Reinickendorf
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Auszeichnung

Reinickendorf vergibt Bauherrenpreis für gelungene Projekte

Der Bezirk zeichnet Bauherren für die Pflege des Stadtbildes aus. Wir besuchten drei Preisträger in Hermsdorf und Lübars.

Auszeichnung mit Bauherrenpreis: Sibyll Günther mit ihren Kindern Enna (12) und Edgar (7) vor dem 2016 fertig gestellten, neumodischen Wohnhausbau in Hermsdorf

Foto: Janine Richter

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Reinickendorf. Private Bauherren, Kitas und Wohnungsbaugesellschaften konnten Jubeln: Zum 14. Mal hat der Bezirk Reinickendorf seinen Bauherrenpreis vergeben. Der Bezirk ist der einzige Berlins, der alle zwei Jahre mit einer solchen Auszeichnung „das besondere und erwähnenswerte Engagement der beteiligten Bauherren“ an Bauprojekten würdigt. Insgesamt wurden in diesem Jahr fünf Bauherrenpreise und fünf Belobigungen ausgesprochen. Alle Bauprojekte wurden in den Jahren 2016 und 2017 fertiggestellt. Eine fachkundige Jury unter der Leitung der Architektin Diana Hasler ermittelte die Gewinner.

Bei der feierlichen Preisübergabe in der Humboldt-Bibliothek würdigte Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) die Bauvorhaben: „Durch Ihr vielfältiges Engagement haben Sie sich um das Stadtbild Reinickendorfs verdient gemacht. Sie tragen damit ihren Teil für ein lebenswertes und attraktives Reinickendorf bei“, sagte Balzer. In den vergangenen Jahren ist dieser Preis mittlerweile 140 Gebäuden, Außenanlagen und städtebauliche Initiativen verliehen worden.

Mutiger, futuristischer Wohnbau in Hermsdorf

Mathias Deul und Sibyll Günther aus Hermsdorf wurden für ihren Wohnungsneubau am Zieselweg 5a geehrt. Vor dem futuristischen, kubenartigen Neubau spielen gerade die Kinder der Familie Fußball im Garten. „Wir waren von den Randbedingungen her sehr eingeschränkt und wollten keine klassische Bauart, sondern wählten etwas Geradliniges“, erzählt Sibyll Günther.

Das Grundstück sei insgesamt nur 500 Quadratmeter groß. In zweiter Reihe durften sie nur 20 Prozent der Fläche bebauen. Das Obergeschoss durfte nur Zweidrittel der Untergeschossfläche betragen. Doch statt eines Bungalows mit Satteldach, wurde es ein Haus in L-Form. „Wir haben flächenmäßig optimiert, wo es nur ging. Und wollten etwas Schickes mit viel Fensterfläche.“ Seit 2011 hat das Paar mit dem Büro Patalab Architecture am Haus geplant und viele künstlerische Entwürfe gesichtet. Gerne hätten sie auch den oberen Baukörper noch mit Holz verkleidet. „Am Ende mussten wir aber aus wirtschaftlichen Gründen vernünftig sein“, erzählt Günther.

Als der Bau im Mai 2016 fertig wurde, seien die Nachbarn zuerst wegen der Farbe, der Bauhöhe und Dichte „sehr schockiert“ gewesen. „Heute haben wir zum Glück ein wunderbares Verhältnis.“ Die Jury des Bauherrenpreises würdigte genau diesen Mut: „Das klassische Einfamilienhausthema - eingeschossig mit Dach - wurde mit diesem Bauvorhaben neu interpretiert“. Die „Bauhaus-Anklänge“ sprächen für „Mut, neue und individuelle Wege zu gehen“. Die auffällige Farbgestaltung setze Akzente ohne aufgesetzt oder aufdringlich zu wirken. „Die Auszeichnung freut uns nun sehr, gerade weil der Bau derart polarisierend ist“, sagt Günther.

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Lübarser Bauernhof denkmalgerecht saniert

In Lübars hat sich Familie Zeihe kürzlich ihren Lebenstraum erfüllt. Alexander und Johanna Zeihe kauften im Januar 2016 die alte, 1,2 Hektar große Bauernstelle der alt-eingesessenen Familie Rathenow an der Straße Alt-Lübars 10-11. Lübars ist das einzige erhalten gebliebene Dorf innerhalb der Stadtgrenzen Berlins. Das gesamte Ensemble sowie dieser Hof mit seinen Gebäuden im Einzelnen sind denkmalgeschützt. Dementsprechend hoch waren die Auflagen, um das Wohnhaus, das Landarbeiterhaus, den Stall, die Scheune und die Remise zu sanieren.

Im März 2016 ging es los. „Wir hatten Lust, dieses Denkmal zu erhalten und es ganz bewusst gekauft“, erzählt Johanna Zeihe. „Bei der Sanierung haben wir immer eng mit dem Denkmalamt zusammengearbeitet.“ Sie und ihre zwei Töchter Mathilde und Margarete heißen mit zweitem Vornamen „Sophie“, weshalb der Hof zukünftig „Sophienhof“ heißen wird.

Die Familie lebt im Erdgeschoss des kernsanierten, neu verputzten Wohnhauses, die entstandenen Ferienwohnungen im ehemaligen Rosswerkschuppen werden vermietet, die 250 Quadratmeter große Scheune ist heute ein mietbarer Eventraum für bis zu 100 Personen. Das Landarbeiterhaus, Hausnummer 10, soll ebenfalls langfristig vermietet werden. In der Zwischenzeit ist es der Drehort für die ARD-Serie „Die Eifelpraxis“. „In der Scheune planen wir noch ein Tonstudio für eine Mittelalter-Band auszubauen“, verrät Alexander Zeihe.

Mehr als 150 Jahre bewirtschaftete die Familie Rathenow den Hof. „Bis auf das Haupthaus war am Schluss alles ungenutzt, aber die Bausubstanz sehr ordentlich“, erzählt Alexander Zeihe, der die Bauleitung übernahm. Das Bezirksamt lobte die Erhaltung der historischen Bausubstanz und den denkmalgerechten Umgang mit der dörflichen Hofanlage. Dies sei ein „Beitrag zur Zukunft der Gehöfte im Dorf Lübars“, hieß es in der Begründung. Die Familie wurde mittlerweile herzlich in der Dorfgemeinschaft aufgenommen.

Kita-Neubau schützt Nachbarn vor „Kinderlärm“

Auch der neu gebaute Forscherkindergarten „Rotbuche“ an der Berliner Straße 50 in Hermsdorf wurde mit dem Bauherrenpreis ausgezeichnet. Die Stiftung Pro Gemeinsinn GmbH betreibt hier eine Kita mit 81 Kindern. Die Jury lobte besonders die Einbettung der 1,6 Millionen Euro teuren Kita in die Nachbarschaft. Mit dem Bau und der Gestaltung der Außenanlage gelänge „eine weitgehende Abschirmung des Kinderlärms zur benachbarten Wohnbebauung“, hob das Amt hervor.

Und das nicht ohne Grund: Ein Nachbar hatte einst gegen die Kita mobil gemacht. „Wir haben den Spielplatz extra abgesenkt, Mauern erhöht, um mit den Nachbarn gut auszukommen“, erzählt Geschäftsführerin Anne-Kathrein Zöllner. Dass alles dadurch teurer wurde, sei „undramatisch“ gewesen. „Ich freue mich total darüber, dass der Bezirk unser Engagement würdigt.“

Weitere ausgezeichnete Projekte

Von den vergebenen Preisen ging ein weiterer an den Wohnungsneubau des Projekts PW 14 Berlin an der Gorkistraße/Buddestraße 14 in Tegel, an die Wohnanlage der Gewiwo Berlin an der Techowpromenade 11/17 und an das Elisabethstift Berlin mit seiner denkmalgeschützten Umnutzung einer Stadtvilla als Kita und Familienzentrum an der Oranienburger Straße 204 in Wittenau.

Belobigt wurden auch die denkmalgeschützte Gesamtanlage der GSG-Höfe an der Lübarser Straße 40/46, die denkmalgerechte Sanierung der Siedlung Paddenpuhl der Deutsche Wohnen, die wohnliche Hofgestaltung der Bauherren Matthias Beetz und Mauf Beetz an der Schubartstraße 17 in Borsigwalde sowie die Einrichtung des Nachbarschaftscafés „Café Aline“ an der Straße Alt-Reinickendorf 29 im ehemaligen Polizeirevier.

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