Berlin-Reinickendorf

Mieter in Tegeler Hochhaus wollen wegen Ratten ausziehen

Mieter der Gewobag-Siedlung in Tegel-Süd klagen seit Jahren über die Schädlinge, doch passiert ist bislang nichts.

Simone Stark (v.l.), Sandra Lemke und Felix Schönebeck wagen an der Neheimer Straße 4 einen Blick in  die Tonne

Simone Stark (v.l.), Sandra Lemke und Felix Schönebeck wagen an der Neheimer Straße 4 einen Blick in die Tonne

Foto: Janine Richter

Berlin.  Wenn Ralf Lemppin von seinem Balkon im zweiten Stock blickt, dann sieht er sie im Sekundentakt flitzen. „Zwischen dem Grünzeug und den Mülltonnen ist richtig Bewegung“, sagt er. Seit mehr als sechs Jahren lebt er in der Gewobag-Siedlung in Tegel-Süd im Hochhaus an der Neheimer Straße 4.

„Es war noch nie so schlimm mit den Ratten und ich überlege wirklich, ob ich wegziehen soll“, sagt er. Es bessere sich ja nichts. Nachbarin Simone Stark pflichtet ihm bei. Sie wohnt seit acht Jahren im Haus und bestätigt, dass es „dieses Jahr extrem“ sei. „Ich traue mich nicht mehr den Müll wegzubringen, weil sie einen aus der Tonne angucken und anspringen“, sagt sie.

An die Absprachen habe man sich nicht gehalten

Sandra Lemke, die sich bereits an der Neheimer Straße 12 für die Mieter eingesetzt hatte, weil dort die Rattenplage vor zwei Monaten unerträglich wurde, fühlt sich von der Wohnungsbaugesellschaft im Stich gelassen. „Sie haben nur einen Müllplatz betoniert, weil die Medien darüber geschrieben haben“, sagt das ehemalige Mieterbeiratsmitglied der Gewobag.

An die Absprachen des Runden Tisches bis Ende Mai umfangreichere Maßnahmen durchzuführen, habe man sich nicht gehalten. Erneut riefen die Mieter Felix Schönebeck zur Hilfe, der für die CDU im Gesundheitsausschuss sitzt. Nach einem Rundgang ist für ihn klar: „Nach vier Wochen ist in Tegel-Süd keinerlei Besserung eingetreten. Das Problem wird nicht gelöst, sondern verlagert“, sagt er. Der massive Rattenbefall vor Ort sei für die Mieter „völlig unzumutbar“. Die Gewobag und das Gesundheitsamt agierten „nur halbherzig“. Nur ein Müllplatz sei umgebaut worden.

Laut Gesundheitsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) bekämpfe die Hausverwaltung die Ratten „unvermindert“, aber es gäbe immer wieder neue Sichtungen von Rattenbauten. „Das entspricht allerdings während eines so massiven Befalls auch den Erfahrungen. Es braucht einige Zeit bis die Population auch sichtbar dezimiert ist“, sagt er. Die besondere Lage der befallenen Grundstücke erschwere die Maßnahmen. „Die Hausverwaltung kooperiert aus unserer Sicht vorbildlich und kümmert sich. Das Gesundheitsamt sieht daher aktuell keine Veranlassung, einzuschreiten“, sagt Brockhausen.

Gewobag: „Wir arbeiten sehr intensiv daran“

Auch die Gewobag Wohnungsbaugesellschaft betont Akutmaßnahmen durchgeführt und den Rattenbefall „an einigen Standorten“ minimiert zu haben. „Eine vollständige Beseitigung des Rattenbefalls wird nach Aussage des Schädlingsbekämpfers noch einige Zeit dauern“, sagt Sprecherin Anne Grubert. „Die unangenehme Situation für unsere Mieter ist uns bewusst. Daher arbeiten wir sehr intensiv daran, den Rattenbefall so schnell wie möglich zu beenden.“ In den vergangenen Wochen seien Schädlingsbekämpfer bis zu dreimal wöchentlich vor Ort gewesen.

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