Nach Verkauf

Aus für das Traditionslokal „Alt-Reinickendorf“

Nach dem Verkauf des Hauses gibt der Wirt die Traditionskneipe „Alt-Reinickendorf“ auf. Denn der Käufer will selbst ein Lokal eröffnen.

Steht bis zum Umbau leer: Das ehemalige Wirtshaus mit der Anschrift Alt-Reinickendorf 3

Steht bis zum Umbau leer: Das ehemalige Wirtshaus mit der Anschrift Alt-Reinickendorf 3

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Die letzten Biere sind gezapft, die Stammtischrunden aufgelöst. Seit Anfang Februar gehört das Wirtshaus „Alt-Reinickendorf“ am Kolpingplatz der Vergangenheit an. Gäste stehen inzwischen vor verschlossenen Türen – und der Wirt Dirk Kaphengst sowie seine sechs Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft.

„Im Dezember erfuhr ich, dass ich rausmuss. Da hieß es: Das Haus wird verkauft“, so der 51-Jährige. Von seinem alten Vermieter bekam er zwar das Angebot, die historische Immobilie mit Adresse Alt-Reinickendorf 3 selbst zu erwerben, doch Kaphengst musste passen. Stattdessen fand sich ein anderer Käufer, der eigene Pläne verfolgt. Er wollte Kap­hengst noch bis April gewähren lassen und dann ein eigenes Lokal eröffnen. Doch der Wirt zog schon vorher die Konsequenzen. „Über zwei Jahrzehnte war dieses Restaurant ein Aushängeschild für deutsche Wirtshauskultur. Davon loszulassen, fällt schwer“, sagt er.

Wirtschaftsstadtrat erwartet größere Umbaumaßnahmen

Ehepaare, Stammtischteilnehmer und ein Strickklub – sie alle trauern ihrem Kieztreff nach. „In dieser Gegend wird es ganz schwer, für uns einen Ersatz zu finden“, glaubt Ingrid Sens. Als „Ein-Mann-Stammtisch“ bezeichnet sich Michael Wagner – er saß 14 Jahre lang regelmäßig am Tresen und schätzte die Geselligkeit. Wagner meint: „Hier konnte man Leute aus der Nachbarschaft kennenlernen und die Anonymität besiegen.“ Nach Erkenntnissen des Heimatforscher Klaus Schlickeiser muss der Bau in den 1840er-Jahren entstanden sein und gehörte damals zum Anwesen eines Landwirtes, der in Höhe der Adresse Alt-Reinickendorf 8 Felder bestellte.

Aus Sicht des Reinickendorfer Wirtschaftsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) ist die Schließung des Wirtshauses „eine bedauerliche Entwicklung“. Das gutbürgerliche Lokal sei auch jenseits des Viertels ein Begriff gewesen. Obwohl ein beliebter Kieztreffpunkt zunächst verloren geht, sieht der Politiker auch Potenzial für den neuen Betrieb. Nach seinen Informationen muss das Gebäude aufwendig instand gesetzt werden.

Zu ihren konkreten Plänen wollte sich die neue, türkischstämmige Eigentümer­familie auf Anfrage der Morgenpost nicht äußern.

Kiezkneipen-Serie: Soldiner Eck in Wedding

Inge und Willy Domscheit führen seit fast 40 Jahren ihre Urberliner Kneipe in Wedding, das bestimmt wildere Partys gesehen hat als so einige Clubs in Las Vegas.
Kiezkneipen-Serie: Soldiner Eck in Wedding
© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.