Jahr sollen elf weitere Geräte auch in anderen Anstalten zum Einsatz kommen. Verbessert worden sei auch die Technik der Schließanlagen. Die „Ordnungszäune“ auf dem Anstaltsgelände sollen nach einheitlichem Standard gestaltet werden und ein Übersteigen erschweren.

Um die Inspektion der Zellen zu erleichtern, sollen die Gefangenen künftig nur noch so viel persönliche Dinge aufbewahren, dass diese in zwei 50-Liter-Kisten passen. Kosten aller Maßnahmen: rund 30 Millionen Euro. Schwierigkeiten bereite der Engpass in der Baubranche. „Die Maßnahmen im Zeit- und Kostenrahmen zu realisieren, ist nicht einfach“, sagte die für den Justizvollzug zuständige Abteilungsleiterin der Justizverwaltung, Susanne Gerlach.

Hamed M. wurde übrigens wenige Tage nach seiner Flucht in Belgien gefasst. Vor wenigen Tagen wurde er nach Berlin überstellt. Nun sitzt er wieder im vertrauten Umfeld der JVA Tegel.

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