Reinickendorf
Freiwillige Feuerwehr

Feuerwehr Tegelort wartet weiter auf Neubau

Der Neubau war schon versprochen, aber jetzt fließen die Mittel nach Grünau. CDU kritisiert Begründung als „fadenscheinig“.

Marianne Knoll (v.l.), Hans-Christian Knoll und Alwin Mayer vom Förderverein sowie Stephan Schmidt sind enttäuscht, dass ihre Wache wieder nicht saniert wird

Marianne Knoll (v.l.), Hans-Christian Knoll und Alwin Mayer vom Förderverein sowie Stephan Schmidt sind enttäuscht, dass ihre Wache wieder nicht saniert wird

Foto: Janine Richter

Berlin-Reinickendorf. Eigentlich war geplant, die marode Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Tegelort bald durch einen Musterneubau zu ersetzen. Rund 3,65 Millionen Euro an Mitteln aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (Siwana) waren dafür veranschlagt. Die Vorfreude in Tegelort war riesig. Noch am 8. Oktober besuchte auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) die Wache an der Friederikestraße, um sich diese anzuschauen. Marianne Knoll, Erste Vorsitzende des Fördervereins der FF Tegelort, hatte ihn eingeladen. „Ich hatte den Eindruck, dass er verstanden hat, dass hier alles zu eng ist und wir so nicht arbeiten können“, sagt Knoll.

Jetzt ist sie „menschlich wahnsinnig enttäuscht“. Denn am 26. Oktober wurde in einem Senats-Lenkungsgremium entschieden, dass die Maßnahme gestrichen wird und die Gelder dem Neubau der Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Grünau zugute kommen. „Ich dachte immer, ich habe Menschenkenntnis. Herr Geisel hat uns versichert, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass die Mittel nicht wegfließen. Man hat mir das Rückgrat gebrochen“, sagt Knoll, die seit 2007 ehrenamtlich für die Feuerwache kämpft und weint.

Umwidmung war bereits mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH abgestimmt

Geschehen ist die Umwidmung auf Initiative von Staatssekretär Klaus Feiler. Er hatte den Antrag ins Gremium eingebracht. Staatssekretärin Sabine Smentek, die der Senatsinnenverwaltung untersteht, hatte ihm dies bereits am 13. September vorgeschlagen. Der Brief liegt der Berliner Morgenpost vor. Es wird argumentiert, dass noch eine „Grundstückserweiterung bzw. Beschaffung“ für den Neubau in Tegelort erforderlich sei und die verlegten Versorgungsleitungen geprüft werden müssten. Zudem seien mit der Denkmalpflege Abstimmungen zum Thema Ensembleschutz erforderlich. Wegen des hohen Sanierungsstaus könnten die Mittel „zügiger“ nach Grünau abfließen, heißt es. Die Umwidmung sei bereits mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (Bim) als Gebäudemanager abgestimmt. „Herr Geisel muss das doch gewusst haben, als er bei Kaffee und Kuchen mit uns zusammensaß“, sagt Knoll.

Gebäude ist marode und für die Fahrzeuge zu schmal

Die FF Tegelort hat 27 aktive Kräfte. Sie rücken zu Einsätzen in Konradshöhe, Tegelort und Heiligensee aus. Das Gebäude, das 1920 gebaut und zuletzt 1974/1975 erweitert wurde, ist nach Meinung der Kameraden „marode“ und unzureichend gedämmt. Die Halle sei für die Fahrzeuge zu schmal und die Decke zu niedrig, wenn man ein- und ausfahre. Das Rangieren und Ein- und Ausklappen der Spiegels koste bei Einsätzen wertvolle Zeit. Die durchschnittliche Ausrückzeit liege hier nicht wie berlinweit bei drei, sondern bei fünf bis sechs Minuten, erzählt Wehrleiter Gordian Scholz. Es gebe auch keine nach Geschlechtern getrennte Umkleideräume und Toiletten - weder bei den älteren noch bei der Jugendfeuerwehr mit 24 Mitgliedern. Deshalb gebe es bei der Jugend einen Aufnahmestopp.

Laut Bim liegt der Sanierungsstau in Tegelort bei rund 650.000 Euro. Kürzlich wurde deshalb die Zwischendecke erneuert. Sechs Jahre wartete man in Tegelort darauf. Bald soll das Bootshaus aus anderen Mitteln saniert werden.

"Ein Affront gegen den Bezirk Reinickendorf"

Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) hat kein Verständnis für die Entscheidung. „Dass Abstimmungsbedarf bezüglich des Denkmalschutzes besteht, ist einfach nicht richtig. Es gibt dort keinen Ensembleschutz“, sagt Balzer. Sein Tiefbauamt habe alle Unterlagen für die Leitungen zur Verfügung gestellt. Der Wahlkreisabgeordnete Stephan Schmidt (CDU) wird deutlicher: „Es gibt keine Rechtfertigung für diese Verschiebung. Das sind alles Dinge, die man kurzfristig klären kann“, sagt er. Er hält dies für eine politische Entscheidung. „Man will die Mittel lieber in Grünau verbauen, wo es einen SPD-Bezirksbürgermeister gibt“, kritisiert Schmidt. Die „fadenscheinige Begründung“ sei einfach auffällig und ein „Affront gegen den Bezirk Reinickendorf“.

Wie ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung zum Fall schreibt, habe Geisel bei seinem Besuch betont, dass ein Neubau „dringend notwendig“ sei. Der Vorgang in Tegelort habe etwas mit der Förderlogik der Siwana-Mittel zu tun. Die Gelder fließen in Projekte, „die unmittelbar baureif sind“. Dies sei in Tegelort im Moment nicht der Fall. Die Innenverwaltung gibt zu, dass tatsächlich kein Abstimmungsbedarf mit dem Denkmalamt bestünde und auch die Leitungspläne vom Tiefbauamt Reinickendorf vorlägen. Durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) werde jedoch derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt, ob die vorhandenen Leitungen überbaut oder verlegt werden müssen. „Erst nach Klärung der Leitungssituation kann die Grundstücksübertragung durch die Bim in die Wege geleitet werden“, heißt es. Neue Mittel könnten durch den Senat voraussichtlich im Frühjahr des Jahres 2019 bereitgestellt werden.

Der Vorwurf des CDU-Abgeordneten sei „Unsinn“. Der Innensenator sorge „unabhängig von Bezirksgrenzen und Parteibüchern“ für die Sicherheit in Berlin. Eine Erklärung, warum der Senator beim Kaffeetrinken die Mittelstreichung nicht erwähnte, bleibt der Sprecher schuldig. Es bestehe aber kein Grund „menschlich wahnsinnig enttäuscht“ zu sein.