Reinickendorf
Tarifstreit

Flughäfen Tegel und Schönefeld drohen Streiks

Mitarbeiter des Boden- und Sicherheitspersonals klagen über schlimme Arbeitsbedingungen. Verdi warnt vor massiven Einschränkungen.

Im Juni 2014 streikten Mitarbeiter des Bodenpersonals in Tegel und Schönefeld

Im Juni 2014 streikten Mitarbeiter des Bodenpersonals in Tegel und Schönefeld

Foto: dpa

Berlin.  An den Berliner Flughäfen drohen Arbeitsniederlegungen mit massiven Folgen: Mitarbeiter des Boden- und Sicherheitspersonals in Tegel und Schönefeld klagen über katastrophale Arbeitsbedingungen und wollen nach Informationen der Berliner Morgenpost deshalb streiken.

Beim Dienstleistungskonzern Wisag etwa, der für die Abfertigung von Passagieren und Flugzeugen zuständig ist, erwägen die Mitarbeiter, ihre Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft Verdi schließt „massive Einschränkungen im Berliner Luftverkehr Anfang 2017“ nicht aus. Ein Angestellter eines Wisag-Subunternehmens prognostiziert: „In Berlin wird Chaos ausbrechen.“

Auf dem Flughafen Tegel bleiben die Passagierbusse aus

Auslöser ist ein Tarifstreit. Verdi hat den zum Ende des Jahres auslaufenden Flächentarifvertrag für Luftverkehrs­bodendienste an Flughäfen gekündigt, um bessere Bedingungen auszuhandeln. Parallel hat die Wisag die Überleitungsverträge gekündigt. Diese garantieren den Mitarbeitern des 2008 übernommenen Flughafendienstleisters GlobeGround bis Ende 2016 ihr früheres Gehalt. Die Wisag spricht von einem „üblichen Vorgehen, damit ab November ein Verbandstarifvertrag ganzheitlich ausgehandelt werden kann“.

Job am Flughafen - Vom Traum zum Albtraum

Die Beschäftigen spekulieren indes, dass die Wisag die durch einen neuen Tarifvertrag drohenden Lohnsteigerungen über Gehaltseinsparungen bei den Ex-GlobeGround-Mitarbeitern ausgleichen will. Verdi beklagt, dass „prekäre Arbeitsverhältnisse“ geschaffen werden sollen. Sollte sich die Wisag bei den aktuellen Verhandlungen nicht bewegen, müsse gestreikt werden.

Securitas-Mitarbeiter: Schichten "wahre Horror-Tour"

Im Tarifkonflikt befindet sich Verdi auch mit dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft, der die 2500 Beschäftigten der Firma Securitas an den Airports vertritt. Nach Auslaufen des Tarifvertrags Ende Oktober wurde bis Jahresende ein Übergangstarif mit Lohnsteigerungen zwischen drei und fünf Prozent ausgehandelt. Statt den nun 16,10 Euro Stundenlohn fordert Verdi künftig 19 Euro. Streik bei den Sicherheitsmitarbeitern sei jedoch nicht das Ziel, heißt es. Man gehe von einer Einigung im Dezember aus. Falls doch gestreikt werde, wolle man sich mit den Kollegen vom Bodenpersonal abstimmen.

Verdi macht Lohndumping für Koffer-Chaos verantwortlich

Die Sicherheitskräfte der Securitas fordern nicht nur mehr Geld, sie wollen auch bessere Arbeitsbedingungen. Ein Mitarbeiter bezeichnet seine Schichten als „wahre Horrortortur“. Pro Tag müssten bis zu 2500 Passagiere abgefertigt werden. Es gebe keine richtigen Pausen, gegessen werden dürfe nur in den Kontrollkabinen oder im Gepäckkeller. Angestellte der Wisag berichten derweil von einem Krankenstand von 15 bis 20 Prozent, ausgelöst durch überlastete Mitarbeiter. Wegen der angespannten Personalsituation träten auch Sicherheitsmängel auf.

Die Wisag weist die Vorwürfe von Verdi und den Mitarbeitern zurück. Das Unternehmen will auch von einem Streik nichts wissen. „Eine reibungslose Leistungserbringung ist nicht gefährdet“, sagte eine Sprecherin. Auch die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg weiß nach eigenen Angaben nichts von einem drohenden Streik des Bodenpersonals.

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