Reinickendorf
Schulen in Berlin

Humboldt-Gymnasium in Tegel ist "Jugend forscht Schule 2016"

Das Humboldt-Gymnasium in Tegel ist als „Jugend forscht Schule 2016“ ausgezeichnet worden, zwei Schüler nahmen am Bundeswettbewerb teil

 Paul Brachmann (15) und Freyja Grundmann (17), Schüler des Humboldt-Gymnasiums und Preisträger von „Jugend forscht“, mit Schulleiter Jörg Kayser

Paul Brachmann (15) und Freyja Grundmann (17), Schüler des Humboldt-Gymnasiums und Preisträger von „Jugend forscht“, mit Schulleiter Jörg Kayser

Foto: David Heerde

Strahlend weiße Wäsche auf einer meterlangen Leine, das ausgeblichene Fußballshirt wieder leuchtend rot – und alles ganz schonend gewaschen. So verspricht es die Werbung. Kann das wirklich funktionieren? Freyja Grundmann will es wissen und überprüft es in ihrem Waschprojekt.

Ihr Mitschüler Paul Brachmann hingegen interessiert sich für das Internet der Dinge, in dem Geräte, Schalter und Sensoren mit dem Web verbunden sind. Fenster gehen zu, bevor der Regenschauer kommt? Kein Problem.

Die beiden sind Schüler des Humboldt-Gymnasiums in Tegel und haben als Landessieger beim Wettbewerb „Jugend forscht“ Berlin nun auch erfolgreich beim 51. Bundeswettbewerb vertreten. Ihre Schule wurde zudem von der Kultusministerkonferenz mit dem Titel „Jugend forscht Schule 2016“ ausgezeichnet.

Theorie und Praxis zusammenbringen

Mehr als 1100 Schüler besuchen die Oberschule an der Hatzfeldtallee, die auch Schnelllerner-Klassen anbietet. „Umfassende Bildung, Wertschätzung, Begabungsförderung“, das seien die Leitlinien, sagt Schulleiter Jörg Kayser. Bislang werden die Schüler ganz nach ihren Interessen in zahlreichen Arbeitsgemeinschaften gefördert, sie können ein naturwissenschaftliches Sommercamp besuchen oder in der Mittelstufe die Junior-Akademie.

Ab dem Schuljahr 2016/17 kommen neue sogenannte Humboldt-Kurse dazu. Die Schüler wählen zwischen 27 verschiedenen Angeboten aus. So können sie sich intensiver mit dem kreativen Schreiben, Kunst, mit dem naturwissenschaftlichen Forschen oder mit der Gründung eines Start-ups beschäftigen. Mit diesem Konzept hat die Schule die Jury im Wettbewerb überzeugt. Dazu kommt noch ein weiterer Punkt: „Innovative Unterrichtsangebote wie das neu konzipierte Fach Technik und Natur bringen – ganz im Sinne der Brüder Humboldt – Theorie und Praxis gewinnbringend zusammen“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Mit ein paar Mausklicks am Laptop die Idee erklären

Nicht erst in der Schule, sondern zu Hause mit Kosmos-Experimentierkästen fing es bei Paul Brachmann an. In der vierten Klasse baute er bereits im Sommercamp kleine Roboter aus Legosteinen und programmierte sie so, dass sie Bälle annehmen und abschießen können. Das war sein erstes Projekt im Wettbewerb „Jugend forscht“. Seitdem ist er sieben Mal dabei gewesen. Seine preisgekrönte Idee in diesem Jahr kann er mit ein paar Mausklicks am Laptop erklären. Auf dem Bildschirm erscheinen zwei Blöcke, jeder steht für ein Gerät. Das können Lampen sein, Kühlschränke, Haustüren, Jalousien – kurz alles, was mit einen Sensor oder einer Funksteckdose ausgestattet werden kann. Diese werden auf der Plattform miteinander vernetzt, sodass das eine Gerät dem anderen mitteilt, was es zu tun hat. Anhand der Messdaten lässt sich Strom sparen oder die Fitness überprüfen. Die Anwendungsgebiete der von ihm entwickelten Software „DEploy“ sind sehr vielfältig.

Die Leistung des 15-Jährigen besteht aber vor allem darin, dass er die Programmierung der Geräte durch eine grafische Darstellung erleichtert hat. Für die neue Software wurde er beim Bundeswettbewerb mit dem 5. Preis der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Konrad-Zuse-Jugendpreis für Informatik beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ ausgezeichnet. Bis zum Ende des Jahres will der Elftklässler seine eigene Firma gegründet haben und die Idee vermarkten. Ein Auslandspraktikum und anschließend das Studium der Wirtschaftsinformatik könnten aus seiner Sicht die nächsten Stationen sein.

Häufiges Waschen schadet

Freyja Grundmann wurde in einem naturwissenschaftlichen Kurs „entdeckt“. Die Lehrerin erkannte ihre Neigung und ermutigte sie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ mitzumachen. Das war in der achten Klasse und die Schülerin tüftelte über einer hausinternen Biogasanlage, die aus biologischen Abfällen Energie produziert.

In diesem Jahr war die 17-jährige Abiturientin zum fünften Mal beim Wettbewerb dabei und nahm erfolgreich im Fach Chemie teil. Wie wirkt sich häufiges Waschen auf die Baumwollfaser aus? Gibt es den Schonwaschgang? Die ernüchternde Erkenntnis: Egal mit welchem Waschpulver der Stoff gewaschen wird, je häufiger er auf der Leine hängt, desto schneller geht er kaputt. Das liege an den Enzymen, erklärt die Schülerin. Die werden allen Waschmitteln zugesetzt, und die erkennen nicht, ob es Schmutz ist oder die Faser, die sie angreifen. „Es mag stimmen, dass die Farbe zunächst leuchtender ist“, sagt Freyja Grundmann. Doch der Stoff könnte dadurch schneller reißen. Chemikerin will sie trotzdem nicht werden. Mathematik war ihr zweiter Leistungskurs, und den will sie zum Beruf machen. Von den 174 Abiturienten am Humboldt-Gymnasium haben im vergangenen Jahr 71 Schüler besser als 2,0 abgeschlossen. Noch hat sie ihre Ergebnisse nicht, aber auch Freyja Grundmann erwartet eine Eins vor dem Komma.