Reinickendorf
Hilfe für Obdachlose

Obdachlose freuen sich über Schlafsäcke

Freie Demokratische Wohlfahrt, Berliner Help Stiftung und Norbert Raeder helfen am Franz-Neumann-Platz. Kleiderspenden werden gebraucht

Am Franz-Neumann-Platz haben die Freie Demokratische Wohlfahrt (FDW), die Berliner Help Stiftung und Norbert Raeder Schlafsäcke, Essen und Kleidung an Obdachlose verteilt.Im Bild: v.l. Martin Proschmann (Leiter Berliner Help Stiftung), Peter Roßmeier (Obdachloser), Peter Dietze-Felbert (Mitglied im Landesvorstand FDW), Andreas Otto (Vorsitzender Reinickendorf und Spandau bei FDW), Norbert Raeder (Besitzer Kastanienwäldchen, parteilos für CDU)

Am Franz-Neumann-Platz haben die Freie Demokratische Wohlfahrt (FDW), die Berliner Help Stiftung und Norbert Raeder Schlafsäcke, Essen und Kleidung an Obdachlose verteilt.Im Bild: v.l. Martin Proschmann (Leiter Berliner Help Stiftung), Peter Roßmeier (Obdachloser), Peter Dietze-Felbert (Mitglied im Landesvorstand FDW), Andreas Otto (Vorsitzender Reinickendorf und Spandau bei FDW), Norbert Raeder (Besitzer Kastanienwäldchen, parteilos für CDU)

Foto: Susanne Kollmann

Berlin-Reinickendorf. Peter Roßmeier kann sein Glück noch gar nicht fassen. Er ist seit vielen Jahren obdachlos, muss oft auf der Straße schlafen. Doch an diesem Tag überreicht ihm Andreas Otto von der Freien Demokratischen Wohlfahrt einen Schlafsack und eine Isomatte. „Der soll bis minus 23 Grad warm halten, habe ich gerade gehört. Das ist klasse und hilft mir sehr“, sagt Peter Roßmeier, der wie rund 40 weitere Obdachlose fast jeden Tag zum Franz-Neumann-Platz in Reinickendorf-Ost kommt. Dort fühlen sie sich wohl. Auch, weil auf dem Platz ein Wohnwagen der Berliner Help Stiftung steht und die Menschen dort eine Zuflucht, Essen und Getränke bekommen. Erst kürzlich hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Sondermittel in Höhe von fast 1600 Euro für dieses Projekt beschlossen. Bis April können Obdachlose den Wohnwagen dort jeden Tag von 13 bis 19 Uhr nutzen.

Von der Straße in die eigene Wohnung

Es ist sehr kalt an diesem Tag, alle haben die Mützen weit ins Gesicht gezogen und so viele Schichten an Pullover und Jacken angezogen wie sie konnten. Doch die Hände sind dieses Mal nicht in den Taschen, sondern umklammern die Schlafsäcke. Wie viel ihnen dieses Geschenk bedeutet, können sich Menschen mit eigener Wohnung wohl nur schwer vorstellen. Thomas Jährling kann das, lebte er selbst auch jahrelang auf der Straße. „Irgendwann hatte ich aber keine Lust mehr. Ich wusste: Jetzt muss ich etwas ändern“, sagt er. Er krempelte die Arme hoch, fand Wohnung und Arbeit. Heute ist er zwar wieder auf der Suche nach einer festen Anstellung, auf der Straße muss er aber nicht mehr schlafen. Nur Zuhause sitzen kann er nicht und arbeitet daher jeden Tag ehrenamtlich im Wohnwagen der Berliner Help Stiftung, kocht, teilt Essen aus, spricht mit den Obdachlosen, versucht zu helfen.

Ziel: Menschen von der Straße holen

Norbert Raeder, Betreiber der Gaststätte Kastanienwäldchen, schaut jeden Tag auf den Platz, wenn er arbeitet. Er setzt sich seit 20 Jahren für Obdachlose ein, hat den Antrag für Förderung der Berliner Help Stiftung in die BVV eingebracht. Er hat es mit Hilfe von Spenden geschafft, zwei Obdachlosen eine Wohnung zu besorgen. „Durch die Spenden konnten wir die erste Miete bezahlen, damit auch nichts schief geht“, sagt Raeder, „mein Ziel ist es, die Menschen von der Straße zu holen.“ Da es nicht bei jedem sofort funktioniert, versucht er anderweitig zu helfen. „Bei mir in der Gaststätte bekommt jeder eine Suppe“, garantiert der Wirt. Auch hat er extra draußen Heizstrahler montiert, wenn jemand nicht in die Gaststätte kommen möchte.

2017 wurde 10.000 Kleidungsstücke gespendet

Ihm liegen die Menschen sehr am Herzen. Das sieht man, wenn man im hinteren Teil der Gaststätte in einen großen Pavillon blickt. „Der war im vergangenen Jahr dreimal komplett voll“, sagt Raeder. Seine Augen strahlen. Er ist überwältigt von der Spendenbereitschaft der Menschen im Ort – 10.000 Kleidungsstücke seien im vergangene Jahr zusammengekommen. Ab 16 Uhr kann man im Kastanienwäldchen am Franz-Neumann-Platz Winterkleidung abgeben. Von Pullovern, Jacken, Mützen oder Schuhen werde laut Raeder alles gebraucht. Am 17. Dezember veranstaltet er ein Benefizkonzert zugunsten der Obdachlosen, um noch mehr Spenden zu sammeln.

"Little Homes" gibt es bald auch in Reinickendorf

Auch wenn es schwer nachzuvollziehen ist, aber viele bevorzugen das Leben auf der Straße, weil sie sich in den Schlafstätten nicht wohl fühlen. Damit die Obdachlosen nicht direkt auf der Straße schlafen müssen, wird es bald die ersten „Little Homes“ (übersetzt: Kleines Zuhause oder kleine Häuser) geben. Angela Zacher weiß jetzt schon, dass sie eines bekommen wird. „Dann habe ich endlich wieder ein Dach über dem Kopf und kann die Tür schließen und mal zur Ruhe kommen“, sagt die Frau, die seit vielen Jahren immer mal wieder auf der Straße schlafen muss, weil sie keine Wohnung bekommt, wie sie sagt. Ihr bedeutet die Zusage des kleinen Häuschens sehr viel.

In den eigenen vier Wänden zur Ruhe kommen

Derzeit muss der Bezirk auf Antrag der CDU-Fraktion noch nach geeigneten Flächen suchen, auf denen die kleinen Häuser stehen dürfen. Die Häuser sind auf vier Euro-Paletten aus Holz gezimmerte Wohnboxen, die auf Spendenbasis an Obdachlose verschenkt werden und diesen einen trockenen, abschließbaren Rückzugsort mit Matratze, Regal, Arbeitsfläche, Waschbecken und Campingtoilette bieten. "Obdachlose können in diesen Boxen ein wenig zur Ruhe kommen. Sie müssen sich keine Sorgen mehr um den nächsten Schlafplatz und die Sicherheit ihrer Habseligkeiten machen. Für mehrere ‚Bewohner‘ von Little Homes waren diese Boxen der Start für eine Rückkehr aus der Obdachlosigkeit in ein selbstbestimmtes Leben. Es ist konkrete Hilfe zur Selbsthilfe für Obdachlose", sagt Norbert Raeder, der neben seiner Tätigkeit im Kastanienwäldchen auch als Bezirksverordneter (parteilos, für die CDU) tätig ist. Das Material für ein Haus kostet circa 1000 Euro. Menschen können die Baumaterialien spenden oder den Bau der Häuser unterstützen.

Wie jeder helfen kann:

Kleiderspenden können im Kastanienwäldchen, Residenzstraße 109, jeden Tag ab 16 Uhr abgegeben werden. Dort gibt es auch weitere Informationen zu den Little Homes oder auf www.little-home.eu

Wer jemanden auf der Straße liegen sieht ohne Schlafsack oder nur mit einem sehr alten, der kann die Freie Demokratische Wohlfahrt unter 030-8519068 anrufen. Mitarbeiter bringen demjenigen dann einen vorbei samt Isomatte.

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