Energiekrise

Heizung läuft bei 20 Grad - Pankow führt Spar-Experten ein

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Trotz Energiekrise hängen die Heizungen auf den Fluren des wichtigsten Dienstgebäudes in Pankow auf 3 - und erwärmen fast menschenleere Räume Tag und Nacht.

Trotz Energiekrise hängen die Heizungen auf den Fluren des wichtigsten Dienstgebäudes in Pankow auf 3 - und erwärmen fast menschenleere Räume Tag und Nacht.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Gas und Strom sparen, das will Pankow schaffen dank „Ansprechpersonen“ in jedem Haus. Heizungen, die auf 3 festhängen, machen ratlos.

Berlin.  51 Prozent mehr Geld für Strom, 40 Prozent Preisaufschlag für Fernwärme – es sind gewaltige Kostensteigerungen die Berlins einwohnerstärkster Bezirk Pankow seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine in seinen zahlreichen Amtsgebäuden zum Handeln zwingen.

Also heißt es sparen, wo es nur geht – mehr noch als die fest vereinbarte Ziel-Einspargröße von 10 Prozent, die Berlin für allen Bezirke vorschreibt. Vorgesehen ist bislang etwa eine Absenkung der Raumtemperaturen in Verwaltung, Schulen und öffentlichen Einrichtungen auf 20 Grad, die Absenkung der Wassertemperatur in Schwimmbecken, das Entfernen von privaten elektrischen Geräte aus den Büros von Ämtern und das Dimmen von Außenbeleuchtung – auch an repräsentativen Gebäuden wie dem Rathaus.

Besonders viel erhofft man sich in Pankow von „energiesparendem Nutzerverhalten“, wie Bürgermeister Sören Benn (Linke) in einer neuen Vorlage noch einmal betont. Dazu zählen selbstverständliche Verhaltensweisen wie das Löschen von Licht in leeren Räumen und der Verzicht auf unnötige Ausdrucke.

Für alle Dienstgebäude in Pankow: „Ansprechpersonen“ beraten Mitarbeiter beim Sparen

Ein wenig nachhelfen will man durch eine Innovation: Um die Möglichkeiten auszuschöpfen, plant Pankow nun auch die Einführung von „Ansprechpersonen für Energieansparung“ – und das für jedes einzelne Dienstgebäude, wie Benn bekannt gibt. Sie sollen nicht nur die Einhaltung der vereinbarten Sparmaßnahmen überwachen, sondern Mitarbeitern auch „beratend zur Seite stehen“, wenn Vorgaben unverständlich bleiben. Damit will es Pankow schaffen, die Sparmöglichkeiten durch „verhaltensorientierte Maßnahmen“ noch mehr als bislang auszuschöpfen.

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Andererseits zeigt sich aktuell auch, dass einfache Schritte, wie das Herabdrehen von Heizungen, schwieriger sein könnte, als gedacht. So stehen Heizungsregler in leeren Fluren des wichtigsten Dienstgebäudes, dem Sitz der Bezirksverordnetenversammlung in der Fröbelstraße, permanent auf 3. Und sind mit einer Plastik-Sperre so gesichert, dass sie sich auch bei Herbsttemperaturen von bis zu 20 Grad nicht herunterdrehen lassen. Tag und Nacht wird ein fast menschenleerer Flur sorgsam erwärmt.

Heizungen auf 3: Pankow kann Zwangserwärmung von Fluren nicht stoppen

Nun erkundigen sich Pankows Grüne: Warum geht das nicht anders? „Im Dienstgebäude Fröbelstraße ist das Bezirksamt Mieter“, betont Bürgermeister Benn die missliche Lage – und verweist an das Berliner Immobilienmanagement BIM, das handeln solle. Man habe schon versucht, auf die zu hoch eingestellten Heizungen hinzuweisen. „Leider gibt es derzeitig Engpässe bei den Handwerkerleistungen“, gibt Benn die Erklärung bekannt, warum das Anpassen der Sperren an Heizreglern misslingt. Selbst entfernen oder verändern will die Verwaltung die Sperren nicht - „das Bezirksamt Pankow hat hier keine direkten Eingriffsmöglichkeiten“, so die Schlussfolgerung, die zum eigenen Sparanspruch nicht ganz zu passen scheint.

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