Ein Kilometer Umweg

Warum Siedler aus Pankow eine Brücke aus dem Baumarkt wollen

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Mario Rubekowski und Hundert andere Siedler in Blankenburg wollen durch eine Protestaktion eine Behelfsbrücke erzwingen – als Ersatz für die alte Querung des Bachs, die vor über drei Jahren verschwand.

Mario Rubekowski und Hundert andere Siedler in Blankenburg wollen durch eine Protestaktion eine Behelfsbrücke erzwingen – als Ersatz für die alte Querung des Bachs, die vor über drei Jahren verschwand.

Foto: Thomas Schubert

Mehr als drei Jahre nach dem Abriss ihrer Fußgängerbrücke fordert eine Nachbarschaft nun den billigsten Ersatz.

Berlin. Die Lösung wäre trotz globaler Lieferengpässe bestellbar. Sie kostet exakt 11.275 Euro und käme, antransportiert von einem dänischen Händler, schnell in den Pankower Ortsteil Blankenburg. Die Lösung, das ist eine Brücke aus Glasfaserverstärkter Kunststoff. Eigentlich nur ein besserer Steg mit Geländer. Aber mehr verlangen Mario Rubelowski und seine Nachbarn auch nicht. Sie würden sofort Ruhe geben, wenn ihnen jemand aus dem Senat oder dem Bezirksamt Pankow zusagt, diese Brücke zu bestellen und über den Fließgraben in der Erholungsanlage Blankenburg zu legen.

Genau an die Stelle, wo der Senat Ende 2018 eine Fußgängerbrücke abreißen ließ – weil sie marode war, wie es hieß. „Nur hat uns das vor dem Abriss niemand gesagt“, ärgert sich Rubelowski. Mangelnde Kommunikation und eine fehlende Ersatzbrücke – das sind die beiden Gründe, warum die Siedler, die im Bereich der Erholungsanlage leben, seit über drei Jahren Protestaktionen starten, Briefe schreiben, in Ausschüsse gehen.

Rubelowski selbst besuchte neulich ein Fest, nur um dort die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) auf den Missstand hinzuweisen. So geht es immer abwechselnd: Mal bohrt Rubelowski auf Senatseben, mal beim Bezirk Pankow. Denn lange konnte den Siedlern niemand erklären, wer für den Ersatzneubau der Brücke am Rostsperlingweg, so der offizielle Name des Projekts, verantwortlich sein soll.

Siedler aus Pankow-Blankenburg planen ihre Infrastruktur nun selbst

„Nun wissen wir es“, sagt Rubelowski bei einer weiteren Protestaktion – zuständig sei die Abteilung Immobilien im Bezirksamt Pankow. Rund 100 Nachbarn hat er am brückenlosen Bach versammelt, um darauf hinzuweisen, dass hier etwas fehlt. Und dass viele ältere, gebrechliche Anwohner seit dem Abbruch der alten Brücke jeden Tag einen Umweg gehen müssen, bis zur nächsten Querung des Grabens. Einen Umweg von insgesamt einem Kilometer für jeden, der aus dem Bereich der Siedlung zum S-Bahnhof Blankenburg will und zurück.

2020 schien den Nachbarn die Not so groß, dass einer den Graben mit einer hölzernen Planke überbrückte. Illegal, wie der Bezirk befand – die Planke musste weg. Deshalb nun der Vorschlag an die Abteilung Immobilien des Bezirks: Statt eines zu teuren Neubaus im Wert von bis zu 250.000 Euro wollen die Siedler nur noch die Baumarktbrücke für 11.275 Euro. Mit einem Ausdruck des Angebots aus Dänemark will Rubelowski nun noch einmal an Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) herantreten.

Eine vollwertige Brücke würde laut Bezirksamt Pankow 250.000 Euro kosten - zu teuer

Mit der Bitte, dass man den Behelfssteg kaufen und über einfache Betonsockel zu beiden Seiten des Bachs spannen soll. „Man braucht die Brücke nur mit einem Kran drauflegen“, sagt Rubelowski. „Das kann keine 250.000 Euro kosten, wie uns gesagt wurde.“ Auch der Pankower Abgeordnete Johannes Kraft (CDU) möchte sich mit einem Brief an den Bezirk wenden, um für diese Kompromisslösung zu werben. „Eine Behelfsbrücke wäre sicher nicht verkehrt. Gerade wenn sie auch mit ehrenamtlichen Helfern kostengünstig errichtet würde“, sagt Kraft.

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Ein früheres Bittschreiben Rubelowskis an den Bezirksbürgermeister hatte noch keinen Erfolg. Allerdings ging es hier noch um die teurere Version der Fußgängerbrücke für 250.000 Euro. Dazu schrieb Benn, dass der Senat sich nach dem Abriss nicht am Neubauvorhaben beteiligen wollte – und Pankow auf den zu hohen Kosten sitzen geblieben wäre. „Der Bezirk konnte bereits zum damaligen Zeitpunkt keine Erneuerung finanzieren“, schreibt Sören Benn. „In Anbetracht der jetzigen Haushaltssituation stehen dafür keine Mittel zur Verfügung.“

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