Reinickendorf
Flughafen Tegel

Weiterbetrieb vom TXL: Besuch von Abgeordneten

Flughafen-Chef Lütke Daldrup führte Mitglieder des BER-Untersuchungsauschusses über den City-Airport Tegel.

Im TXL-Pullover: FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja (M.) beim Tegel-Rundgang, links neben ihm Ausschusschefin Melanie Kühnemann-Grunow.

Im TXL-Pullover: FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja (M.) beim Tegel-Rundgang, links neben ihm Ausschusschefin Melanie Kühnemann-Grunow.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Tegel. Am Schluss des Rundgangs war Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup mit seiner Geduld am Ende. „So“, verkündete er süffisant, „Ihr mediales Event ist ja gelungen, dann kann ich jetzt ja gehen. Auf Wiederschauen.“ Sagte es, verschwand im Aufzug – und ließ seine Besucher etwas verwirrt in 40 Meter Höhe auf der windigen Außenplattform des Towers am Flughafen Tegel (TXL) stehen.

Bei den Gästen handelte es sich um die Mitglieder des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Nach langem Hin und Her, bösen Briefen und scharfen Worten durften sie sich am Freitag doch noch den City-Airport anschauen, um einen Eindruck vom Zustand der Technik zu bekommen und um zu beurteilen, ob ein Weiterbetrieb von TXL bei etwaigen Kapazitätsengpässen am künftigen Hauptstadtairport BER in Schönefeld Abhilfe schaffen könnte.

Lütke Daldrup hatte den Besuch eigentlich verhindern wollen. Weil er findet, dass Tegel nichts mit dem Untersuchungsauftrag des BER-Ausschusses zu tun hat, sträubte er sich lange gegen den Wunsch des Parlaments. Widerwillig lud er die Abgeordneten schließlich trotzdem ein, führte sie und ihre Mitarbeiter zwei Stunden lang durch die Katakomben des Flughafens – vorbei an alten Rohren, staubigen Kabeltrassen, vergilbten Schaltplänen, rostigen Ventilen und Heizanlagen, die, so Lütke Daldrup, „eigentlich ins Technikmuseum gehören“.

Seine Botschaft war eindeutig: Ja, Tegel funktioniert, aber eben nur noch gerade so. An vielen Ecken und Enden quietsche es. Wolle man den Flughafen dauerhaft offen halten, müsse man ihn grundlegend sanieren. Und das würde teuer werden.

Für Notstromaggregate gibt es keine Ersatzteile mehr

Lütke Daldrup vertritt damit die Auffassung der rot-rot-grünen Regierungskoalition. Obwohl die Berliner im Rahmen eines Volksentscheides für die Offenhaltung Tegels gestimmt haben, steht der Senat zu seinem Beschluss, TXL zu schließen, sobald der BER in Betrieb geht. Nach aktuellem Plan soll das im Oktober 2020 geschehen. Investitionen in Tegel, die über das Nötigste hinhausgehen, lehnt Lütke Daldrup deshalb ab, wie er am Beispiel der Notstromversorgung erklärte.

„Bei den zwei Aggregaten handelt es sich um französische Schiffsdieselmotoren, die hier seit den 70er-Jahren stehen“, sagte er. Eigentlich seien sie viel zu alt, nicht einmal Ersatzteile gebe es noch für sie. „Solange sie aber noch funktionieren, werden wir keine neuen kaufen. Erst wenn etwas kaputtgeht, müssen wir uns eine Übergangslösung überlegen, damit Tegel betriebsfähig am Netz bleiben kann.“ Auf ähnliche Art hat die Flughafengesellschaft in den vergangenen Jahren vereinzelte Modernisierungen vorgenommen. Notwendig wurde etwa die Erneuerung der Trinkwasser- und Hydrantenleitungen, sie schlug mit 1,7 Millionen Euro zu Buche.

Die Instandsetzung der Start- und Landebahnen sowie des Rollfelds in diesem Jahr kostete 2,3 Millionen Euro. „Fakt ist aber, dass diese Maßnahmen für einen dauerhaften Weiterbetrieb des Flughafens nicht ausreichen“, so Lütke Daldrup. Wollte Berlin Tegel langfristig am Netz lassen, müsste man den Flughafen grundsanieren. „Das würde uns 1,1 Milliarden Euro kosten. Und weil wir dann statt der Anforderungen des Alliiertenrechts moderne Baustandards erfüllen müssten, würde sich die Kapazität Tegels wohl halbieren.“

Streit über die Deutung des Gehörten und Gesehenen

Die Abgeordneten beurteilten das Dargebotene und Gezeigte höchst unterschiedlich, schon während des Rundgangs diskutierten sie um die Deutungshoheit. In der abschließenden Pressekonferenz wurde deutlich: Einen wirklichen Mehrwert im Sinne der BER-Untersuchungen konnten die Ermittler kaum aus dem Rundgang ziehen. Vielmehr stritten sie sich um das Für und Wider einer Offenhaltung Tegels, bisweilen wirkte es, als hätten sie an unterschiedlichen Führungen teilgenommen.

„Der Besuch hat uns gezeigt, wie marode die Technik ist“, sagte SPD-Obmann Jörg Stroedter. „Tegel muss geschlossen werden, sobald der BER eröffnet.“ Ähnliche Töne schlugen die Vertreter von Linkspartei und Grünen an. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja hingegen setzte zum Loblied auf Tegel an: „Die Zeit der Märchen ist vorbei, die Besichtigung hat deutlich gezeigt, dass der Flughafen-Chef TXL absichtlich schlecht- und kaputtredet.“

Stroedter bezichtigte Czaja daraufhin des Populismus, sprach von „Comedy“. Czaja wies das entschieden zurück, verwies darauf, dass komplette Gepäckbänder ungenutzt herumstünden, dass das Kofferchaos inszeniert sei. Die nächste Sitzung des BER-Ausschusses ist für den 23. November angesetzt. Als Zeuge wird unter anderem Ex-Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn aussagen.

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