Reinickendorf
Öffentliches Grillen

Es werden vorerst keine offiziellen Grillplätze entstehen

Die FDP möchte eine öffentliche Fläche, um illegales Grillen zu vermeiden. Laut Bezirksamt gibt es angeblich keine Interessenten.

David Jahn und Mieke Senftleben (FDP) fordern eine öffentliche Grillfläche, um illegales Grillen zu vermeiden

David Jahn und Mieke Senftleben (FDP) fordern eine öffentliche Grillfläche, um illegales Grillen zu vermeiden

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf.  Es sich im Sommer im Park mit Familie und Freunden gemütlich machen und dabei ein paar Leckereien auf den Grill legen. Dass ist in einigen Bezirken möglich, in Reinickendorf ist es seit dem Jahr 2000 verboten - zu viel Müll, Lärm und zu hohe Reinigungskosten waren die Gründe. Zwar ist die Grillsaison für die meisten schon vorbei, aber die FDP-Fraktion setzt sich dafür ein, dass zumindest im kommenden Jahr die Menschen im Bezirk legal grillen können. Das Pilotprojekt soll im Kienhorstpark starten.

"Dort leben viele Menschen ohne Garten, denen wir so eine Möglichkeit zum Grillen geben wollten", sagt die Fraktionsvorsitzende der FDP, Mieke Senftleben. Angedacht sei dafür eine Fläche mit feuerfestem Behälter und eine Feuerstelle mit eingebautem Rost. So solle einer möglichen Vermüllung und durch Einweggrills vorbeugt werden, heißt es im Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom Januar 2018. Das war der Plan. Das Bezirksamt startete daraufhin ein Interessenbekundungsverfahren, um mögliche Betreiber zu finden. "Darauf hat sich aber niemand gemeldet", sagt Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Das Pilotprojekt scheint gestorben.

FDP-Fraktion zweifelt Ausschreibung des Bezirksamtes an

Damit zufrieden geben wollen sich Mieke Senftleben und ihr Kollege David Jahn nicht. Sie sehen den Beschluss der BVV schlicht und ergreifend nicht umgesetzt. "Es sollten beispielsweise mehrere Flächen neben dem Kienhorstpark angegeben werden. Stattdessen war plötzlich in der Ausschreibung von der Malche die Rede", sagt Senftleben verdutzt. Weil die Fraktionsvorsitzende genau nachvollziehen wollte, warum sich kein Bewerber gemeldet hat, hat sie beim Bezirksamt Akteneinsicht eingefordert. Und stößt ihrer Meinung nach auf ein Kuriosum. "Erst werden die Kosten für eine Fläche von 250 Quadratmetern ermittelt – der Preis läge bei 750 Euro pro Jahr. In der Ausschreibung ist dann von 400 Quadratmetern und 800 Euro im Monat die Rede“, sagt Senftleben, „das macht doch niemand mit.“ Die Fraktion vermutet, dass die Grillflächen vom Bezirksamt nicht gewollt sind.

"Ausschreibung von vier Wochen reicht nicht"

Katrin Schultze-Berndt erklärt, dass die FDP-Fraktion in einen gewöhnlichen Arbeitsprozess Einblick hatte. „Das Grünflächenamt hat die Kosten für 250 Quadratmeter kalkuliert, im nächsten Schritt aber das Facility Management um einen fachkundlichen Rat gebeten“, sagt Schultze-Berndt. Und die Fachleute sähen eben 400 Quadratmeter für realistisch – und für die würden sich die Kosten auf 800 Euro pro Monat betragen. Das sind die finalen Kosten, die dann auch im Interessenbekundungsverfahren aufgeführt waren, auf das sich vier Wochen lang jemand hätte melden können. "Viel zu wenig Zeit", findet Senftleben.

Bürger möchten keine Grillfläche im Kienhorstpark

Und warum ist - wie beschlossen - keine Fläche im Kienhorstpark im Ortsteil Reinickendorf und stattdessen im Freizeitpark an der Malche in Tegel aufgeführt? "Das liegt daran, dass es viel Widerstand seitens der dort lebenden Bürger gegeben hat. Wir möchten sie nicht mit den Sorgen konfrontieren", sagt Schultze-Berndt. Sorgen seien eben Lärm- und Rauchbelästigung und der Müll. Außerdem habe man an der Malche bereits Erfahrung mit einem Grillplatz gemacht.

Thema soll noch einmal in die BVV eingebracht werden

Mieke Senftleben und David Jahn werden das Thema nochmals in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen. "Wir möchten wildes Grillen vermeiden", sagt Senftleben, die sich vorstellen kann, dass ein Pächter unter anderem Grills vermietet und selbst dafür sorgt, dass die Fläche sauber bleibt. Doch bis es soweit kommt, muss erst jemand gefunden werden, der die Grillfläche betreiben möchte.

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