Prozess

Flughafen Tegel - Anwohner wird wegen Lärm entschädigt

Solange der BER nicht an den Start gehet, leiden die Anwohner am Flughafen Tegel weiter unter dem Fluglärm. Nach einem Gehörschaden erhält ein Rentner jetzt eine Entschädigung.

Foto: Jens Büttner / dpa

Ein Anwohner des Flughafens Tegel hat von seiner Unfallversicherung eine Teilentschädigung nach einem Lärmtrauma erstritten. „Am 23. Mai wurde ein Vergleich geschlossen, Gegenstand war die Forderung an den Versicherer“, hieß es am Mittwoch aus dem Landgericht.

Nach dem Tiefflug eines Jets und einem lauten Knall war der Rentner Anfang 2011 von massiven Hörproblemen geplagt worden. Von seiner privaten Unfallversicherung verlangte er einen finanziellen Ausgleich. Ein langer Rechtsstreit folgte, der nun zu Ende ging.

„Ich freue mich, dass es zu dem Vergleich gekommen ist“, sagte der im Stadtteil Wedding wohnende Kläger der „Berliner Zeitung“. Er muss laut Gericht jedoch 77 Prozent der Verfahrenskosten übernehmen; auf das beklagte Unternehmen entfallen den Angaben zufolge die übrigen 23 Prozent.

Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt hatte die „akute Lärmexposition am Unfalltag“ als Hauptursache für die Hörverluste anerkannt. Die Versicherung hatte jedoch mit Verweis auf mögliche andere Gründe für die Schädigung zunächst die geforderte Ausgleichszahlung verweigert.

Nach Informationen des Blattes schließt sich an das Zivilverfahren jetzt noch ein Strafprozess im Januar 2015 an: Der mit zeitweiliger Taubheit und Pfeifgeräuschen kämpfende Mann zeigte die chinesische Airline an, die das lärmende Flugzeug betrieben haben soll.

Lärmbelastung auf hohem Niveau

Insgesamt ist die Fluglärm-Belastung in Tegel nach Angaben der Flughafengesellschaft 2013 wieder leicht gesunken. Im langjährigen Vergleich blieb sie aber auf einem hohen Niveau, wie aus Ende Juni vorgelegten Zahlen der Betreiber hervorgeht. Im vorigen Jahr gab es in Tegel nach dem Bericht zudem 4,2 Prozent weniger Nachtflüge.

Wegen der mehrfach verschobenen Eröffnung des BER war ihre Zahl 2012 um 13 Prozent gewachsen. Am Flughafen Schönefeld blieb der Schallpegel nach Betreiberangaben 2013 nahezu gleich. Rund um den BER warten derweil noch mehr als 23 000 Haushalte auf ausreichenden Schallschutz.

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