Reinickendorf
Obdachlosigkeit

„Mein Ziel ist, Menschen von der Straße zu holen“

Hilfe für Obdachlose in Reinickendorf-Ost: Bald sollen dort die ersten „Little Homes“ entstehen.

Am Franz-Neumann-Platz wurden  Schlafsäcke, Essen und Kleidung an Obdachlose verteilt.

Am Franz-Neumann-Platz wurden Schlafsäcke, Essen und Kleidung an Obdachlose verteilt.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Peter Roßmeier kann sein Glück noch gar nicht fassen. Er ist seit vielen Jahren obdachlos, muss oft auf der Straße schlafen. Doch an diesem Tag überreicht ihm Andreas Otto von der Freien Demokratischen Wohlfahrt einen Schlafsack und eine Isomatte. „Der soll bis minus 23 Grad warm halten, habe ich gerade gehört. Das ist klasse und hilft mir sehr“, sagt Peter Roßmeier, der wie rund 40 weitere Obdachlose fast jeden Tag zum Franz-Neumann-Platz in Reinickendorf-Ost kommt.

Dort fühlen sie sich wohl. Auch, weil auf dem Platz ein Wohnwagen der Berliner Help Stiftung steht, und die Menschen dort eine Zuflucht, Essen und Getränke bekommen. Erst kürzlich hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Sondermittel in Höhe von fast 1600 Euro für dieses Projekt beschlossen. Bis April können Obdachlose den Wohnwagen dort jeden Tag von 13 bis 19 Uhr nutzen.

Es ist sehr kalt an diesem Tag, alle haben die Mützen weit ins Gesicht gezogen und so viele Pullover und Jacken angezogen, wie sie konnten. Die Hände sind nicht in den Taschen, sondern umklammern die Schlafsäcke. Wie viel ihnen dieses Geschenk bedeutet, können sich Menschen mit eigener Wohnung wohl nur schwer vorstellen. Thomas Jährling kann das, weil er selbst jahrelang auf der Straße lebte. „Irgendwann hatte ich aber keine Lust mehr. Ich wusste: Jetzt muss ich etwas ändern“, sagt er. Er krempelte die Ärmel hoch, fand Wohnung und Arbeit. Inzwischen ist er zwar wieder auf der Suche nach einer festen Anstellung, auf der Straße muss er aber nicht schlafen. Nur zu Hause sitzen kann er nicht, und arbeitet daher jeden Tag ehrenamtlich im Wohnwagen der Berliner Help Stiftung, kocht, teilt Essen aus, spricht mit den Obdachlosen, versucht zu helfen.

Norbert Raeder, Betreiber der Gaststätte „Kastanienwäldchen“, setzt sich seit 20 Jahren für Obdachlose ein, hat den Antrag für Förderung der Berliner Help Stiftung in die BVV eingebracht und es mithilfe von Spenden geschafft, zwei Obdachlosen eine Wohnung zu besorgen. „Mein Ziel ist es, die Menschen von der Straße zu holen“, sagt Raeder. Er ist überwältigt von der Spendenbereitschaft der Menschen – 10.000 Kleidungsstücke seien im vergangenen Jahr zusammengekommen. Ab 16 Uhr kann man im „Kastanienwäldchen“ Winterkleidung abgeben. Am 17. Dezember veranstaltet Raeder, der auch als Bezirksverordneter (parteilos, für die CDU) tätig ist, ein Benefizkonzert zugunsten der Obdachlosen.

Damit die Obdachlosen nicht direkt auf der Straße schlafen müssen, wird es bald die ersten „Little Homes“ (kleines Zuhause oder kleine Häuser) geben. Derzeit muss der Bezirk auf Antrag der CDU-Fraktion noch nach geeigneten Flächen suchen, auf denen die kleinen Häuser stehen dürfen. Es sind auf vier Europaletten aus Holz gezimmerte Wohnboxen, die auf Spendenbasis an Obdachlose verschenkt werden.

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