Wohnungsbau in Berlin

Bund: Noch keine Klarheit über Altlasten am Flughafen Tegel

Die Eignung der Flächen ist derzeit noch ungewiss. Zur Beseitigung möglicher Altlasten stehen zwei Millionen Euro zur Verfügung.

Umfrage: Was Berliner über den Flughafen Tegel denken

Berlin vor der Entscheidung: Was soll aus Tegel werden? Wir haben die Berliner nach ihrer Meinung gefragt.
Mi, 11.10.2017, 15.54 Uhr

Umfrage: Was Berliner über den Flughafen Tegel denken

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Berlin.  Die Pläne der Landesregierung für die künftige Nutzung des Flughafengeländes in Tegel sind bekannt, nicht aber, wie stark der Boden dort mit Schadstoffen verseucht ist. Auch ist offen, ob noch Blindgänger im Untergrund lauern. "Aussagen zur Bodenbelastung können erst getroffen werden, wenn das Gelände außer Betrieb genommen und für Untersuchungen frei zugänglich ist", antwortete Jens Spahn (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, auf eine Anfrage der FDP im Bundestag. Kampfmittel seien auf Teilflächen entfernt worden, damit Flugzeuge gefahrlos starten und landen können, erläuterte Spahn. Bislang sei aber keine Aussage darüber möglich, ob die Flächen auch für den Bau von Wohnungen geeignet sind.

Der Flughafen Tegel soll sechs Monate nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld schließen. Die ist für Oktober 2020 geplant. Auf dem rund 460 Hektar großen Areal in Tegel sollen dann ein Forschungs- und Gewerbepark sowie Wohnhäuser errichtet werden. 159 Hektar des Geländes gehören Berlin, 302 Hektar dem Bund.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Meyer sagte zu Spahns Äußerungen: "Das zeigt, dass man auf Bundes- und auf Senatsseite nicht genau weiß, welche Kosten auf das Land noch zukommen. Das ist für uns alle komplett eine Blackbox." Die FDP macht sich seit Jahren dafür stark, den Flughafen Tegel nicht zu schließen. Jedem sei klar, dass nach Jahrzehnten des Flugbetriebs mit erheblichen Bodenbelastungen zu rechnen sei, sagte Meyer. Zu den möglichen Schadstoffen zählen das Flugbenzin Kerosin und Ammonium aus Enteisungsmitteln.

Am Schumacher-Quartier muss Boden ausgetauscht werden

Nach Bodenverunreinigungen auf dem Gelände des Flughafens Tegel hatte sich im Sommer vergangenen Jahres auch Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, erkundigt. Aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf seine parlamentarische Anfrage geht hervor, dass auch die Landesregierung noch keinen Gesamtüberblick hat. Zwar habe die Flughafengesellschaft viele Einzel-Altlasten schon beseitigt. Historische Untersuchungen und Bodenproben wiesen jedoch auch auf großflächige potenzielle Risiken hin, hieß es dort. Beim geplanten Wohngebiet Schumacher-Quartier muss demnach voraussichtlich der Boden ausgetauscht werden.

Die Flughafengesellschaft hat nach eigenen Angaben etwa zwei Millionen Euro zurückgestellt, um Altlasten aus der Zeit nach 1970, dem Baubeginn des Terminals, zu beseitigen. Kosten für eine Kontamination aus der Zeit davor müsste das Land Berlin tragen. Das Areal war nach dem Zweiten Weltkrieg an vielen Stellen mit Trümmerschutt aufgefüllt worden, zuvor hatte es unter anderem als Schießplatz und Raketenübungsgelände gedient.

In der amtlichen Information zum Volksentscheid über die Schließung von Tegel im vergangenen Jahr spielten die Altlasten keine Rolle. Eine Mehrheit sprach sich in dem Volksentscheid dafür aus, dass der Flughafen parallel zum BER in Betrieb bleiben soll.

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