Reinickendorf
Bildung

Zentrales Register für Schulschwänzer gefordert

Rund zehn Prozent der Berliner Schüler bleiben dem Unterricht unentschuldigt fern. Manche nur ein oder zwei Tage, andere über Wochen. Jetzt will Innensenator Ehrhart Körting verstärkt gegen das Schwänzen vorgehen – mit einem zentralen Register und einem Datenaustausch zwischen Behörden.

Zur besseren Bekämpfung von Schulschwänzerei hat Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zentrale Register und einen vermehrten Datenaustausch zwischen den Behörden gefordert. „Schule schwänzen allein macht nicht kriminell. Aber es ist natürlich so, dass Menschen, die keine Bildungsperspektive haben, höchstwahrscheinlich auch leichter anfällig sind, Grenzen zu überschreiten“, sagte Körting im ZDF-Morgenmagazin vor Beginn der Frühjahrskonferenz der Innenminister am Abend. „Wir benötigen einen stärkeren Datenaustausch – übrigens auch über Kriminalität – als wir ihn bisher haben. Auch zwischen Jugendamt und Polizei“, sagte der Innensenator.


Es sei „höchst kompliziert“ für die Polizei, bei den Schulen jugendliche Straftäter zu melden. „Da beißt sich der Datenschutz in den Schwanz.“ Die jeweiligen Behörden seien jedoch bemüht, „einen Datenverbund zu erreichen“.


Fast elf Prozent der Berliner Schüler fehlten im ersten Halbjahr 2005/2006 unentschuldigt. 29.527 Schüler blieben dem Unterricht bis zu zehn Tage fern. 2997 Schüler kamen zwischen elf und 20 Tage nicht zur Schule. 1334 Schüler fehlten zwischen 21 und 40 Tage. 913 gingen sogar an mehr als 40 Tagen nicht zur Schule. Nach Aufforderungen durch die Schule und vielen Gesprächen versuchen die Behörden mit der Verhängung von Bußgeld notfalls durch Hausbesuche die Einhaltung der Schulpflicht durchzusetzen.

Schulschwänzerei ist nach den Worten des SPD-Politikers ein „Sozialschichtenproblem“. Insbesondere Kinder aus ärmeren Schichten und Migrantenfamilien verweigerten den Unterricht. Zwangsmittel wie Geldbußen gegen die Eltern würden wenig bewirken, sagte Körting. „Ich kann bei einem Hartz IV-Empfänger nicht mit 5000 Euro Geldbuße etwas erreichen. Mit der Freiheitsstrafe kann ich eventuell etwas erreichen, aber da sagt dann die Rechtsprechung auch: Ist das angemessen?“. Um das Problem zu lösen, müsse die „Attraktivität von Bildung“ deutlicher vermittelt werden.