Reinickendorf
Mietvertrag unterzeichnet

Montessori-Schule in Heiligensee vorerst gerettet

Für die Schule wurde eine vorerst auf zwei Jahre befristete Zwischenlösung gefunden. Der Stiftungsvorstand hofft auf Hilfe vom Bezirk.

Montessori-Schule Heiligensee gerettet: Ahmet Bingöl, Inhaber des Wittenauer Dienstleistungsunternehmens „Bermatec“, vermietet sein Grundstück Trettachzeile 9/13 an die Montessori-Schule.

Montessori-Schule Heiligensee gerettet: Ahmet Bingöl, Inhaber des Wittenauer Dienstleistungsunternehmens „Bermatec“, vermietet sein Grundstück Trettachzeile 9/13 an die Montessori-Schule.

Foto: Janine Richter / BM

Tegel.  Die Montessori-Schule Heiligensee ist erst einmal gerettet. Ahmet Bingöl, Inhaber des Wittenauer Dienstleistungsunternehmens „Bermatec“ vermietet als Eigentümer das Grundstück Trettachzeile 9/13 in Tegel an den Schulträger. Wie die Berliner Morgenpost exklusiv erfuhr, wurde der Mietvertrag über zwei Jahre am vergangenen Dienstag unterzeichnet.

Die Zwischenlösung kam auf Initiative einer Mutter zustande, die bei der Firma Bermatec arbeitet und deren vier Kinder in die Montessori-Schule und Kita gehen. Christina Kypke wusste von dem Grundstück ihres Chefs und erzählte ihm von den Sorgen der Schule. Ahmet Bingöl wollte das Gelände eigentlich für den Wohnungsbau verkaufen. Entsprechende Pläne wurden kürzlich vom Bezirk vorgestellt. Doch als Ahmet Bingöl von den massiven Problemen der Schule erfuhr, legte er seine Ursprungspläne spontan auf Eis. „Es kann ja nicht sein, dass so viele Kinder im Sommer auf der Straße sitzen, wenn sie lernen wollen“, sagt er. Ihm sei Bildung sehr wichtig, da er selbst vier Kinder habe, von denen zwei schon studieren.

Schule hofft auf Bezirksamt

Auf der Trettachzeile 9/13 sollen im Sommer 2018 also Container stehen und der Schule ein provisorisches Dach über dem Kopf bieten. „Wir setzen jetzt auf die versprochene Unterstützung des Bezirksamtes“, sagt Montessori-Stiftungsvorstand Christian Grune. Auf dem gemieteten Gelände stehen noch alte Gebäude, die erst einmal abgerissen werden müssen. „Wir hoffen, dass wir die entsprechenden Genehmigungen zügig bekommen.“ Schul-Bezirksstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) hatte in den vergangenen Wochen immer wieder vor den Bezirksverordneten zugesichert, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Schule bei der Sicherung eines Standortes in Reinickendorf zu helfen.

Eltern, Schüler und Lehrer bangten zuletzt monatelang um die Existenz ihrer Schule. Nachdem im Herbst die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) das Miet- und Pachtangebot für das ehemalige Collège Voltaire in der Cité Foch zurückgezogen hatte, lief auch der zweimal verlängerte Mietvertrag für den aktuellen Schulstandort am Stolpmünder Weg aus. Der Bezirk braucht die Räumlichkeiten nach eigener Aussage für die Albrecht-Haushofer-Schule ab dem nächsten Schuljahr 2018/19. 180 Reinickendorfer Schul- und 25 Kita-Kinder sowie 50 Mitarbeiter und Lehrer der Montessori-Schule in Heiligensee hätten das Schulgebäude deshalb am 30. Juli verloren. Eine Schließung und Verteilung der Kinder über ganz Berlin war wahrscheinlich. Das ist jetzt erst einmal vom Tisch.

Suche nach Heimat geht weiter

„Dem Leitungsteam ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass wir eine Lösung gefunden haben“, sagt Schulleiterin Christiane Ostrin. „Es ist zwar nur eine Zwischenlösung, aber wir haben wieder Zeit gewonnen.“ Schüler, Eltern und Angestellte der Schule seien zuletzt „auf dem Zahnfleisch gekrochen“. Man sei nun in Gesprächen mit Container-Firmen, die demnächst ihre Angebote zuschicken. Auf 2000 von dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück sollen dann die Container-Schulräume stehen. Die Außenanlage werde mit Spielgeräten bestückt. Die Zwischenlösung sei „finanziell stemmbar“, aber der Umzug ein „Kraftakt“, sagt Ostrin. Parallel gelte es nun, eine endgültige „Heimat“ zu finden.

Auch die Elternvertreter sind über die Neuigkeiten „extrem erleichtert“, sagt Jochen Iseke. Leider gehe jedoch das Abenteuer weiter, endlich sesshaft zu werden. „Ein Schulbetrieb in Containern auf einem Grundstück in öffentlicher Diskussion ist keine perfekte Lösung.“ Er hoffe, auf gute Nachbarschaft und einen Dialog mit den Bewohnern der Trettachzeile. Vielleicht lasse sich gemeinsam „eine intelligente Lösung gegen die Gentrifizierungstendenzen“ finden. Ob Ahmet Bingöl der Schule über die zwei Jahren hinaus helfen kann“, werde sich zeigen.

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