Reinickendorf
Gesundheit

Einst Mühle, heute Klinik

Joachim König hat als Kind auf dem Gelände der Humboldtmühle gewohnt. Jetzt kam er als Patient zurück. Drei Wochen Reha waren der Grund.

Eine grüne Umgebung und dennoch stadtnah: Dass es sich bei der Medical Park Berlin Humboldtmühle in Tegel um eine Klinik für Rehabilitation handelt, ist am Namen nicht sofort zu erkennen. Auch die Adresse An der Mühle 2–9 deutet eher auf eine andere Nutzung hin. Wer jedoch das Gelände betritt, sieht sofort, dass es sich um eine Fachklinik handelt. Das wusste auch Joachim König, als ihn seine Krankenkasse dorthin zur Reha schickte. Doch der heute 73-Jährige kennt das Areal noch aus einer ganz anderen Zeit: Er verlebte dort seine frühen Kindheitsjahre. Sein Vater war einer der drei Obermüller der Humboldtmühle, die noch bis 1988 betrieben wurde. Von 1945 bis 1949 wohnte die Familie sogar auf dem Gelände in einer Dienstwohnung. Bei seinem jetzigen Aufenthalt entdeckte König vieles aus Kindheitstagen wieder.

Das einstige Silogebäude beispielsweise hat heute Fenster, dahinter befinden sich Patientenzimmer, aber die beiden Hauptrohre für das von Schiffen angelieferte Getreide für die Mühle sind an der Klinkerfassade erhalten. Nach dem Krieg waren die Eltern mit dem damals Zweijährigen in die Dreizimmerwohnung oberhalb der Testbäckerei eingezogen. Heute ist dort nur noch ein Pförtnerhäuschen, die Wohnung im ersten Stock gibt es nicht mehr. „Solch ein leckeres Brot habe ich nie wieder bekommen“, berichtet König, den seine Krankenkasse nach drei Bauchoperationen an die Stätte seiner Kindheit schickte.

Wo sich heute die Rezeption befindet, standen die Motoren

Noch vieles andere hat König wiederentdeckt: Dort, wo sich heute die Rezeption befindet, standen die Motoren. Der Mehlspeicher lag vorn an der Straße. Dort war auch die Mehlrutsche, über die die Säcke auf die Wagen kamen. „So ein Sack ging auch mal auf. Das war dann eine Riesenwolke, und das fand ich immer sehr lustig“, erinnert sich König.

An der Technischen Universität Berlin studierte König Elektrotechnik. 40 Jahre lang arbeitete er als Spezialist für Hochhausaufzüge beim Unternehmen Otis in Tegel. Sogar an den Bau des Flughafens Tegel während der Blockadezeit erinnert sich König, und das hatte auch etwas mit der Mühle zu tun, für die sein Vater arbeitete: „Die 40 Mitarbeiter waren dienstverpflichtet. Auch mein Vater. Sie wurden mittags von den Franzosen abgeholt. Vater hat auch mitgebaut. Auf die Schippe, die jeder für die Arbeit erhielt, waren sie besonders stolz.“

Als die Mühle dann 1949 an einen neuen Eigentümer verkauft worden sei, habe die Familie die Dienstwohnung aufgeben müssen und sei nach Steglitz gezogen. Der Vater habe aber weiter dort gearbeitet. In den 80er-Jahren kam das Gelände mit den Gebäuden der Mühlenanlage in das Eigentum der Familie Freiberger. Nach der Nutzung der Gebäude als Hotel, Arbeitsagentur und Unternehmensberatung eröffnete sie 2009 die Rehaklinik Medical Park Berlin Humboldtmühle. Die Gebäude der Mühlenanlage stehen heute unter Denkmalschutz. Urkundlich erwähnt worden ist die Mühle erstmals schon 1361. Der Umbau für die neue Nutzung als Klinik bewahrte die historische Bausubstanz und ergänzte die alten Gebäude mit neuer Architektur.

Die Gesundheitsbranche hat in Reinickendorf einen hohen Stellenwert. Fast jeder zweite Arbeitsplatz ist nach Auskunft der Wirtschaftsförderung in der Gesundheitswirtschaft zu finden. 38.000 von 77.000 Beschäftigten arbeiten in diesem Bereich. Medical Park Berlin Humboldtmühle hat rund 400 Mitarbeiter. Die Klinik therapiert in drei Fachrichtungen: Orthopädie und Unfallchirurgie, innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie sowie Neurologie. „So können Begleiterkrankungen oder auch Überschneidungen von Krankheitsbildern wie ein Herzinfarkt nach einer Knieoperation gut mitbehandelt werden“, sagt Heinz Theres, ärztlicher Direktor und einer der drei Chefärzte. Behandelt werden überwiegend Berliner, aber auch arabische und russische Patienten schätzen das Angebot der Rehaklinik, die über eine Intensivstation verfügt und so Patienten aus den Akutkrankenhäusern früh eine Rehabilitation ermöglicht.