Reinickendorf
Flughafengelände

Linke und die Tegel-Nachnutzung: „Ein solches Geschenk“

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) würde gern schon loslegen auf dem Flughafengelände Tegel. Tour mit der Politikerin.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Abgeordnetenhaus Berlin, Udo Wolf, am Flughafen Tegel

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Abgeordnetenhaus Berlin, Udo Wolf, am Flughafen Tegel

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Katrin Lompscher steht auf der Blümchenwiese im regenfeuchten Gras und sieht alles in Gedanken schon vor sich: die Start-ups in ihren künftigen Büros, die kleinen Handwerksbetriebe, die innovativen Industrieunternehmen – und auch die 5000 Wohnungen. „Ich kann es kaum erwarten, bis ich hier endlich mein Amt als Stadtentwicklungssenatorin ausüben kann“, sagt Lompscher, „meine Leute in der Verwaltung sitzen wie auf Kohlen. Sie wollen loslegen.“

Der BER, der nicht fertig wird, hat bislang verhindert, dass Lompscher „ihres Amtes als Stadtentwicklungssenatorin“ auf dem riesigen Flughafengelände im Norden Berlins walten kann. In sechs Wochen steht nun zudem der Volksentscheid bevor, bei dem sich die Berliner mehrheitlich wohl für eine Offenhaltung von Tegel aussprechen werden. Der rot-rot-grüne Senat versucht es aber noch mit Überzeugungsarbeit: In der Hand hält die Senatorin den bunten Masterplan für die Nachnutzung des Flughafengeländes. Ein Gebiet, mit rund 500 Hektar so groß wie der halbe Wedding und nach Ansicht von Rot-Rot-Grün geeignet, viele Probleme der Stadt auf einmal zu lösen. Denn Wohnungen und Gewerbeflächen sind inzwischen knapp in Berlin.

Statt des Fluglärms soll Reinickendorf einen Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien bekommen, die Beuth-Hochschule einen zweiten Campus und die Berliner viele bezahlbare Wohnungen. Die „Stadtansichten“-Tour der Linken führt Lompscher und andere Linken-Politiker am Mittwoch per Kleinbus auf das sonst für die Öffentlichkeit unzugängliche Airportgelände. Vorbei an einer Maschine der Alitalia und Flugzeugen von Air Berlin. Beide verlustreichen Unternehmen stehen vor dem Aus, weil ihnen der arabische Großaktionär Etihad kein Geld mehr geben will.

55 Prozent der Linke-Anhänger wollen Tegel behalten

Geht es nach dem Senat, wird Tegel in wenigen Jahren geschlossen. 1996 beschlossen der Bund, Berlin und Brandenburg, dass nach Tempelhof auch Tegel schließen muss – spätestens sechs Monate nach dem Start des Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Auf der grünen Wiese, hinter den Start- und Landebahnen, nur durch einen Zaun vom Kurt-Schumacher-Damm getrennt, erläutert Lompscher die schon bekannten Pläne des Senats.

Vertreter der Bürgerinitiative „Danke Tegel, es reicht“ und einige Journalisten sind auch dabei. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat Lompscher in den turbulenten Zeiten zur Zuständigen für Tegel erklärt. Keine dankbare Aufgabe: Auch 55 Prozent der Linke-Anhänger sind dafür, den Airport zu behalten – und am 24. September wird zeitgleich der Bundestag gewählt. Im Norden der Stadt dominiert die Angst vor steigenden Mieten, wenn es am Himmel still wird, im Südosten fürchten sie den steigenden Lärmpegel, wenn alles vom BER fliegt.

Die Linke-Landeschefin Katina Schubert guckt nach oben, während wieder ein Flieger landet. „300.000 Berliner haben sich auf die Zusage verlassen, dass bald Ruhe herrscht.“ Udo Wolf, der Linke-Fraktionschef, verbirgt seinen Ärger nicht. Über die FDP, die den Volksentscheid mit „unseriösen Argumenten“ initiiert habe, über die CDU. „Die Union hat die Nachnutzungspläne mit entwickelt“, sagt Wolf „Jetzt ist sie aus Wahltaktik gegen die Schließung.“ Lompscher schaut auf den Masterplan. „Dabei gibt es ein solches Geschenk für Berlin nicht wieder“, ist sie überzeugt.

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