Reinickendorf
Flüchtlingsunterkunft

Kein eindeutiges Ergebnis bei MuF-Standort Paracelsusbad

Das Landesdenkmalamt prüft derzeit den Standort. Gibt es grünes Licht, wird gebaut. Eine andere geeignete Fläche gibt es nicht.

Am Paracelsusbad soll eine modulare Flüchtlingsunterkunft entstehen. Derzeit prüft das Landesdenkmalamt den Standort.

Am Paracelsusbad soll eine modulare Flüchtlingsunterkunft entstehen. Derzeit prüft das Landesdenkmalamt den Standort.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Es wurde viel gemutmaßt über den neuen Standort einer Flüchtlingsunterkunft am Paracelsusbad an der Roedernallee in Reinickendorf. Wird sie nun gebaut oder nicht? Was ist mit dem Denkmalschutz des Schwimmbades und der alten Bäume? Wie viele Menschen werden dort einziehen?

Um über den aktuellen Planungsstand zu informieren, haben die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Linke), und der Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Gesundheit, Integration und Soziales, Uwe Brockhausen (SPD), zu einem Bürgerdialog ins Fontanehaus eingeladen. Ebenfalls waren Michael Hilbold vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, Christian Marschner der Berlinovo Grundstücksentwicklungs GmbH (BGG) und Vertreter der Polizei anwesend. Ziel war es, Meinungen auszutauschen, Unsicherheiten auszuräumen sowie für Toleranz und Akzeptanz zu werden.

Doch wird die modulare Flüchtlingsunterkunft nun gebaut? Eine klare Antwort gab es an dem Abend nicht. „Solange die Prüfung des Standortes noch läuft, kann der Bezirk alternative Standorte vorschlagen. Wenn aber die Vorbereitungen laufen, ist Schluss“, sagt Senatorin Breitenbach. Sie diskutiere gerne, wie und wo gebaut wird, aber nicht, ob gebaut wird. Der Senat hat jedem Bezirk vorgeschrieben, Flächen für zwei weitere modulare Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung zu stellen – so soll eine gerechte Verteilung in ganz Berlin gewährleistet werden, denn die Prognose besagt, dass bis zum Jahr 2020 rund 13.000 Plätze fehlen werden.

In Frohnau wird keine modulare Unterkunft entstehen

Doch der Bezirk hat keine eigenen alternativen Flächen. Das machte Bezirksstadtrat Uwe Brockhausen deutlich. Er bedauere die Zentralisierung der Unterkünfte, „doch wenn man Obdachlosigkeit verhindern möchte, dann geht das nicht anders.“ Der Vorschlag des Bezirksamtes an der Cité Pasteur wurde vom Senat aufgrund der zu hohen Lärmbelastung abgelehnt. Eine Zuschauerin machte auf eine große Fläche an der Senheimer Straße in Frohnau aufmerksam. Die sei, sagte Brockhausen, ungeeignet. Aufgrund einer Erhaltungssatzung sei nur eine bestimmte Bauhöhe möglich, und eine Umsetzung würde viel zu lange dauern. Zudem solle das Ortsbild Frohnaus erhalten bleiben, so der Bezirksstadtrat.

Das Problem für viele Anwohner ist nicht, dass neue Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden, sondern, dass es sich in den Ortsteilen Wittenau und Reinickendorf ballt – neben dem Standort Paracelsusbad wird auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik das Ankunftszentrum mit 400 Plätzen entstehen. Das Ankunftszentrum in den Hangars am ehemaligen Tempelhofer Flughafen kann laut Senatorin Breitenbach so nicht weitergeführt werden. „Ich möchte nicht, dass Menschen so elendig untergebracht sind“, betonte sie. Zudem sei bereits in der vergangenen Legislaturperiode klar gewesen, dass auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik eine modulare Flüchtlingsunterkunft entstehen wird. Dass es jetzt das Ankunftszentrum werde, sei Ende Oktober entschieden worden. Im Gespräch war dort einen Pflegecampus zu errichten, der werde jetzt in Heckeshorn in der Nähe des Wannsees entstehen, sagte die Senatorin.

Landesdenkmalamt prüft derzeit den Standort Paracelsusbad

Derzeit prüft das Landesdenkmalamt, ob auf dem Gelände des Paracelsusbades gebaut werden darf. Wenn dem so ist, werden wahrscheinlich zwei Gebäude entstehen. Die Berlinovo Grundstücksentwicklungs GmbH (BGG) hat einen Entwurf erstellt. Nach dieser Darstellung werden rund 230 bis 250 Personen dort untergebracht. Ein Gebäude soll dreigeschossig, das andere vier- bis fünfgeschossig werden. Eine konkretere Planung gibt es nicht, da das Ergebnis des Landesdenkmalamtes noch aussteht. Christian Marschner, Geschäftsführer der BGG, geht aber davon aus, dass Anfang 2019 der Bauantrag gestellt werden und somit die Planung beginnen kann.

Laut Uwe Brockhausen ist die Fläche am Paracelsusbad als Baugebiet ausgewiesen. Es habe bereits die Überlegung gegeben, dort Studentenwohnungen zu errichten. Fest steht, dass die beiden Häuser so gebaut werden, dass nach der Nutzung als modulare Flüchtlingsunterkunft die Zimmer in bezahlbaren Wohnraum umgewandelt werden sollen. Dementsprechend werden die Zimmer auch so konstruiert, dass die Wände flexibel verschoben werden können. Marschner versicherte, dass im Falle des Baus so wenig Bäume wie nötig gefällt werden. Zudem garantierte Uwe Brockhausen, dass die Gartenkolonie unangetastet bleibt und nichts abgerissen werde. Einige Kleingartenbesitzer wollen gehört haben, dass ein Teil der Gärten weichen müsste.

Anwohner haben Bedenken beim Thema Sicherheit

Erhebliche Bedenken haben die Anwohner beim Thema Sicherheit. Viele trauen sich abends in der Dunkelheit nicht mehr nach draußen, geschweige denn in die U-Bahn. Axel Quitsch, Leiter des Polizeiabschnitts 11 und somit zuständig für Heiligensee, Konradshöhe, Tegel, Borsigwalde sowie den westlichen Teil des Ortsteils Reinickendorf, versuchte den Anwesenden die Furcht zu nehmen. Dafür bezog er sich auf die Flüchtlingsunterkunft an der Bernauer Straße in Tegel, die 2016 errichtet wurde. Die Anwohner dort seien auch sehr unsicher gewesen. „Wir haben Vorkehrungen getroffen und sehr sorgfältig hingesehen“, sagte Quitsch. Doch ein Kriminalitätsanstieg blieb aus. „2016 waren es 414 Straftaten, 2017 ist die Zahl auf 330 gesunken und in 2018 ist zehn Mal der Notruf gewählt worden“, führte der Leiter des Polizeiabschnitts aus. Er könne zwar keine Prognose für das Paracelsusbad geben, er sagte aber zu, dass die Polizei genau hinsehen werde und zu jeder Zeit Ansprechpartner sei. „Seien sie aufmerksam und melden Sie sich bei uns, wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt. Wir gehen jedem Hinweis nach“, versicherte Quitsch den Anwohnern.

Senat und Bezirksamt haben zugesagt, die Reinickendorfer weiterhin regelmäßig über die Planungen zu informieren.

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