Reinickendorf
Bilanz

Das Tegeler Hafenfest aus drei Perspektiven

Anwohner, Bezirksamt und Veranstalter bilanzieren die Veranstaltung unterschiedlich

Trotz der Querelen ein Publikumsmagnet: Das Tegeler Hafenfest 2017 fand unter gerichtlichen Einschränkungen statt

Trotz der Querelen ein Publikumsmagnet: Das Tegeler Hafenfest 2017 fand unter gerichtlichen Einschränkungen statt

Foto: Thomas Schubert / BM

Die Anwohner der „Initiative Hafenfest 2017“ haben in einer Pressemitteilung Bilanz des zehntägigen Festes an der Greenwichpromenade gezogen. Sie kritisieren darin, dass das Bezirksamt „die selbst gestellten Auflagen für die Durchführung des Festes nur halbherzig geprüft und durchgesetzt“ habe. So seien vereinbarte Ruhezeiten gebrochen und das Veranstaltungsende „großzügig ignoriert“ worden.

In mehr als 20 Fällen hätte das Ordnungsamt Verstöße und die Vereinbarungen des gerichtlichen Vergleichs ignoriert. „So bleibt der Eindruck, dass die Auflagen lediglich zur Beruhigung der Anwohner im Vorfeld dienten“, sagt ein Initiativen-Sprecher. „Die mangelnde Bürgernähe, insbesondere vom Bezirksbürgermeister persönlich, hat dazu geführt, dass der Konflikt unnötig eskaliert wurde, bis hin zu einem gerichtlichen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, das das Vorgehen des Bezirksamts ausdrücklich gerügt hat.“

Initiative Hafenfest fordert Verkürzung des Festes auf vier Tage

Das Gericht hatte das Fest vor Beginn an drei Tagen verkürzt und zwei Feuerwerke gestrichen. Positiv bewertet die Initiative, dass die Absperrungen zu den Wohnhäusern wirksam waren und das Ordnungsamt das „traditionelle Verkehrschaos“ im Griff hatte. Die Polizei habe viel Unruhe vermieden. Die Anwohner bleiben bei ihrer Forderung, im nächsten Jahr das Fest wieder auf vier Tage zu verkürzen. 729 Unterschriften hatten sie für dieses Anliegen gesammelt.

Das Bezirksamt bewertet seine eigene Arbeit hingegen positiv. Insgesamt 16 Beschwerden sei das Ordnungsamt „konsequent nachgegangen“ und hätte die 42 Auflagen umgesetzt, so ein Sprecher. Die zeitliche Ausweitung des Tegeler Hafenfests habe dazu geführt, die Besucherströme zu entzerren und gleichmäßiger zu verteilen. „Die Einschränkungen für die Anwohner überstiegen ein vertretbares Maß nicht.“ Die Beschwerden berücksichtige man bei einem runden Tisch aller Beteiligten im September.

Veranstalter: „Unser Konzept ist voll aufgegangen“

Veranstalter Olaf Schenk bezeichnet das Fest als Erfolg und behält sich vor, wieder zehn Tage zu beantragen. „Wir haben mehr als 20.000 Unterschriften dafür gesammelt und übergeben sie dem Bezirksamt“, kündigt er an. „Unser Konzept ist voll aufgegangen. Nur das Regenwetter hat den Händlern und mir Geld gekostet, aber das ist unternehmerisches Risiko.“

Die Kritik und gezählten Verstöße der Anwohner bezeichnet er als „totalen Blödsinn“. Es sei ein ruhiges, friedliches Fest gewesen und die Lautstärke der Musik sei durch einen verplombten Limiter immer auflagenkonform gewesen. „Was sind das für Leute, die Fotos von verschobenen Mülltonnen in Baumscheiben machen, Antiplakate kleben und Wäscheleinen an Ständen monieren“, fragt er sich. Er veranstalte zahlreiche Feste deutschlandweit und habe so etwas noch nie erlebt.