Verlorene Orte

"Lost Places": Die schönsten verlorenen Orte von Pankow

| Lesedauer: 6 Minuten
Bahn-Denkmal endlich gesichert: Der Lokschuppen am Pankower Tor erhält eine neue Bedachung und könnte später zum Aushängeschild des neuen Wohnquartiers werden.

Bahn-Denkmal endlich gesichert: Der Lokschuppen am Pankower Tor erhält eine neue Bedachung und könnte später zum Aushängeschild des neuen Wohnquartiers werden.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Lost Places in Pankow: Wie und wo finde ich sie? Ist das Betreten illegal? Das sind die wichtigsten Infos zu verlorenen Orten im Kiez.

Verwilderte Gebäude, Geisterdörfer, ehemalige Freizeitparks: Die Zahl der "Lost Places", die verlorenen und verlassenen Gebäude, für die Berlin seit den Neunzigern so bekannt war, ist stark geschrumpft. Doch es gibt sie noch vereinzelt. Hier erfahren Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu den „Lost Places“ im Ortsteil Pankow:

Was zeichnet die "Lost Places" in Pankow aus?

Die dörfliche Entwicklungsetappe des Vorortes Berlins wurde vom städtischen Aufschwung der Gründerjahre im 19. Jahrhundert abgelöst. Die meisten der ursprünglichen Verwaltungs- und Industriegebäude wie die Zigarettenfabrik Garbáty entstanden in dieser Zeit. 1920 wurde Pankow an Berlin angeschlossen und viele Reformbau-Siedlungen ergänzten das Architekturspektrum.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden in den Fünfzigerjahren zahlreiche DDR-Mächtige in Pankow ihr Zuhause. Den letzten großen Umbruch erlebte der Ortsteil mit dem Ende der DDR. Die Abwicklung von Industrien und Gewerbeflächen sowie die Aufgabe von militärisch genutzten Arealen und Objekte infolge des Ende des Kalten Krieges machen den Ortsteil Pankow heute zu einem heißen Kandidaten für wenig bekannte "Lost Places".

Auch interessant: Östliches Weißensee: Wo Ruinen neben Neubauten stehen

Wie viele "Lost Places" gibt es in Pankow?

Noch gibt es sie vereinzelt. Außerdem können in einer urbanen Gegend wie Pankow jederzeit neue "Lost Places" entstehen. Die Beliebtheit des Kiezes als Wohngegend führt aber dazu, dass Baulücken relativ schnell wieder geschlossen werden und es rasch Nachnutzungskonzepte für aufgelassene Infrastruktur gibt.

Ist es erlaubt, "Lost Places" in Pankow zu besuchen?

Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen "Lost Place" zu betreten. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt.

Welche "Lost Places" gibt es im Ortsteil Pankow?

Das sind die "Lost Places" in Pankow:

"Lost Places" in Pankow: Rundlokschuppen Pankow

1893 ließ die Königliche Eisenbahndirektion den runden Lokschuppen mit 24 Abstell- und Reparaturgleisen und einer eindrucksvollen Stahlkuppel am Bahnbetriebswerk Berlin-Pankow errichten. Gemeinsam mit dem ebenfalls verfallenden Rundlokschuppen Berlin-Rummelsburg ist er der Letzte seiner Art in ganz Deutschland. Nach der Wiedervereinigung endete der Güterverkehr 1997 mit der Stilllegung des Bahnhofs. Es ist geplant, dass auf der Fläche das neue Stadtviertel "Pankower Tor" mit mehr als 2.000 Wohnungen entsteht.

  • Lost Place: Rundlokschuppen Pankow, Am Feuchten Winkel, 13089 Berlin. Das Gelände befindet sich angrenzend an den S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf.
  • Führungen: Keine. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.
  • Status: Aktueller "Lost Place". Soll abgerissen und durch ein Stadtquartier ersetzt werden.
  • Mehr Infos: industriekultur.berlin/ort/rundlokschuppen-pankow

"Lost Places" in Pankow: Güter- und Rangierbahnhof Pankow

Der 1893 eröffnete Güter- und Rangierbahnhof Pankow ist bis zur Wiedervereinigung wichtiger Umschlagplatz für Lebensmittel und Baustoffe im Kiez. 2007 rückten in Pankow Abrissfahrzeuge an, um die letzten Gleisanlagen, Gebäude und Überführungen des alten Güter- und Rangierbahnhofs Pankow-Heinersdorf abzureißen. Auf dem Areal blieben außer dem Rundlokschuppen einige verfallene und denkmalgeschützte Gebäude stehen. Es ist geplant, dass auf der Fläche das neue Stadtviertel "Pankower Tor" mit mehr als 2.000 Wohnungen entsteht.

  • Lost Place: Alter Güter- und Rangierbahnhof Pankow, Am Feuchten Winkel, 13089 Berlin. Das Gelände befindet sich angrenzend an den S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf.
  • Führungen: Keine. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.
  • Status: Aktueller "Lost Place". Soll abgerissen und durch ein Stadtquartier ersetzt werden.
  • Mehr Infos: modernruins.de

"Lost Places" in Pankow: Schwimmhalle Pankow

youtube schwimmhalle pankow

Die Schwimmhallte Pankow in der Wolfshagener Straße liegt direkt neben dem Sommerbad Pankow. Sie wurde 1975 in der DDR als "modernste und größte Schwimmhalle" Ost-Berlins eröffnet. Besucher konnten im Gebäude ein 25-Meter-Schwimmbecken, ein Nichtschwimmerbecken und eine Sauna im Untergeschoß nutzen.

Nach der Wiedervereinigung übernahmen 1996 die Berliner Bäderbetriebe die Schwimmhalle. Anders als das Freibad wurde die Halle aber nicht saniert und blieb in der Folge geschlossen. Nach einer aktuellen Machbarkeitsstudie soll die Schwimmhalle abgerissen und durch ein Multifunktionsbad ersetzt werden.

  • Lost Place: Schwimmhalle Pankow, Wolfshagener Straße 101, 13187 Berlin-
  • Führungen: Keine. Das Gelände ist nicht öffentlich zugänglich.
  • Status: Aktueller "Lost Place". Soll abgerissen und durch ein Multifunktionsbad ersetzt werden.
  • Mehr Infos: modernruins.de

"Lost Places" in Pankow: Feuerwache Pankow

youtube die alte feuerwache berlin pankow

Das ehemalige Hauptgebäude der Feuerwache Pankow in der Grunowstraße 18 wurde 1893 als Spritzenhaus für die Freiwillige Feuerwehr errichtet. In den 1950er Jahren wurden zusätzlich eingeschossige Werkstätten und Garagenflächen ergänzt. In den 2010er-Jahren entschloss sich die Senatsverwaltung für Inneres und Sport einen Neubau in der Pasewalker Straße zu errichten. Die Alte Feuerwache in der Grunowstraße wurde aufgelassen. Das Gebäude ist inzwischen abgerissen worden.

  • Lost Place: Alte Feuerwache Pankow, Grunowstraße 18, 13187 Berlin-Pankow.
  • Führungen: Keine.
  • Status: Ehemaliger "Lost Place". Das Gebäude wurde inzwischen abgerissen.
  • Mehr Infos: modernruins.de

Neben den "Lost Places" beherbergt der Ortsteil Pankow auch noch historische Schauplätze der Industriekultur:

Schauplätze Industriekultur in Pankow: Zigarettenfabrik Garbáty

"Lost Place": So will Pankow die Wasserturm-Ruine rettenFünf „Lost Places“ in Pankow – das sind ihre GeheimnisseLeben an „Lost Places“: Pankow will bis zu 37 Brachen kaufen

1906 errichtete der Zigarettenunternehmer Josef Garbáty für seine Zigarettenfabrik in Pankow neue Fabrikgebäude und eine Villa für seine Familie. Als einer der größten Arbeitgeber Pankows war das Unternehmen aufgrund seiner Sozialpolitik sehr beliebt. Die Politik der Nationalsozialisten führte zur Enteignung und zur Flucht der meisten Familienmitglieder. Während der deutschen Teilung blieb die Produktion in der Zigarettenfabrik als Volkseigener Betrieb erhalten. Nach der Schließung 1990 wurde das Gebäude als Gewerbefläche und Wohnraum genutzt.