VEB Milchhof

Von wo aus Ost-Berlin einst mit Milch versorgt wurde

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Der Milchhof Berlin an der Romain-Rolland-Straße belieferte in der DDR Ost-Berlin mit Milchprodukten.

Der Milchhof Berlin an der Romain-Rolland-Straße belieferte in der DDR Ost-Berlin mit Milchprodukten.

Foto: Museum Pankow / Museum Pankow / CC BY-NC-SA 3.0

In der DDR belieferte der Heinersdorfer VEB Milchhof Ost-Berlin. Nach der Wende wurde die Produktionsstätte zum Lost Place. Alle Infos.

Berlin. Der ehemalige Komplex an der Berliner Romain-Rolland-Straße in Pankow wurde als "VEB Milchhof Gross-Berlin” 1965 eröffnet. Zu DDR-Zeiten wurde von hier aus Ost-Berlin mit Milch und Milchprodukten beliefert. Nach der Wende übernahm die Emzett-Molkerei den Betrieb, die Milchanlagen wurden aber bereits 1996 geschlossen. Erfahren Sie hier alle wichtigen Informationen zu dem VEB Milchhof, der lange Zeit zu den vielen Lost Places in Berlin zählte.

Das sind die Fakten zum VEB Milchhof im Überblick:

  • Adresse: Romain-Rolland-Straße 19–35, 13089 Berlin-Heinersdorf
  • Geschichte: Errichtung 1965 nach Plänen des Architekten Günter Graw; Milchbetrieb bis zur Stilllegung 1996
  • Führungen: Keine. Das Gebäude wurde abgerissen
  • Status: Ehemaliger Lost Place

Wo lag der VEB Milchhof genau?

Das Areal des VEB Milchhof liegt in der Romain-Rolland-Straße 19–35 (bis 1951 Kaiser-Wilhelm-Straße/Kronprinzenstraße) im Ortsteil Heinersdorf im Bezirk Pankow. Bis zur Bezirksreform 2001 gehörte Heinersdorf zum ehemals eigenständigen Stadtbezirk Weißensee. Heute befinden sich auf dem Gelände mehrere Einkaufszentren.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des VEB Milchhofs:

Ausgangslage: Ehemalige Klinikmolkerei gab den Anstoß

Die Vorgeschichte des Milchhofs Heinersdorf reichen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück: Damals wurde für das ehemalige Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee an der Hansastraße eine eigene Molkerei mit angeschlossenem Kuhstall eingerichtet. Die dortige Nahrungs­bereitungs­anstalt und der Muster­kuhstall sollten die direkte Versorgung der Neu­geborenen und deren Mütter gewähr­leisten.

Mit der Berliner Gebietsreform 1920 und der Eingemeindung von Weißensee nach Berlin wurde in den 1920er-Jahren die auf dem Gelände befindliche "Milchkuranstalt" aus dem Krankenhausareal herausgelöst. Sie wurde Teil der Immobiliengesellschaft "Berliner Stadtgüter" und bildete durch Zusammenschluss mit weiteren Produktionsstätten in der DDR die Basis für den 1965 gegründeten "Milchhof Heinersdorf".

Lost Places in Pankow
Lost Places in Pankow

Ehemaliger Milchhof in Heinersdorf: Errichtung Anfang der 1960er-Jahre

Der Komplex an der Berliner Romain-Rolland-Straße wurde als "VEB Milchhof Gross-Berlin" von 1958 bis 1961 geplant. Das "VEB" steht für "Volkseigener Betrieb". Die Bauausführung erfolgte bis 1965. Zu DDR-Zeiten wurde von hier aus Ost-Berlin mit Milch und Milchprodukten beliefert. Das Areal war nach den Prinzipien der Ostmoderne der 1960er-Jahre konzipiert und umgesetzt: Die Produktionshalle war nach Sparsamkeitsprämissen als schlanke Stahlkonstruktion in Montagebauweise errichtet. Über eine Verladerampe wurden Kleintransporter mit den DDR-Milcherzeugnissen beladen. Im Angebot: Milch in Schlauchtüten für den Handel, H-Milch-Schoko, Buttermilch und ab 1981 für Delikat die Rahmcocktails "Erdbeere" und "Zitrone". Der großzügige Speisesaal, Wasch- und Umkleideräume standen für den sozialen Anspruch des Betriebs.

Die Produktion erfolgte mittels großer Abfüllanlagen zum Teil automatisiert. In dem Dokumentarfilm "Berliner in Pankow" von Ulrich Teschner aus dem Jahr 1977 erläuterte der Betriebsdirektor Walter Plagge die Versorgungsaufgabe des Hofs: "Hier wird mit Milchtankwagen jede Nacht die frische Milch aus den umliegenden Bezirken angeliefert, um sie in 51 verschiedene Varianten zu verarbeiten, womit die 1,2 Millionen Bewohner Ost-Berlins versorgt werden."

Ehemaliger Milchhof in Heinersdorf: Mit der Wende wird der Hof zum Lost Place

Nach dem Fall der Mauer wurde das Unternehmen in der Wendezeit von der Emzett-Molkerei übernommen, die den Betrieb als Milchhof mit noch knapp 150 Arbeitsplätzen bis Mitte der 1990er-Jahre aufrechterhielt. Dann war endgültig Schluss: 1996 wurde die Produktion in Heinersdorf eingestellt. Der ehemalige Milchhof wurde zum Lost Place. Die ehemalige Produktionshalle und die übrigen Gebäude auf dem Gelände versanken in einen jahrelangen Dornröschenschlaf und waren schließlich von Verfall und Vandalismus stark gezeichnet.

Ehemaliger Milchhof in Heinersdorf: Abriss in den 2000er-Jahren

Ab Mitte der 2000er-Jahren wurden die Gebäude auf dem Areal nach und nach abgerissen, um Platz für mehrere Einkaufsmärkte zu schaffen. Die Produktionshalle, die Wasch- und Umkleideräume und Teile des Speisesaales wichen Mitte der 2000er-Jahren dem Neubau eines "Kaufland". Als Reminiszenz an den Milchhof befinden sich auf dessen Dach heute noch mehrere Bögen Sägezahndach, die die Dachform der einstigen Produktionsstätte aufgreifen.

Im Jahr 2009 verschwanden der noch verbliebene Rest des Speisesaals und das Verwaltungsgebäude zugunsten eines Komplexes aus weiteren Einzelhandelsgeschäften. 2016 wurden schließlich mit der Wasseraufbereitung und dem Garagenhof die letzten Milchhof-Gebäude demontiert.