Reinickendorf
Kriminalität

Großeinsatz gegen Hehlerei auf Flohmärkten

Schwerpunktkontrolle am Sonntagvormittag: Ordnungsamt und Polizei finden große Mengen mutmaßlicher Hehlerware in Reinickendorf.

Polizisten kontrollieren einen der Händler.

Polizisten kontrollieren einen der Händler.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. „Sie packen jetzt bitte Ihre Ware ein“, sagt Manuela Neek zu einem Mann mittleren Alters, der an einem Stand auf einem der drei Flohmärkte an der Markstraße originalverpackte Handyhüllen verkauft. Er weigert sich. Der zunächst freundliche Ton der Außendienstleiterin des Reinickendorfer Ordnungsamts wird bestimmter. Schließlich bedeckt er seine Ware, während Neeks Kollege seine Personalien aufnimmt.

Gewerblicher Verkauf auf einem privaten Sonntagsflohmarkt: eine bußgeldbewährte Ordnungswidrigkeit. Wie hoch die Strafe ist, bestimme der Einzelfall, erklärt Neek. Der Mann sei aber kein Unbekannter. „Das Bußgeld wird bei jedem Erwischten mindestens verdoppelt.“

Das Ordnungsamt Reinickendorf kontrolliere inzwischen wöchentlich die beiden Flohmärkte auf den Parkplätzen an der Ostseite der Markstraße, erklärt Stadtrat Sebastian Maack (AfD), zuständig für Ordnungsangelegenheiten. Für den dritten Flohmarkt auf der Westseite ist das Ordnungsamt Mitte zuständig, da er direkt hinter der Bezirksgrenze in Wedding liegt. Beide Ämter führten am Sonntagvormittag eine gemeinsame Schwerpunktkon­trolle zusammen mit der Polizei durch – auch auf der Suche nach Hehlern, die gestohlene Ware anbieten.

Ein Viertel des Weddinger Marktes beschlagnahmt

Hier gelang den Beamten augenscheinlich ein größerer Fang. Gegen elf Uhr haben Polizisten rund ein Viertel der Stände des Weddinger Marktes leer geräumt, die Ware in Kisten abtransportiert. Ausschließlich Kleidung sei beschlagnahmt worden, so der Einsatzleiter. „Es handelt sich um Neuware zum Teil noch mit den Originaletiketten der Modehäuser.“ Der Verdacht der Hehlerei stehe im Raum. Die sichergestellte Ware fülle drei Einsatzwagen.

Aber auch gegen kleinere Verstöße gehen die Kräfte vor. Sie ermahnen Händler, die offen Filme und Computerspiele ab 18 Jahren anbieten. Sie schließen immer wieder Stände, an denen gewerbsmäßig verkauft wird. Und sie kontrollieren die Ware, die in Haufen auf dem Parkplatzboden im Nieselregen liegt, auf potenzielles Diebesgut.

Schnell fällt dabei ein junger Mann auf, der neuwertig aussehende Rasemäher anbietet. Sie seien kaputt – Rückläufer aus dem Sortiment einer großen Supermarktkette, erklärt er. „Es geht nur um die Ersatzteile.“ Und tatsächlich: Der Verdacht erhärtet sich nicht. Die Abfrage der Seriennummer ergibt keinen Treffer in der Diebstahlskartei. Der Verkäufer darf weitermachen.

Der Verdacht: Die Ware ist gestohlen

Kurz darauf rennen die Beamten zu einer Bushaltestelle vor dem Flohmarkt. Dort sitzt eine junge Frau, die sich als Maria vorstellt. In ihrer Tasche hat sie gut ein Dutzend Tafeln Schokolade sowie Shampoo-Flaschen. „Verkauf beobachtet“, gibt einer der Beamten zu Protokoll. Die Ordnungswidrigkeit des freien Handelns außerhalb der dafür zulässigen Flächen scheint erwiesen. Ferner drängt sich der Verdacht auf, dass die Ware gestohlen ist. Da sich die Frau nicht ausweisen kann, wird sie mit auf die Wache genommen. Dort habe sich ergeben, dass sie per Haftbefehl gesucht wird, wie der Einsatzleiter später sagt.

„Wir haben Hehlerware gefunden, wilde Händler – insgesamt ein sehr erfolgreicher Einsatz“, bilanziert Ordnungsstadtrat Maack. Nach diesen großen Kontrollen sei es erfahrungsgemäß für gewisse Zeit etwas ruhiger. Auch Ordnungsamtsmitarbeiterin Neek ist zufrieden, auch wenn sich die Probleme nicht mit einem Schlag lösen lassen. „Wir können die Welt nicht besser machen, aber kleine Zeichen setzen“, so Neek. Und vor dem Hintergrund sich erhöhender Bußgelder überlege sich der eine oder andere Wiederholungstäter doch, ob er weitermacht.

Reinickendorf will auch gegen Lärm und Müll vorgehen

Bereits seit Sommer 2017 führt das Bezirksamt Reinickendorf regelmäßig Schwerpunkteinsätze auf den Flohmärkten an der Markstraße durch. Fortschritte ließen sich vor allem bei der Parksituation verzeichnen, so Stadtrat Maack. „Probleme machen uns aber weiterhin die nächtlichen Ruhestörungen und die starke Vermüllung.“ Der Bezirk wolle dagegen nun stärker vorgehen und bittet Anwohner, entsprechende Verstöße zu melden.

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