Gestörte Lieferketten

Verkehrsinsel nicht lieferbar: Pankow erfindet Pop-up-Lösung

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Verkehrsinseln aus Stein sind Mangelware - nun ergab sich in Pankow diese kreative Notlösung.

Verkehrsinseln aus Stein sind Mangelware - nun ergab sich in Pankow diese kreative Notlösung.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Weil eine echte Mittelinsel nicht zu beschaffen ist, entstand ein Provisorium aus Baken. Ein Beispiel für die neue Not am Bau.

Berlin. Wer es nicht besser weiß, auf den wirkt das Sammelsurium der Baken wie das typische schwer durchschaubare Durcheinander einer Berliner Straßenbaustelle. Vielleicht sogar wie das Überbleibsel eines Projekts, das nach Fertigstellung der Arbeiten vergessen wurde. Doch dieses Konstrukt aus rot-weißen Kunststoff-Auftellern und gelben Warnleuchten hat System – und es muss stehen bleiben, hier an der Mühlenstraße im Pankower Zentrum.

Denn hier handelt es sich um eine provisorische Mittelinsel. Ein Zwischenstopp auf der Straße, der Fußgängern helfen soll, die stark befahrene Nord-Süd-Strecke zwischen dem Rathaus und Prenzlauer Berg zu überwinden.

„Die sichere Querung der Mühlenstraße wird durch die provisorische Herstellung der Mittelinsel durch Leitbaken mit Warnleuchten und Gelbmarkierung gewährleistet“, schildert Verkehrsstadträtin Manuela Anders Granitzki (CDU) eine kuriose Lösung. Eine Maßnahme nach dem Pop-up-Prinzip, wie man sie seit der Corona-Krise von Radwegen kennt. Die Funktion von temporären Mittelinseln wie dieser sei identisch mit der Funktion von endgültig hergestellten Mittelinseln, betont sie auf Anfrage der Pankower SPD-Vizefraktionschefin Katja Ahrens. So sei die Gefahr für Schulkinder durch einen sicheren Ort im Strom der Autos gebannt.

Baken-Insel in Pankow: Alte Querung verschwand durch „temporären Rückbau“

Doch warum diese Notlösung? Warum gibt es an der Ecke Mühlen- und Masurenstraße keine echte Querung mit Pflastersteinen und Beton? Der Grund, den Anders-Granitzki nennt, lässt aufhorchen: „Derzeit gibt es Lieferschwierigkeiten des Lieferanten für die endgültige Wiederherstellung der Verkehrsinseln“. Worum es sich hier also handelt, ist ein Beispiel für gestörte Lieferketten. Ein Phänomen, was während Corona-Pandemie begann, sich durch den Krieg in der Ukraine verschärfte – und was nicht nur den Bau von Gebäuden bremst.

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Dass die ursprüngliche Beton-Verkehrsinsel der Mühlenstraße verloren ging, hing natürlich ebenfalls mit einer Baustelle zusammen. Ein Investor ließ einen Stromanschluss für seinen Neubau legen – und musste dafür die Straße zufälligerweise genau dort aufreißen, wo sich die Querung befand. Immerhin: Der Stromanschluss für den Neubau, so bestätigt der Bezirk, ist fertig.

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Genehmigt war allerdings nur ein „temporärer Rückbau“ der Insel. Ein Blick auf die seit Monaten aufgestellten Baken zeigt: Ein temporärer Rückbau kann manchmal länger anhalten als gedacht.

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