Reinickendorf
Ludwig-Lesser-Park

Sturmschäden in Frohnau bleiben bis Oktober

Im Ludwig-Lesser-Park stapeln sich nach den beiden Stürmen im Oktober entwurzelte Bäume. Der Bezirk will die Vogelbrut nicht stören.

Im Ludwig-Lesser-Park dienen entwurzelten Bäume inzwischen als Graffiti-Leinwand

Im Ludwig-Lesser-Park dienen entwurzelten Bäume inzwischen als Graffiti-Leinwand

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Die Lebensgefahr ist immerhin gebannt. Im Ludwig-Lesser-Park muss sich in diesem Frühling niemand mehr darum sorgen, dass Äste herabstürzen oder Baumriesen plötzlich umknicken. Risiken erkennen und beseitigen, das war für die Inspekteure des Grünflächenamtes nach den beiden Stürmen im vergangenen Oktober oberstes Gebot. Trotz der Aufräumarbeiten sind die Spuren der Stürme bis heute kaum zu übersehen. Gleich neben dem Spielplatz stapeln sich Buchen und Eichen, als hätten die Böen sie gerade erst umgeworfen. „Jetzt haben sich auch noch Graffiti-Sprayer darauf verewigt“, ärgert sich Hedwig Schultz, deren Enkel im Park Verstecken spielen. Sie fragt sich: „Kann man ein halbes Jahr nach dem Orkan nicht Ordnung schaffen?“ Auch Rudolf Wegner wundert sich, dass die Aufräumarbeiten im Lesser-Park vorzeitig zum Ende kamen. „Der Park hatte immer schon eine urige Atmosphäre. Aber das hier sieht aus, als habe man dem Unwetter ein Denkmal gesetzt“, sagt der Passant.

Tatsächlich werden die Stämme noch beseitigt, aber die Parkbesucher brauchen Geduld. „Wir wurden beim Aufräumen durch den Beginn des Rodungsverbots ab dem 1. März gestoppt“, sagte Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) in der Bezirksverordnetenversammlung auf Anfrage der FDP. Seit diesem Datum sei es nur in akuten Gefahrensituationen möglich, in die Vegetation einzugreifen. Es gehe darum, brütende Vögel zu schützen. „Bis zum Oktober fassen wir nichts mehr an“, bat die Stadträtin um Verständnis. Wann der Lesser-Park wieder im aufgeräumten Zustand zu sehen ist, könne man derzeit nicht sagen.

Fest steht, dass Reinickendorf bei den beiden Stürmen „Xavier“ und „Herwart“ mit über 1200 beschädigten Bäumen schwer betroffen war. 603 Bäume mussten damals gefällt werden, 469 erhielten Pflegemaßnahmen im Bereich der Baumkrone. „Wir haben zunächst dafür gesorgt, dass die Wege wieder passierbar sind und in ihrem Umfeld alles in Ordnung ist“, resümierte Schultze-Berndt. Aufräumarbeiten und Aufforstung werden nach ihrer Einschätzung mehr als eine Million Euro kosten. Die größten Schäden meldete Steglitz-Zehlendorf, wo man 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Zum Winter stellte der Berliner Senat 1,2 Millionen Euro bereit – 100.000 Euro für jeden Bezirk. Um die Verluste aufzuwiegen, zu wenig. In Reinickendorf erhofft sich das Bezirksamt, dass Spender die Aufforstung unterstützen.

Dem waldähnlichen Charakter des Lesser-Parks haben die Lücken im Bestand nicht geschadet. Die Geschichte des Grünzugs reicht zurück ins Jahr 1908, als er unter dem Namen „Erholungspark“ die ersten Besucher empfing. In den 30er-Jahren gab der Frohnauer Maler und SA-Truppführer Ernst-Schwartz dem Park seinen Namen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte die zweite Umbenennung – zum „Park der Roten Armee“, im Gedenken an Soldaten, die hier gefallen waren. Seit 1958 wird Ludwig Lesser namentlich gewürdigt, der als Gartenarchitekt Frohnau entscheidend prägte.

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