Reinickendorf
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Strandbad Tegel bleibt geschlossen

Der Aufsichtsrat der Berliner Bäder-Betriebe fällt heute die Entscheidng über die Zukunft des Strandbads Tegel am Tegeler See.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Reinickendorf.  Ist das Strandbad Tegel noch zu retten oder wird es dem Verfall überlassen? Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) und wird über die Zukunft des Familienbades beraten. Die Optionen sind Sanierung, Verpachtung oder Verkauf.

Die Freibadsaison hat bereits am 1. Mai ohne das Familienbad am Tegeler See begonnen, weil die Umweltbehörde des Senates den Weiterbetrieb endgültig verboten hat. Der Blick zurück zeigt, dass seit 2007 bekannt ist, dass das Bad saniert werden muss. Seit 2012 läuft der Betrieb nur noch, weil damals eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde.

Ausnahmegenehmigung wird nicht verlängert

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hatte als zuständige Wasserbehörde im März 2012 eine Genehmigung „mit Auflagen zur Sanierung der Abwasserleitungen“ ausgesprochen, die ursprünglich bis zum 31. Dezember 2015 befristet war. Doch die Frist verstrich, ohne dass die BBB die verabredeten Arbeiten ausgeführt hätten. Auf Antrag der BBB wurde die Genehmigung dann für die Sommersaison 2016 noch einmal verlängert. Doch jetzt ist Schluss.

„Ein Weiterbetrieb über die Sommersaison 2016 hinaus ist ohne Sanierung der Abwasserleitungen nicht mehr möglich“, antwortete Christian Gaebler von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport schon im Dezember 2016 auf eine Anfrage des Abgeordneten Stephan Schmidt (CDU). Der Grund: Das Bad liegt in der Schutzzone des Wasserwerkes Tegel. Hier sind zweiwandige Abwasserleitungen zwingend vorgeschrieben. Doch das Freibad verfügt nur über eine einwandige, marode Abwasserleitung, die außer Betrieb genommen werden musste. Eine Sanierung der Leitungen würde rund 900.000 Euro kosten. Hinzu kämen Kosten für die Sanierung und Einbindung der Leitung an die sanitären Anlagen des Strandbadgebäudes, sodass letztendlich 1,7 Millionen Euro nötig wären, um das Strandbad weiterzubetreiben.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird die Geschäftsführerin der BBB, Annette Siering, dem Aufsichtsrat am Freitag ein Konzept für eine langfristige Verpachtung (Erbpacht) vorlegen. Nach Ansicht des Senates werde das Strandbad aber in diesem Jahr geschlossen bleiben und auch mobile Duschcontainer seien keine Lösung, weil auch diese genehmigt werden müssten. Der Senat wolle eine Lösung finden, um das Bad 2018 wieder eröffnen zu können. Ein Verkauf wäre keine Option. „Für mich stellt sich die Frage, wie der Sanierungsrückstau aufgelöst werden soll, wenn tatsächlich verpachtet wird“, sagt der Abgeordnete Stephan Schmidt, in dessen Wahlkreis das Strandbad fällt. „Das wird kein Pächter auf sich nehmen.“ Zudem verstehe er nicht, warum die Option einer Verpachtung nicht früher geprüft wurde. Jahrelang sei Zeit gewesen. „Meines Erachtens geht das nur, wenn im Rahmen der Aufstellung des Haushaltes 2018/2019 Geld in die Hand genommen wird, um zumindest die Abwasserleitung vor einer Verpachtung zu sanieren. Sonst wird auch ein solches Konzept nicht weiterhelfen“, fürchtet Schmidt. Er wolle sich im Hauptausschuss für die Mittel einsetzen.

Reinickendorfer Sportverein möchte Betrieb übernehmen

Auf Bezirksebene ist man sich parteiübergreifend einig, dass das Strandbad erhalten bleiben muss und in den letzten Jahren stiefmütterlich behandelt wurde, machte die vergangene Versammlung der Bezirksverordneten (BVV) deutlich.

„Obwohl der Senat zugesichert hat, kein Bad schließen zu wollen, unternimmt er keinerlei Anstrengung, das beliebte Sommerbad zu erhalten“, kritisierte der zuständige Stadtrat Tobias Dollase (CDU) in der BVV. Der Vorschlag, Dusch- und Toilettenkabinen aufzustellen und damit die Abwasserproblematik zu umgehen und Zeit zu gewinnen, sei vom Bezirksamt gekommen. Doch offenbar ist dieser Vorschlag bereits wieder vom Tisch. „Dem Bezirksamt Reinickendorf liegen die Interessenbekundungen von zwei Investoren vor“, sagte Dollase in der BVV.

Außerdem zeige sich ein Reinickendorfer Sportverein gewillt, das Bad zu betreiben, um den Schwimmbadbetrieb sicherzustellen und Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten zu bieten. Sofern die BBB Geld zur Verfügung stelle, würde der Verein auch eine Sanierung durchführen lassen, führte Dollase aus. „Wir wollen, dass der Aufsichtsrat eine zukunftsfähige Lösung findet. Die Schließung des Strandbades Tegel ist für den Bezirk nicht akzeptabel“, sagte Dollase. Es bleibt abzuwarten, wie der Aufsichtsrat der BBB am Freitag entscheidet.