Reinickendorf
Märkisches Viertel

Junge erschlagen - Entsetzen über Alter des Täters

Anwohner trauern um Ibrahim und verstehen nicht, wie ein Zehnjähriger den Baumstumpf auf den Gehweg werfen konnte.

Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin. Auch zwei Tage nach dem Tod des achtjährigen Ibrahim kommen viele Menschen an die Unglücksstelle an der Tiefenseer Straße im Märkischen Viertel, um Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden. Die Anteilnahme ist nach wie vor groß. „Ich kann es immer noch nicht fassen: Am Sonntag habe ich noch mit ihm gesprochen und jetzt ist er plötzlich weg“, sagt ein 14-Jähriger. Er ist mit seinem Fahrrad unterwegs, hält genau an der Stelle, an der der Birkenstamm Ibrahim auf den Kopf gefallen ist. „Schauen Sie, hier ist es passiert“, sagt er leise. In den Platten auf dem Gehweg vor dem 15-stöckigen Hochhaus sind Risse zu sehen. Man kann nur erahnen, mit welcher Wucht der Baumstamm den Jungen getroffen haben muss.

Der 14-Jährige wohnt selbst in dem Hochhaus, ist mit dem Cousin des Opfers gut befreundet, der zum Unfallzeitpunkt hinter dem Achtjährigen auf Fußhalterungen an der Achse des BMX-Rades stand. „Ibrahim war oft dabei. Jetzt kann er es nicht mehr“, so der 14-Jährige. Er schweigt, schaut nachdenklich auf die vielen Kerzen und Blumen, dann nach oben in Richtung der vielen Fenster und Balkone. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass es passiert ist.“

Das kann kein Anwohner. Jeder, der zu der Unglücksstelle kommt, ist fassungslos. Ganz besonders, seitdem sie wissen, dass es ein zehnjähriges Kind war, das das massive Holzstück auf den Gehweg geworfen hat, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

„Ich verstehe nicht, wie ein Kind das geschafft haben soll“, sagt eine Anwohnerin. Der Baumstamm müsse doch „wahnsinnig schwer“ gewesen sein. „Wie kann ein Kind in dem Alter das große Stück hochhieven und aus dem Fenster werfen?“ Sie vermutete jemanden, dem die täglich spielenden Kinder ein Dorn im Auge sind. Es könne nämlich auch mal laut werden auf dem Platz zwischen den vielen Hochhäusern. Die Antwort auf die Frage, wie der Zehnjährige den Baumstumpf anheben konnte, wollte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das Alter des Jungen nicht geben. Fest steht nur: Das Kind hat es geschafft, den Birkenstamm von einem öffentlich zugänglichen Bereich des Hauses nach unten zu werfen. Doch wie er an das „Tatwerkzeug“ gelangt war, ist noch unklar. Hausbewohner erzählen, dass der Birkenstamm schon seit längerer Zeit im Hausflur gelegen hat und Jugendliche ihn als Sitz genutzt haben.

Anwohner befürchtet hitzige Stimmung im Kiez

Dass etwas aus einem der zahlreichen Fenster fällt, ist nach Angaben der dort lebenden Menschen nicht ungewöhnlich. Es käme oft vor, dass Spielzeug oder mit Wasser gefüllte Luftballons auf die Straße fliegen. Die Werfer würde nie jemand sehen, zu schnell seien die Fenster danach geschlossen. Wahrscheinlich war auch der Wurf des Holzstammes ein Dummer-Jungen-Streich. Nur hatte der ein tragisches Ende.

Bevor der zehnjährige Junge seine Tat gestanden hat, stand ein Zwölfjähriger unter Verdacht. Der Cousin des zunächst Verdächtigten erinnert sich noch genau, als er davon erfahren hat. „Ich stand unter Schock. Ich dachte nur, wenn das jetzt stimmt, dann müssen wir sofort unsere Koffer packen und hier wegziehen.“ Das empfiehlt er auch der Familie des Täters. „Die tschetschenische Familie des toten Jungen ist sehr nett. Ich habe nie gehört, dass es mit ihnen Probleme gibt. Aber in dem Fall weiß ich nicht, wie die Familienangehörigen reagieren“, sagt der Anwohner und ergänzt: „Besonders, wenn sie erfahren, wer für den Tod verantwortlich ist.“ Der Mann befürchtet, dass es in dem Kiez schon in einigen Tagen sehr unangenehm werden könnte. Am Dienstag war die Polizei für diesen Fall mit zwei Wagen vor Ort.

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