Lost Places in Prenzlauer Berg: Wie und wo finde ich sie? Ist das Betreten illegal? Das sind die wichtigsten Infos zu verlorenen Orten im Kiez.

Verlassene Psychiatrien, Geisterbahnhöfe, Stasi-Areale und menschenleere Atomkriegsbunker: Lost Places regen als verlassene, dem Verfall ausgesetzte Überreste der Vergangenheit seit jeher die Fantasie an. Gerade in einem Innenstadtkiez wie dem Prenzlauer Berg, der den Bewohnern und Besuchern vertraut scheint, ist es faszinierend, an welchen Orten in unmittelbarer Nachbarschaft das Unergründete verborgen liegt.

"Lost Places" machen die Umbrüche der Stadtentwicklung sichtbar – und sie vermitteln ein Bild vergangener Zeiten. Hier erfahren Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu „Lost Places“ in Prenzlauer Berg:

Was zeichnet die "Lost Places" in Prenzlauer Berg aus?

Die Bauwerke des Prenzlauer Berg sind Abbild der bewegten Geschichte des Kiezes seit den Anfängen der Bebauung um 1850: Sie zeugen von der industriellen Revolution, der Gründerzeit mit ihrer rasant wachsenden städtischen Infrastruktur, dem Kiez als Brauereistandort und Arbeiterviertel, den ideologischen Auseinandersetzungen Anfang des 20. Jahrhunderts, dem NS-Terror, der Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie den Verhältnissen in der DDR.

Die ersten Bebauungen fanden Mitte des 19. Jahrhunderts statt – nachdem das Gebiet eingemeindet worden war und sich Bierbrauereien angesichts der hervorragenden Wasserqualität entlang der heutigen Schönhauser Allee ansiedelten. Die Brauereien prägten den Kiez mit Ausflugslokalen und Bauten wie der heutigen Kulturbrauerei oder dem Prater. Ein zweiter Faktor der Ansiedlung war der niedrige Grundwasserspiegel durch eine Tonschicht, der den Brauereien eine weiträumige Unterkellerung für Kühlräume und Lagerung erlaubte. Diese teils erhaltenen, teils verschütteten Anlagen unter der Erde sind heute noch heiße Kandidaten für wenig bekannte "Lost Places" in Prenzlauer Berg.

Auch interessant: Östliches Weißensee: Wo Ruinen neben Neubauten stehen

Lost Places in Pankow

weitere Videos

    Wie viele "Lost Places" gibt es in Prenzlauer Berg?

    Vergleichsweise wenige. In einer urbanen Gegend wie dem Prenzlauer Berg können zwar jederzeit neue "Lost Places" entstehen. Die Beliebtheit des Kiezes als Wohngegend und als Standort für Investitionen führt aber dazu, dass Baulücken relativ schnell wieder geschlossen werden und es rasch Nachnutzungskonzepte für aufgelassene Infrastruktur gibt.

    Ist es erlaubt, "Lost Places" in Prenzlauer Berg zu besuchen?

    Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen Lost Place zu betreten. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt.

    Welche "Lost Places" gibt es im Ortsteil Prenzlauer Berg?

    Das sind die "Lost Places" in Prenzlauer Berg:

    "Lost Places" in Prenzlauer Berg: Stadtbad Oderberger Straße

    Das Stadtbad Oderberger Straße stand lange Zeit leer. Inzwischen wurde es saniert.
    Das Stadtbad Oderberger Straße stand lange Zeit leer. Inzwischen wurde es saniert.

    Das Stadtbad Oderberger Straße im Ortsteil Prenzlauer Berg wurde 1902 fertiggestellt und war bis in die 1980er-Jahre in Betrieb. Ende 1986 wurde der Betrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt und sorgten für einen jahrzehntelangen Leerstand. Nach Sanierungsarbeiten wird es seit Herbst 2016 wieder als Badebetrieb genutzt. Der Komplex steht unter Denkmalschutz.

    • Lost Place: Stadtbad Oderberger Straße, Oderberger Straße 57, 10435 Berlin.
    • Führungen: Jeden ersten Dienstag im Monat um 17 Uhr findet eine kostenlose Führung durch das Stadtbad statt (außer an Feiertagen). Treffpunkt ist die Rezeption des Hotel Oderberger, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
    • Status: Ehemaliger "Lost Place". Seit 2016 saniert und wiedereröffnet
    • Mehr Infos: hotel-oderberger.berlin/geschichte

    "Lost Places" in Prenzlauer Berg: Güterbahnhof Greifswalder Straße

    Das historische Stellwerk am Güterbahnhof Greifswalder Straße (Bildmitte) steht unter Denkmalschutz.
    Das historische Stellwerk am Güterbahnhof Greifswalder Straße (Bildmitte) steht unter Denkmalschutz. © Berliner Morgenpost | Thomas Schubert

    Auf dem 1875 eröffneten Güterbahnhof an der S-Bahn-Station Greifswalder Straße verkehren seit der Wendezeit keine Güterzüge mehr. Die Deutsche Bahn entfernte in den 2000er-Jahren alle Gleise des Güterbahnhofs. 2011 wurde das 28.000-Quadratmeter-Areal an einen Investor verkauft. Auf der Fläche sollen Wohnungen und möglicherweise eine Schule entstehen.

    • Lost Place: Güterbahnhof Greifswalder Straße/Lilli-Henoch-Straße 21, 10405 Berlin.
    • Führungen: Keine. Das Areal ist nicht öffentlich zugänglich.
    • Status: Aktueller "Lost Place". Eine Bebauung ist in Planung.

    "Lost Places" in Prenzlauer Berg: Kellergewölbe der Kulturbrauerei

    Durch einen Import aus Bayern begann Mitte des 19. Jahrhunderts die Geschichte des Prenzlauer Berges als Zentrum der Bierbrauerei. Die Brauereien wie beispielsweise die ehemalige Schultheiss-Brauerei legten in der Nähe ihrer Schankstuben entlang der Schönhauser Allee Keller an, die im Zweiten Weltkrieg auch teils verschanzt als Bunkeranlagen genutzt wurden. Einige dieser Kellergewölbe lassen sich heute unterhalb des Areals der Kulturbrauerei besichtigen.

    • Lost Place: Kellergewölbe der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin.
    • Führungen: Jeden ersten Sonnabend im Monat um 14 Uhr findet die Führungen "Prenzlauer Berg von unten" durch den Verein unter Berlin statt. Im Rahmen der Führung werden exemplarisch zwei aussagekräftige historische unterirdische Bauwerke besucht. Eine Anmeldung ist erforderlich.
    • Mehr Infos: unter-berlin.de

    "Lost Places" in Prenzlauer Berg: Ehemaliger Zentralvieh- und Schlachthof von Berlin

    1881 entstand der Zentralvieh- und Schlachthof in Berlin als eine der modernsten Anlage ihrer Art in Europa. In DDR-Zeiten wurde der Standort erweitert und als VEB Fleischkombinat Berlin fortgeführt. Nach der Wende wurde der Schlachtbetrieb 1991 eingestellt. Nach Jahren des Leerstands begannen Investoren, das Areal ab Mitte der 1990er-Jahre neu zu bebauen und die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu sanieren.

    • "Lost Place": Ehemaliger Zentralvieh- und Schlachthof, Eldenaer Straße 34–46, 10249 Berlin-Prenzlauer Berg.
    • Führungen: Unregelmäßig auf dem Areal.
    • Status: Ehemaliger "Lost Place". Seit 1995 Sanierungs- und Umbauarbeiten.
    • Mehr Infos: industriekultur.berlin/ort/zentralvieh-und-schlachthof

    Lost Place in Pankow: Kino Colosseum

    Das Foyer des Kinos Colosseum.
    Das Foyer des Kinos Colosseum. © Thomas Schubert

    Das Gebäude entstand um 1892 ursprünglich als Wagenhalle der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn A. G. und wurde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Pferde- und Straßenbahndepot genutzt. Überreste der ursprünglichen Nutzung haben sich in der Architektur im Inneren erhalten. Ab 1924 bis 2020 wurde das Gebäude als Kino im Stadtbezirk betrieben. 2022 fand sich ein Projektentwickler als Käufer, der die Kultureinrichtung wiederbeleben will. Das Kino steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

    • Adresse: Schönhauser Allee 123, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg.
    • Führungen: Der kommerzielle Anbieter von "Lost-Places"-Touren "go2know" bietet einige Termine Anfang 2023 für eine Fototour im stillgelegten Kino Colosseum an.
    • Status: Aktueller "Lost Place". Neue Nutzungskonzepte sind in Planung.
    • Mehr Infos: morgenpost.de

    Neben den "Lost Places" beherbergt der Ortsteil Prenzlauer Berg auch noch Schauplätze der Industriekultur:

    Schauplätze Industriekultur in Prenzlauer Berg: Pfefferberg-Brauerei

    Die Brauerei Pfefferbräu auf dem Pfefferberg
    Die Brauerei Pfefferbräu auf dem Pfefferberg © Brauerei Pfefferbräu | Brauerei Pfefferbräu

    An der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg liegt der Pfefferberg. Namensgeber für das Areal ist der bayerische Braumeister Joseph Pfeffer, der ab 1841 an dem damals noch vor den Stadtgrenzen gelegenen Ort eine eigene Brauerei errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Schultheiss-Brauerei den Braubetrieb auf dem Pfefferberg. In der DDR finden Druckerei und Verlag "Neues Deutschland" auf dem Pfefferberg ihren Platz. Eigentümerin des Areals ist inzwischen die Stiftung Pfefferwerk.

    • Industriedenkmal: Pfefferberg-Brauerei, Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin.
    • Führungen: Auf Anfrage. Unter dem Thema: Industriekultur als Arbeitsort sind Führungen für interessierte Gruppen zur Geschichte und Gegenwart des Geländes möglich. Einzelpersonen sind zu Führungen am Tag des offenen Denkmals eingeladen.
    • Mehr Infos: industriekultur.berlin/ort/pfefferberg-brauerei

    Auch interessant: Die alten Kupferkessel auf dem Pfefferberg brauen wieder

    Schauplätze Industriekultur in Prenzlauer Berg: Kulturbrauerei

    Sie soll so bleiben wie sie ist: Den Nutzungsmix von Kreativbetrieben in der Kulturbrauerei setzt Pankow jetzt amtlich fest.
    Sie soll so bleiben wie sie ist: Den Nutzungsmix von Kreativbetrieben in der Kulturbrauerei setzt Pankow jetzt amtlich fest. © Thomas Schubert

    1853 übernahm Jobst Schultheiss die bayerische Bierbrauerei und den dazugehörigen Lagerkeller in der Schönhauser Allee. Für den schnell wachsenden Betrieb schuf der Berliner Architekt Franz Schwechten den modernen Produktionsstandort: Sudhaus, Lagerhalle, Böttcherei – noch heute sind die früheren Nutzungen an den Gebäuden ablesbar. Im Nationalsozialismus galt die Schultheiss-Brauerei als "Nationalsozialistischer Musterbetrieb". Nach Gründung der DDR ging die Bierproduktion staatlich organisiert als Volkseigener Betrieb (VEB) weiter. Heute wird das Areal als Kulturzentrum betrieben.

    • Industriedenkmal: Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin
    • Führungen: Kostenloses Guidesystem auf dem öffentlich zugänglichen Gelände für mobile Endgeräte. Kostenpflichtige Führungen auf Anfrage.
    • Mehr Infos: industriekultur.berlin/ort/kulturbrauerei

    Weitere News zum Thema Lost Places in Berlin

    "Lost Place": So will Pankow die Wasserturm-Ruine retten Fünf „Lost Places“ in Pankow – das sind ihre Geheimnisse Leben an „Lost Places“: Pankow will bis zu 37 Brachen kaufen