Reinickendorf
Maiswürmchen

Knusprige Maisflips wie zu Ostzeiten

Zwei Reinickendorfer Unternehmer haben eine Marktlücke gefunden – aber „regional“ dürfen sie sich bisher noch nicht nennen.

Glutenfreie Maissnacks von der Reinickendorfer Firma Maiswurm – für Inhaber Michal Motylewski sind sie eine Erinnerung an die Kindheit

Glutenfreie Maissnacks von der Reinickendorfer Firma Maiswurm – für Inhaber Michal Motylewski sind sie eine Erinnerung an die Kindheit

Foto: Katrin Starke

Berlin.  „Maiswurm, das ist ganz klar eine Berliner Marke“, sagt Michal Motylewski. Der 43-Jährige und sein Geschäftspartner Piotr Malcher sind Berliner, ihr Unternehmen hat seinen Sitz in Reinickendorf. Ihr Lager an der Sterkrader Straße ist die logistische Drehscheibe, von der aus die Flips, die „Maisfinger“ oder die Mais- und Reisschnittchen ihren Weg in Lebensmittelmärkte in und um Berlin finden.

Und doch dürfen ihre Tüten mit den „Maiswürmchen“ in den diversen Geschmacksrichtungen von „Käse“ über „Bacon“ bis „Schoko“ und „Karamell“ nicht in den Regalen liegen, in denen Produkte aus der Region angeboten werden – was Motylewski ärgert. Denn noch werden die Mais-Snacks in Polen hergestellt, in der Fa­brik von Motylewskis Onkel. „Wir wollen aber Regionalanbieter werden“, sagt der Diplom-Kaufmann. Auf Dauer werde man in Deutschland produzieren. In der Hauptstadtregion. Das stehe bereits fest, „definitiv“. Konkreter könne er jetzt noch nicht werden.

In Reinickendorf besteht die Firma derzeit nur aus einem vierköpfigen Team. In Polen produzieren an die 30 Mitarbeiter die Maiswurm-Snacks. „Eine entsprechende Anzahl an Arbeitsplätzen wird dann natürlich auch hier entstehen, wenn wir unsere Produktion in den Berliner Raum verlagern“, sagt Motylewski. „Irgendwann werden die Namen von Piotr und mir das Einzige sein, was in unserer Firma noch polnisch klingt.“

Dabei sind es gerade die polnischen Wurzeln des in Grünberg geborenen Wahl-Spandauers Motylewski und des in Frohnau beheimateten Piotr Malcher, in denen die Geschäftsidee der Maiswürmchen begründet liegt. „Mich erinnert dieser Snack total an meine Jugend“, sagt Motylewski. Wenn er sich als Kind heimlich ein Stück Schokolade stibitzte, gab es schon mal ein kleines Donnerwetter. „Sofern es überhaupt mal Schokolade gab, damals in den 70er-Jahren.“ Doch Mais-Flips habe es immer gegeben. „Chrupki“, wie sie im Polnischen heißen. „Und wenn wir Kinder die tütenweise verputzt haben, gab es nie Ärger.“ Lediglich eine Sorte habe es damals gegeben, hergestellt nur aus Maisgries und Wasser. „Bis zur Wende gab es die auch überall in der DDR.“

Der Appetit auf Knabberzeug ist laut Statistik gewachsen

Oft habe er sie später seinen Kommilitonen aus seiner Heimat mitgebracht. Denn als Motylewski Anfang der 1990er-Jahre zum Wirtschaftsstudium nach Berlin kam, waren sie längt aus den Regalen der Supermärkte verschwunden. 2009, Motylewski war in einem Unternehmen der Lebensmittelbranche mittlerweile Niederlassungsleiter, kam er auf die Idee, „die Maisflips von früher in Deutschland neu zu beleben“. Sein damaliger Kollege Piotr Malcher war sofort Feuer und Flamme. Wohl auch im Wissen darum, dass man in Deutschland in einen wachsenden Markt stoßen würde. Denn der Appetit der Bundesbürger auf Süßigkeiten und Knabberzeug ist laut Statistikportal Statista in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Während allein mit salzigen Snacks 2003 noch 1,2 Milliarden Euro verdient wurden, seien es 2017 schon drei Milliarden Euro gewesen.

Malchers Tochter war es, die den Markennamen erfand. „Piotr und ich hatten eine Tüte unserer ersten eigenen Flips auf dem Tisch“, erzählt er, „da fragte die Kleine, was das denn für Würmchen seien?“ Die Geschäftspartner meldeten die Marke beim Patentamt an, 2011 starteten sie mit ihrer Firma Maiswurm durch. „Wir haben eine Nische belegt“, sagt Motylewski. Die Platzhirsche der Branche, deren Chips und Erdnusslocken rund 80 Prozent der Snack-Regale in den Supermärkten füllen, hätten kein vergleichbares Produkt. „Unsere Maiswürmchen sind gluten- und laktosefrei, enthalten keine Konservierungsstoffe oder künstliche Zusätze, werden weder gebacken noch frittiert“, sagt Motylewski. Produziert werde im Extrusionsverfahren – also mit Druck und Wärme. Zudem sei es in Polen verboten, gentechnisch manipulierten Mais zu verkaufen.

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