Reinickendorf
Leben

Die DLRG Reinickendorf sucht Spender für neues Rettungsboot

Lebensretter brauchen Hilfe – einen Aufruf gibt es beim Hertha-Spiel im Olympiastadion.

Die DLRG-Rettungsschwimmer Franziska Hildner (l.) und Felix Bülk zeigen, wie im Eis eingebrochene Menschen geborgen werden

Die DLRG-Rettungsschwimmer Franziska Hildner (l.) und Felix Bülk zeigen, wie im Eis eingebrochene Menschen geborgen werden

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Da steht es nun, das Boot der DLRG Reinickendorf. Eingepackt auf einem Anhänger direkt am Tegeler See. Die Saison ist vorbei, der Winter wird für eine Motorwartung und einen neuen Farbanstrich genutzt, damit das Boot im Frühjahr wieder zu Wasser gelassen werden kann. Doch eigentlich ist es dafür zu alt. Mit seinen 20 Jahren ist „Bammelecke“ zwar noch in gutem Zustand, entspricht aber nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die ehrenamtlichen Helfer sind auf der Suche nach einem neuen Boot und wegen der hohen Kosten dringend auf Spenden angewiesen.

„Bei einem neuen Boot müssen wir mit circa 70.000 Euro rechnen, inklusive Abdeckplane und Anhänger“, überschlägt Bezirksleiter Thiemo Klawa. Die Schale habe eine Standardform, doch der Innenausbau werde individuell angefertigt. „Das ist auch nötig. Wir haben jetzt kaum Platz, müssen uns bei Einsätzen arrangieren“, sagt Klawa. Mit Bootsführer, Funker, zwei Rettungsschwimmern und einem Sanitäter sind bis zu fünf Personen an Bord. Im Notfall müssen sich alle dort umziehen. Doch einen trockenen Stauraum gibt es dafür bislang nicht – der vorhandene wird für Einsatzmaterial genutzt. „Wir verstauen unsere Kleidung in wasserfeste Säcke“, sagt der Bezirksleiter. Diese Säcke lägen dann im vorderen Teil des Bootes, was sehr ungünstig sei. Das neue Boot wäre größer und hätte vorne sowie hinten Stauraum.

Wesentlich wichtiger ist aber das Material. Besteht das jetzige Boot aus einem aus Glasfaser verstärktem Kunststoff, wäre das neue aus Aluminium. „Wenn wir nachts rausfahren und einen im Wasser treibenden Ast übersehen, dann beschädigen wir das Boot“, sagt Klawa. Im schlimmsten Fall wäre ein Loch in der Bootswand. Damit die Rettungskräfte die gekenterten Personen aus dem Wasser nicht mehr über die Wand ziehen müssen, hätte das neue Einsatzboot vorne zudem eine Hydraulikklappe, die direkt auf dem Wasser aufsetzt.

Kann nicht das alte Boot verkauft und das Geld für den Kauf des neuen genutzt werden? „Nein, leider nicht“, sagt der 29-jährige Bezirksleiter Klawa. Der Grund: Es stehen nur zwei Boote zur Verfügung – das eine 20 Jahre alt, das andere zwölf. Da die individuelle Anfertigung einige Monate dauert, gebe es nur ein Boot und das sei nicht erlaubt. Also erst ein neues kaufen, dann das alte verkaufen.

700 Mitglieder zählt die DLRG Reinickendorf, 11.000 sind es in ganz Berlin, mehr als die Hälfte der Mitglieder ist unter 27 Jahre alt und regelmäßig auf den 26 Rettungsstationen auf den Berliner Gewässern im Einsatz, um Bootsführern bei technischen Problemen zu helfen, gekenterte Segler zu bergen und Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Eine wichtige Aufgabe des DLRG ist die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Finanziert wird das zum überwiegenden Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Allein für die Betriebskosten der Wasserrettungsstationen und der Boote sowie die Ersatzbeschaffung der erforderlichen Rettungsdienstausstattung müssen pro Jahr 640.000 Euro aufgebracht werden. Die öffentliche Hand beteiligt sich mit 92.000 Euro. Um so wichtiger ist die Unterstützung der Berliner.

Beim heutigen Heimspiel gegen Leipzig im Olympiastadion wird Hertha BSC die Fans zu Spenden für das neue Wasserrettungsboot in Reinickendorf aufrufen. Mit einem neuen, leistungsstärkeren Boot würden die Retter auf dem Tegeler See und der Oberhavel in Zukunft wesentlich schneller vor Ort sein. Denn gerade im Wasser zählt jede Sekunde.