Berlin-Reinickendorf

Hund tot: Erneut Verdacht auf Blaualgen im Tegeler See

Wieder ist ein Hund gestorben, der im Tegeler See gebadet hat. Letztes Jahr hatte es mehrere Fälle gegeben. Blaualgen waren der Grund.

Im vergangenem Jahr warnten Schilder am Tegeler See vor giftigen Blaualgen (Archivbild)

Im vergangenem Jahr warnten Schilder am Tegeler See vor giftigen Blaualgen (Archivbild)

Foto: Anikka Bauer

Reinickendorf.  Wieder ist ein Hund verstorben, der den Tag am Tegeler See verbracht hatte. Dies bestätigte Dr. Fred R. Willitzkat von den mobilen Tierärzte im Notdienst Berlin und Brandenburg der Berliner Morgenpost. Das Tier wurde in der Pathologie untersucht. Es besteht der Verdacht auf Blaualgen als Todesursache, warnen die Tierärzte auf Facebook. Hundebesitzer sollten vorsichtshalber mit ihren Tieren den Tegeler See meiden.

Im vergangenen Jahr waren mehrere Hunde nach einem Spaziergang am Tegeler See mit Vergiftungserscheinungen gestorben. Zu Beginn wurden ausgelegte Giftköder als Ursache vermutet. Später stellte sich heraus, dass eine neuartige Blaualgen-Gattung das Gift "Anatoxin A" produziert.

Vor allem für Kinder kann das Gift gefährlich werden, wenn sie größere Mengen verunreinigten Wassers trinken. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hatte daraufhin Anfang Juni eine vorsorgliche Badewarnung für den See ausgesprochen. Die Warnung wurde bis Anfang Juli aufrecht erhalten. Zu Beginn der diesjährigen Badesaison am 15. Mai bescheinigte das Lageso allen Berliner Gewässern bisher eine "sehr gute Badequalität".

Border Collie hatte im Tegeler See gebadet

Laut Dr. Fred R. Willitzkat sei der Border Collie ihm am Sonnabend, 12. Mai, mit Durchfall vorgestellt worden. Nach einer ersten Behandlung sei es dem Tier schon sehr viel besser gegangen. "Seine Symptomatik war sonst unauffällig", sagt der Arzt. Am Sonntag sei er dann plötzlich verstorben. Die Besitzer hätten ihn morgens tot aufgefunden. Abends sei er noch fidel gewesen. Das kam dem Tierarzt, der selbst nahe des Tegeler Sees wohnt, seltsam vor und er ließ das Tier in der Pathologie in Pankow untersuchen.

"Der Pathologe hat akute, massive Blutungen aus inneren Organen festgestellt – vor allem aus Milz und Leber", sagt Willitzkat. Gegen eine Vergiftung mit Rattengift spräche, dass der Hund keine Blutungen im Magen-Darm-Bereich hatte und auch im Magen keine Reste von Ködern gefunden wurden. Gegen andere Krankheiten spräche der akute Verlauf bis zum Tod.

Als die Ärzte erneut die Besitzer kontaktierten, stellte sich heraus, dass das Tier zuvor am Tegeler See gespielt hatte und baden war. "Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber verantwortungsbewusst will ich Hundebesitzer warnen, den Tegeler See auch dieses Jahr besser zu meiden – oder sie zumindest vom Wasser fernzuhalten", sagt Willitzkat. Die Tierhalter sollten besser die Badewanne im Garten vorziehen, bis geklärt sei, ob tatsächlich die Blaualge auch dieses Jahr im See vorkommt. "Wir haben bakterielle Proben genommen und untersuchen die jetzt. Sie könnten noch für die Blutung ausschlaggebend sein."

"Geringe Konzentration" im Tegeler See festgestellt

Laut einem Sprecher des Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sind alle Berliner Badestellen im Zeitraum 16. März bis 3. Mai auf die neuartige Blaualge untersucht worden. Man habe an den Badestellen des Tegeler Sees nur eine "geringe Konzentration" festgestellt, sodass "derzeit keine akute Gefährdung durch Blaualgenentwicklung" bestünde. Am Montag, 14. Mai, seien die Badestellen Reiherwerder, Scharfenberg und ein Bereich am Strandbad Tegel begangen worden. Es seien "keine Auffälligkeiten" bemerkt, aber Proben entnommen worden. "Die Untersuchungsergebnisse dieser Probeentnahme liegen noch nicht vor", sagt der Sprecher. An der anderen Uferseite (Saatwinkel etc.) würden planmäßig am Freitag, 18. Mai, Proben genommen.

Generell werde das Vorkommen neuer Blaualgen im Tegeler See seit diesem Jahr regelmäßig überwacht. Das Lageso informiere über die Überwachungsergebnisse und gäbe gegebenenfalls Warnhinweise.

"Präventiv sollten insbesondere Kinder den Kontakt mit Algenansammlungen und angeschwemmten Wasserpflanzen vermeiden. Hunde sollten angeleint werden", rät der Sprecher. Pflanzenansammlungen würden beräumt.

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