Reinickendorf
Ingeus GmbH

Mit Arbeitsvermittlung zurück in ein geregeltes Leben

Die Reinickendorfer Firma Ingeus hilft Langzeitarbeitslosen und Alleinerziehenden zurück in den Arbeitsmarkt.

Manuela Edel hat Hilfe bei Holger Mordhorst von Ingeus gefunden. Er hilft ihr, wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen

Manuela Edel hat Hilfe bei Holger Mordhorst von Ingeus gefunden. Er hilft ihr, wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Manuela Edel kann wieder lachen. Und zwar aus vollem Herzen. Sie hat Spaß am Leben, und das sieht man der 43-jährigen Mutter einer Tochter an. Das war nicht immer so. Vor fünf Jahren ist sie arbeitslos geworden, ist in ein tiefes Loch gefallen. Mit viel Unterstützung seitens der Agentur für Arbeit und der Ingeus GmbH hat sie es geschafft, an Selbstvertrauen zu gewinnen und Mut zu haben, sich beruflich umzuorientieren.

"Ich bin gelernte Bürokauffrau, wollte immer alleine in einem Büro arbeiten und am besten mit niemandem reden", sagt Edel. Heute ein völlig anderes Bild. Sie lernt mit einer Inderin deutsch, kann sich sogar vorstellen, das beruflich zu machen. Dass sie genau daran Interesse hat und ihr der Umgang mit Menschen doch gefällt, weiß sie, seitdem sie bei Ingeus ist.

Die Firma unterstützt die Agentur für Arbeit, wird beauftragt, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Der Unterschied ist, dass wir wesentlich weniger Kunden haben als die Berater der Arbeitsagentur und dadurch mehr Zeit haben, um uns zu kümmern", sagt Helena Schwarz, Regionalleiterin bei Ingeus für Berlin-Brandenburg. Zum Vergleich: Während bei der Agentur für Arbeit auf einen Berater bis zu 500 Kunden kommen, sind es bei Ingeus 20.

Talente herausfinden und Selbstwertgefühl stärken

"Wir versuchen, den Druck zu nehmen, das Selbstwertgefühl zu stärken und herauszufinden, was die Talente sind", sagt Schwarz, "Arbeit muss auch Spaß machen, sonst ist unsere Arbeit nicht nachhaltig. Wir versuchen gemeinsam die Fragen zu beantworten: Was will ich vom Leben? Was passt zu mir? Was will ich? Was bin ich bereit zu tun?" Die Menschen müssen an sich glauben, sagt sie, es gebe kaum etwas, was nicht ginge. "Man kann auch noch mit 50 Arzt werden." Obwohl die Berater mehr Zeit haben, der Kernaspekt, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen, wird nie außer Acht gelassen. Neben den Beratungsgesprächen nehmen die Teilnehmer auch an Workshops teil wie Konfliktmanagement, Kommunizieren oder Entspannungsübungen.

Für ein Gespräch an die Tischtennisplatte

Bei Manuela Edel war es langer Weg. Angefangen hat alles vor fünf Jahren mit vielen Beratungs- und Bewerbungsgesprächen bei der Agentur für Arbeit - den Job hat sie aufgrund gesundheitlicher Probleme verloren. Dann ist sie über eine Jobmesse an Ingeus gekommen, besser gesagt an Holger Mordhorst. "Ich habe mich sofort wohl und verstanden gefühlt", erinnert sich Manuela Edel. Und genau das ist das Geheimrezept der Firma, die es seit 1989 gibt, weltweit tätig ist und seit fünf Jahren einen Sitz in Reinickendorf an der Holzhauser Straße hat. Sie schaffen eine angenehme, nahezu familiäre Atmosphäre, gehen mit den Kunden für ein Gespräch nach draußen oder spielen eine Partie Tischtennis im Büro. "Viele haben nur negative Erfahrungen gemacht, ständig Absagen auf ihre Bewerbungen bekommen. Wir müssen dann zunächst dafür sorgen, dass derjenige wieder ein positives Erlebnis hat", sagt Helena Schwarz.

Um Hilfe zu bekommen, müssen Menschen Bezüge erhalten oder arbeitssuchend sein

Deswegen ist die Tätigkeit des Beraters auch gleichzeitig eine soziale Arbeit. Denn spezialisiert sind die fünfzehn Berater auf Langzeitarbeitslose, Menschen jünger als 25 oder älter als 50 Jahre, Alleinerziehende und Flüchtlinge. In erster Linie werden die Kunden von der Arbeitsagentur an Ingeus vermittelt, es besteht aber auch die Möglichkeit, sich selbst an die Firma zu wenden. "Wichtig ist nur, dass die Menschen Bezüge bekommen und/oder arbeitssuchend sind", erklärt die Regionalleiterin. Finanziert wird die Hilfe von der Agentur für Arbeit.

Nach vielen Gesprächen haben Manuela Edel und ihr Berater herausgefunden, dass sie gerne mit Menschen arbeitet und gerne anderen die Sprache beibringt. Deswegen wird sie schon bald eine Prüfung machen, die sie dazu berechtigt. "Ich würde gerne mit Flüchtlingen arbeiten", sagt sie. Wenn alles weiterhin so gut klappt, wird sie das schon bald tun können.

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