„Bankraub“ mit Folgen

Gesprengte Geldautomaten in Prenzlauer Berg: Bank gibt auf

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Gesplittertes Glas, Bretter im Fenster: Rund drei Monate nach der Sprengung eines Bankautomaten in Berlin-Prenzlauer Berg sieht man die immensen Schäden an der Bankfiliale immer noch von außen.

Gesplittertes Glas, Bretter im Fenster: Rund drei Monate nach der Sprengung eines Bankautomaten in Berlin-Prenzlauer Berg sieht man die immensen Schäden an der Bankfiliale immer noch von außen.

Foto: Thomas Schubert

Pankow verliert wichtige Postbank-Filiale – die Räume sind durch eine Explosion zu stark beschädigt. Nun droht eine Versorgungslücke.

Berlin.  Es ist so etwas wie die Neuerfindung des Bankraubs: Immer wieder versuchen Kriminelle mit der nächtlichen Sprengung von Geldautomaten in Berlin ein kleines Vermögen zu erbeuten. Eine Eskalation mit Waffengewalt, wie sie in Kriminalfilmen gern gezeigt wird, bleibt Mitarbeitern und Kunden zwar erspart. Doch die Schäden durch die Automaten-Explosion können so immens ausfallen, dass die komplette Bank zerstört wird.

Genau das ist nun im Fall einer Postbank-Filiale in Prenzlauer Berg geschehen. Seit einer Sprengung von zwei Geldautomaten am 19. September hat das Institut an der Ecke Prenzlauer Allee und Marienburger Straße in Berlin geschlossen – und wird auch nie mehr eröffnen. Diese Entscheidung der Postbank führt im Kiez zu Unmut und wird nun auch ein Thema in Pankows Bezirksverordnetenversammlung. Hier befürchtet die Linksfraktion eine Unterversorgung des Stadtgebiets durch den Verlust der Filiale und bittet das Bezirksamt, bei diesem Streitthema zu vermitteln.

Allerdings wird sich die Postbank auf eine Wiedereröffnung der beschädigten Räume definitiv nicht mehr einlassen, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigt. „Tatsächlich werden wir die Filiale nach der Sprengung des Geldautomaten am 19. September nicht wieder öffnen. Die Schäden, die die Sprengung verursacht hat, waren derart schwer, dass ein Wiederaufbau der Filiale wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen wäre“, heißt es.

Geldautomat gesprengt: Beschädigtes Ladenlokal in Prenzlauer Berg wird Schandfleck

Wie hoch der von der Explosion verursachte Sachschaden genau ausfällt, dazu will sich die Bank nicht äußern. Bekannt ist durch den Polizeibericht nur, dass die Täter mit der Sprengung größere Mengen Bargeld erbeuten konnten. Auch die zukünftige Verwendung des Ladenlokals in einem Neubau an der Prenzlauer Allee 39, bleibt offen. Zu den Regelungen des Mietvertrags will das Institut schweigen. Passanten blicken nun bereits seit Monaten auf eine verschlossenes, nun mit Graffiti beschmiertes Portal mit verrammelten Scheiben – ohne Auskunft, ob und wann die Neubau-Ladenfläche eine andere Nutzung erfährt.

Als Alternativen zum Abheben von Geld, für Beratung und Tätigung von Geschäften empfiehlt die Postbank Kunden aus dem Kiez die Räume in der Prenzlauer Allee 51, wo die Deutschen Post in ihrer Filiale auch einige Bankdienstleistungen anbietet.

• Geldautomaten in Berlin – lesen Sie auch:Wie Banden in Berlin Automaten explodieren lassen

Ein echtes „Vollsortiment“ der Postbank findet man aber nur noch in größerer Entfernung im Einkaufszentrum Schönhauser Allee Arcaden in der Schönhauser Allee 79 oder am Alexanderplatz in der Rathausstraße 5 im Ortsteil Mitte. Zum Geldabheben empfiehlt die Bank Kunden auch das „Cashback“-Verfahren mit Geldauszahlung an Supermarkt-Kassen. In dem Fall etwa bei Lidl an der Prenzlauer Allee 44 oder bei Netto in der Belforter Straße 20.

Nicht nur in Berlin: Bund meldet Rekordzahlen bei Angriffen auf Bankautomaten

Deutschlandweit nehmen die Fälle von Bankraub durch Automatensprengung deutlich zu. So wurden laut Bundesinnenministerium in den Jahren 2020 und 2021 rund 800 Geldautomaten gesprengt. (2020: 414; 2021: 392). Dies waren die höchsten Fallzahlen, die seit dem Beginn der statistischen Erfassung durch das Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2005 registriert wurden, so das Ministerium. Im Jahr 2022 sei ein neuer Höchststand zu erwarten.

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